Fußball-Oberliga Atlas erklimmt Tabellenspitze

Tom Schmidt und Marek Janssen schießen SV Atlas Delmenhorst beim MTV Gifhorn zum nächsten Sieg. Die Blau-Gelben sind nun seit 15 Spielen ungeschlagen.
09.11.2019, 18:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson

Gifhorn. Der SV Atlas Delmenhorst hat beim MTV Gifhorn einen wichtigen und verdienten 3:1 (2:1)-Auswärtssieg eingefahren. Damit haben die Delmenhorster erstmalig die Tabellenführung in der Oberliga Niedersachsen übernommen und dürfen diese mindestens eine Nacht lang genießen. In einem kampfbetonten Spiel vor rund 200 Zuschauern erzielten Tom Schmidt (12./71.) und Marek Janssen (39) die Tore für die Blau-Gelben, die beim Abschlusstraining am Freitagabend eine weitere bittere Nachricht verdauen mussten, als sich Spielmacher Musa Karli am Oberschenkel verletzte und die Reise nach Gifhorn nicht mit antreten konnte. „Woche für Woche fallen uns Stammspieler aus. Auch ein Florian Stütz, der Regionalliga-Format hat, fehlte uns heute. Von daher können wir mit der Leistung gegen einen starken Gegner zufrieden sein, auch wenn wir deutlich mehr können“, sagte Janssen nach dem Abpfiff.

Atlas trotzt Personalproblemen

Zu Beginn entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Quasi mit der ersten gelungen Aktion des Spiels brachte Tom Schmidt den SVA in Führung. Nach einer optimalen Flanke von Robert Plichta stieg der Mittelfeldspieler am höchsten und nickte ins rechte Eck ein – 1:0 (12.). Gifhorn konnte froh sein, dass es vier Minuten später nicht erneut klingelte, nachdem gleich drei Flachschüsse von Jan-Niklas Wiese, Janssen und Marlo Siech aus kurzer Distanz abgeblockt wurden (16.). Wie aus dem Nichts kamen die Hausherren in Minute 18 zum 1:1-Ausgleichstreffer: Torschütze Dennis Dubiel brachte einen harmlosen Freistoß aus halblinker Position in die Gefahrenzone. Das Leder flog an Freund und Feind vorbei ins lange Eck. Atlas-Torwart Florian Urbainski stand eigentlich auf dem Posten, ließ die Kugel allerdings durch die Handschuhe ins Netz rutschen – Torwartfehler. Trainer Key Riebau nahm seinen Schlussmann jedoch in Schutz: „Da gibt es keinen Grund, ihm einen Vorwurf zu machen. Die Standards waren nicht so schlecht getreten, da kann es immer mal sein, dass jemand seine Birne hinhält.“

Das Gegentor hinterließt bei den Gästen Spuren: Die einfachsten Pässe im Angriffsspiel kamen nicht mehr an, sodass der MTV immer besser in die Partie fand. Nennenswerte Torchancen ließ die stabile Delmenhorster Defensive jedoch kaum zu. Riebau war dennoch nicht wirklich zufrieden: „Wir fahren hier 190 Kilometer her. Da erwarten wir schon, dass die Jungs von Anfang an mehr Geilheit auf den Platz bringen. Die brauchen wir, um dauerhaft Erfolg haben zu wollen.“ Doppeltorschütze Schmidt pflichtete seinem Trainer bei: „In der ersten Halbzeit waren wir schwerfällig nach vorne. Damit können wir nicht zufrieden sein und das ist auch nicht unser Anspruch.“

Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff bejubelten die Blau-Gelben trotzdem die erneute Führung – ein Standard musste herhalten. Julian Harings trat den Freistoß aus halbrechter Position und bediente Janssen, der zuerst an MTV-Keeper Tobias Krull scheiterte, den Nachschuss allerdings im Netz zum 2:1 unterbrachte (39.). Kurz danach lief Gifhorns Luis Prior Bautista frei auf Urbainski zu. Der Stürmer überlegte zu lange und blieb am Atlas-Schlussmann hängen (43.). Auffällig: Die Gifhorner Spieler ließen sich fast pausenlos auf kleine, provokative Spielchen mit den rund 100 mitgereisten Atlas-Anhängern ein. In der 45. Minute mussten Mario Petry und Cedric Schröder gar von Atlas-Spielern zurückgehalten werden.

Kontertor bringt Entscheidung

Zur Halbzeit reagierte MTV-Trainer Michael Spies und wechselte seinen angeschlagenen Toptorschützen Jovan Hoffart ein. Der Flügelstürmer brachte ordentlich Schwung rein und fand in der 51. Minute durch einen gefährlichen Aufsetzer in Urbainski seinen Meister. In der Folge verpassten es Janssen (62.) und der eingewechselte Emiljano Mjeshtri (67.), die Führung auszubauen. 20 Minuten vor Schluss riskierte Gifhorn bereits Kopf und Kragen. Diese frühe Risikobereitschaft wurde gnadenlos bestraft, als MTV-Akteur Arne Jaeger einen Pass von Mjeshtri falsch einschätze und so Plichta und Schmidt freie Fahrt hatten. Es entwickelte sich quasi dieselbe Situation wie in Bersenbrück, als Plichta von Schmidt bedient wurde und das leere Tor verfehlte. Dieses Mal schob Plichta auf Schmidt, der keine Schwierigkeiten hatte, das entscheidende 3:1 zu erzielen (71.).

Als Schröder in Minute 77 nach einem groben Einsteigen gegen Marvin Osei die Rote Karte sah, war das Spiel gelaufen. Wären die Konter in der Schlussphase besser ausgespielt worden, hätten die Delmenhorster durchaus noch höher gewinnen können. Nichtsdestotrotz bejubelten Spieler und Fans den elften Saisonsieg ausgiebig mit dem seit dieser Saison traditionellen Song: „Wir holen die Meisterschaft, und schießen Gifhorn ab...“. Kurz danach trat Schmidt schon wieder auf die Euphoriebremse: „Wir müssen unseren Weg gehen und weiter von Spiel zu Spiel denken“.

Für mindestens 24 Stunden darf Atlas die Tabellenspitze feiern. Die Party begann bereits kurz nach dem Spiel, als aus der Kabine das Vereinslied „Es ist so schön, schön, schön, beim SV Atlas zu sein“ lautstark ertönte. Sollte der VfV 06 Hildesheim am Sonntag gegen den VfL Oldenburg verlieren, reisen die Delmenhorster am kommenden Sonntag als Spitzenreiter zur FT Braunschweig.

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