American Football

Ein neuer Anlauf für die Delmenhorst Bulldogs

Mit den Bulldogs gibt es seit 2018 eine Football-Mannschaft in Delmenhorst. Aufgrund der Corona-Pandemie bestritt das Team jedoch noch kein Spiel. 2021 folgt der nächste Anlauf, die Gegner sind nun bekannt.
03.01.2021, 16:19
Lesedauer: 5 Min
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Ein neuer Anlauf für die Delmenhorst Bulldogs
Von Michael Kerzel
Ein neuer Anlauf für die Delmenhorst Bulldogs

Derweil dürfen die Bulldogs aufgrund der Corona-Pandemie nicht trainieren. Der Saisonstart soll im Mai erfolgen.

FOTOS: INGO MÖLLERS

Als die Delmenhorst Bulldogs im Oktober 2018 gegründet wurden, entschieden sich die Verantwortlichen um Headcoach Tyrus Morgan für eine lange Vorbereitung auf die ersten Pflichtspiele. Das komplette Jahr 2019 sollte genutzt werden, um aus Anfängern eine Truppe zu formen, die auf dem Feld in der Landesliga 2 mithalten kann und nicht nur sprichwörtlich verprügelt wird. Die Spieler fieberten eineinhalb Jahre auf die Saison 2020 hin. Equipment wurde nach und nach angeschafft, Trikots geordert und Taktiken einstudiert. Das erste Pflichtspiel im April 2020 rückte immer näher – und dann erschien das Coronavirus einige Wochen vorher auf der Bildfläche. Alle Partien fielen aus. Und weil beim Football anders als bei den meisten anderen Sportarten im Kalenderjahr von April bis Oktober gespielt wird, sagte der Verband die komplette Saison nach Rücksprache mit den Vereinen ab.

In 2021 soll nun ein neuer Anlauf erfolgen. Die Bulldogs hoffen, nun gegen Teams aus der Region antreten zu können. Der Verband plant den Saisonstart für Mitte Mai. Unterdessen gibt es eine gute Nachricht für Footballer: Die Abteilung des Delmenhorster TB wurde bei der Aktion „Sterne des Sport“ vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

Auszeichnung für Bulldogs

Normalerweise gibt es eine große Veranstaltung in Hannover, bei der einige Vereine des Landes für ihr Engagement ausgezeichnet werden. In diesem Jahr fiel der festliche Rahmen weg, sodass sich Niedersachsens Sportminister Boris Pistorius (SPD) nicht persönlich, sondern mit einem Grußwort an die Vereine richtete: „Mit ihren kreativen und vorbildlichen Projekten stehen sie stellvertretend für unsere vielfältige Sportlandschaft in Niedersachsen“, sagte er und sprach Glückwünsche aus. Die aktuelle Lage sei außerordentlich herausfordernd. „Ich bin mir bewusst, dass dies für die Vereine und ihre Mitglieder eine äußerst schwierige Situation ist. Deshalb hoffe ich sehr, dass die aktuellen Maßnahmen dazu beitragen, den Normalbetrieb im Sport bald wieder vollständig herstellen zu können“, sagte Pistorius. Die ersten drei Plätze gingen nach Hannover, Lüneburg und Osterode, einen der drei Förderpreise erhielten die Delmenhorster.

„Wir sind schon etwas stolz und freuen uns, dass die Jury uns ausgewählt hat“, sagt Abteilungsleiter Fabian Finke. Er gehört zu den Mitgründern der Mannschaft und ist dementsprechend seit Oktober 2018 dabei. „Die Auszeichnung belohnt den ehrenamtlichen Aufwand der Beteiligten in unserem Verein. Diesen braucht es, um eine neue Mannschaft und Sportarten-Sparte aufzubauen. Wir wurden nun ausgewählt, viele andere Ehrenamtliche in vielen anderen Vereinen hätte das auch verdient“, meint der 38-Jährige. In der Begründung der Jury steht: „Beim American Football gibt es Positionen für Menschen aller Konstitutionen. Gerade wer groß und schwer ist, kann bei diesem Sport wichtige Aufgaben übernehmen und Wertschätzung erfahren.“ American Football grenzt niemanden aus. „Football ist für jeden. Egal ob klein, groß, dick oder dünn“, betont Headcoach Tyrus Morgan. Die Bulldogs leben das vor. Nicht nur Akteure mit komplett unterschiedlichen Körpermaßen mischen mit, es sind ebenso Teenager dabei wie gestandene Männer von fast 50 Jahren, Coach Morgan (50) streift selbst noch ab und an das Trikot über. Zudem ist die Bandbreite von Bildungsleveln und Herkunft groß. Im Kader stehen Auszubildende, Studenten, einfache Angestellte ebenso wie Führungskräfte aus großen Unternehmen und Selbstständige verschiedener Branchen. Bei den Bulldogs stehen Menschen diverser Nationalitäten „Nacken an Nacken“ auf dem Rasen und stehen füreinander ein – „auf und neben dem Feld“, erklärt Finke.

Derzeit pausieren die Delmenhorster Footballer – wie alle andere Amateursportler auch – aufgrund der Corona-Pandemie. „Die Gesundheit steht an erster Stelle, daher ist der aktuelle Lockdown nachvollziehbar. Wir hoffen, dass wir in ein paar Monaten wieder voll einsteigen dürfen. Hoffentlich mit Publikum, das dann genauso breit gefächert sein wird wie unser Team“, blickt Finke voraus.

Vier Gegner am Mai

Mittlerweile steht auch fest, mit wem die Bulldogs ihre Kräfte messen werden, falls es die Entwicklung rund um das Coronavirus zulässt. Im vergangenen Jahr hätte es eine Landesliga 2 unterhalb der Landesliga gegeben, die Bulldogs hätten unter anderem Spiele gegen Aurich und auch Teams aus Schleswig-Holstein bestritten. In der kommenden Spielzeit 2021, die am 15. Mai starten soll, gibt es keine Landesliga 2 mehr, dafür fünf Gruppen in der Landesliga, die nach geografischen Gesichtspunkten sortiert wurden. Das hat zur Folge, dass es die Delmenhorster mit den Oldenburg Knights Cavaliers zu tun bekommen. Dabei handelte es sich um die Reserve des Oldenburger Regionalligateams. Darüber hinaus sind die Westerstede Wölfe in der Fünfergruppe vertreten. Diese beiden Teams trafen in der bis dato letzten Landesligasaison 2019 bereits aufeinander: Oldenburg siegte deutlich mit 62:0 und 33:0. „Beim 62:0 war ich im Stadion. Westerstede kann schon spielen, aber Oldenburg ist dann doch eine andere Klasse“, berichtet Finke. Es ist also keine Tiefstapelei, wenn man sagt, dass die Bulldogs zumindest gegen Oldenburg krasser Außenseiter sind. „Sie sind sehr stark und eines der Topteams der gesamten Landesliga. In meinem Augen sind sie der Favorit auf den Aufstieg“, sagt Morgan. 2019 scheiterte Oldenburg in den Playoffs im Viertelfinale an den Hannover Grizzlies II, die später den Aufstieg schafften. Auch die anderen Teams kennt Morgan, der selbst vor ein paar Jahren die Knights II trainierte. „Das Westersteder Wolf Pack besteht aus Leuten, die hart und diszipliniert agieren. Sie spielen eine Kombination aus verschiedenen Systemen und wissen, wie Football funktioniert“, meint Morgan.

Die Wölfe entschieden 2019 zwei von acht Partien für sich – jeweils gegen die Oldenburg Outlaws II. Mit den Bremen Bulls, dem dritten Kontrahenten, veranstalteten die Delmenhorster bereits ein Trainingsspiel – und bekamen hier ihre Grenzen aufgezeigt. Das sei laut Morgan auch völlig normal, wenn Anfänger erstmals gegen Spieler eines anderen Teams anträten. Er setzt auf den Lerneffekt, hält die Bremer jedoch für einen Geheimfavoriten. „Das ist ein sehr junges Team, das sehr gut gecoacht wird. Sie spielen schnell und tough“, erklärt Morgan. Eher unbekannt sind derweil die Northstars Cuxhaven. „In der 90ern habe ich gegen sie gespielt. Aber seit etwa 15 Jahren hatte Cuxhaven kein Footballteam mehr“, weiß Morgan. Wann genau die Partien gegen Bremen, Oldenburg, Westerstede und Cuxhaven ausgetragen werden, wird auf einem Verbandstag zwischen den Vereinen ausgehandelt.

Die Chancen der Bulldogs auf Erfolge in der ersten Saison sieht Morgan trotz der guten Gegner als durchaus realistisch an. „Wir haben einen guten Mix aus jüngeren und älteren Spielern. Das Team besteht aber zu 90 Prozent aus Rookies, und wir sind dabei zu lernen, wie man zusammen spielt. Es ist ein Prozess. Wir haben sechs Mann im Trainerstab, und es ist klar, dass gutes Coaching der Schlüssel zum Erfolg ist“, betont Morgan. Das Saisonziel hält er simpel: „Practice hard, play hard, win hard“.

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