Fußball-Oberliga

Atlas feiert knappen Heimsieg

Der SV Atlas Delmenhorst gewinnt in der Fußball-Oberliga daheim mit 1:0 gegen den SC Spelle-Venhaus. Die Gäste hatten gegen ersatzgeschwächte Delmenhorster die besseren Chancen.
06.10.2019, 19:57
Lesedauer: 4 Min
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Atlas feiert knappen Heimsieg
Von Michael Kerzel
Atlas feiert knappen Heimsieg

Atlas-Torwart Malte Seemann war mehrfach zur Stelle. Er parierte zweimal stark und strahlte bei diversen Versuchen der Gäste aus der Distanz Ruhe und Sicherheit aus.

Ingo Möllers

Mit Glück, großem Kampf und einem starken Torwart hat sich der SV Atlas Delmenhorst drei Punkte gegen den SC Spelle-Venhaus gesichert. Der 1:0 (1:0)-Heimerfolg ist ein Big Point. Vor der Partie lagen beide Teams mit 18 Punkten auf den Rängen drei und vier in der Fußball-Oberliga Niedersachsen. Nun ist Atlas Zweiter und belegt damit den Relegationsrang. Das Tor des Tages erzielte Marco Prießner in der 45. Minute mit der einzigen echten Gelegenheit der Blau-Gelben in der ersten Halbzeit. „Es war ein Sieg des Willens und der Leidenschaft“, resümierte Atlas-Coach Key Riebau.

Die Delmenhorster mussten improvisieren. Neben den schon länger ausfallenden Leon Lingerski und Marvin Osei verletzten sich unter der Woche noch Oliver Rauh und Julian Harings. Zudem musste Florian Stütz kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Damit fehlten fünf Stammspieler und ein Großteil des Defensivverbundes. Musa Karli war zudem von einer Erkältung gehandicapt. Nach nur zwei Minuten wurden die Sorgen von Riebau noch größer, da sich Kevin Radke verletzte. Atlas spielte fortan mit Thade Hein als Rechts- und Jannik Vollmer als Linksverteidiger. Letzterer hatte bis dato in dieser Saison gerade mal fünf Minuten auf dem Rasen gestanden. „Unter der Woche ist uns fast alles weggebrochen, dazu die Verletzung gleich am Anfang. Entsprechend war es das erwartet mega schwere Spiel für uns“, sagte Key Riebau.

Durch die Ausfälle brauchte Atlas eine Zeit lang, um die Ordnung auf dem Feld zu finden. Spelle hatte von Beginn an mehr Spielkontrolle und erarbeitete sich einige Standardsituationen. Zunächst schoss Florian Hoff nach einer Ecke am kurzen Pfosten vorbei, dann köpfte Hoff eine weitere auf die Latte (7./18.). Florian Hoff war es auch, der aus knapp 30 Metern eine Freistoßgranate in Richtung rechtes oberes Kreuzeck abfeuerte. Malte Seemann im Atlas-Kasten flog jedoch und griff stark über, sodass er das Leder zur Ecke klären konnte (26.). Spelle legte weiter den Vorwärtsgang ein. Artem Popov spielte Steffen Wranik im Strafraum an, dieser ließ Karlis Plendiskis und Marlo Siech aussteigen, brachte dann jedoch nicht mehr genügend Druck hinter den Ball. Seemann parierte sicher (29.).

Spelle mit den besseren Chancen

Atlas kam nach einer halben Stunde besser in die Begegnung und ließ keine größeren Gelegenheiten mehr zu. Nach vorne blieben die Zuspiele der Blau-Gelben jedoch zu ungenau, sodass es keine Delmenhorster Torchance gab – bis zur 45. Minute. Tom Schmidt spielte einen unterschnittenen Pass halbhoch in den Speller Strafraum. Marek Janssen setzte zu einem Fallrückzieher an, verfehlte das Leder jedoch deutlich. Marco Prießner hatte damit offenbar – im Vergleich zu den SC-Verteidigern – gerechnet. Er nahm die Kugel an, drehte sich und vollendete mit einem Vollspannschuss ins kurze Eck zur glücklichen 1:0-Führung für den SVA (45.).

Riebau stellte in der Pause um, fortan agierten die Delmenhorster im 4-4-2 mit einer Raute und machten die Räume so besser zu. Zudem pressten sie die Speller früher und intensiver, sodass vor allem Schlussmann Bernd Düker immer wieder mit weiten Schlägen agieren musste. Im ersten Durchgang hatten sich die Gäste noch fast unbedrängt in die Delmenhorster Hälfte gespielt. Aus dem Pressing entstand eine große Chance für Blau-Gelb: Prießner nahm einen verunglückten Passversuch von Düker an der Strafraumgrenze an, verpasste jedoch den Abschluss. Auch Tom Schmidt, zu dem Prießner weiterleitete, schloss nicht ab. Letztlich verzog Emiljano Mjeshtri klar (53.).

Nach der Anfangseuphorie der Platzherren übernahmen die Gäste wieder die Kontrolle. Zunächst nahm Florian Hoff eine Kopfballabwehr nach einer Ecke volley und scheiterte nur knapp (57.), dann setzte Sascha Wald einen Freistoß neben den Atlas-Kasten (63.). Die Gastgeber gerieten immer mehr unter Druck und hatten nun auch noch das Glück auf ihrer Seite: Steffen Wranik schlenzte das Leder aus 18 Metern an den Pfosten, Seemann wäre chancenlos gewesen (70.). Den Abpraller verpasste Wald knapp. Kurz darauf zeigte der Atlas-Torwart eine starke Fußparade gegen Adrian Lenz, der im Strafraum von Wald und Wranik mit dem schönsten Angriff des Tages freigespielt worden war (75.). Wranik war es dann, der aus guter Position erneut an Seemann scheiterte (77.). Die Delmenhorster konnten sich inzwischen bei ihrem Schlussmann bedanken, dass die Führung Bestand hatte.

Trotz des großen Drucks der Gäste gab es keine größeren Chancen mehr, stattdessen hätten die Blau-Gelben zweimal die Entscheidung besorgen können. In Minute 86 eroberte Abwehrchef Karlis Plendiskis das Leder stark in der Gäste-Hälfte und bediente Devin Isik auf halbrechts. Dieser verzog jedoch überhastet. In der Nachspielzeit schickte Keisuke Morikami Mjeshtri steil. Dieser legte jedoch ungenau quer. Letztlich spielte das keine Rolle mehr, da die Partie nach nur zwei Minuten Nachspielzeit endete.

Den Delmenhorster Verantwortlichen fiel ein Stein vom Herzen. „Wir hatten ein paarmal Glück heute. Der Gegner hatte die besseren Chancen. Wenn man aber das Pokalspiel gegen Spelle dazunimmt (Atlas war besser, schied aber nach Elfmeterschießen aus, Anmerkung der Redaktion), war das Ergebnis heute gerecht. Nicht verdient, aber gerecht“, meinte ein erleichterter Atlas-Trainer Riebau. Tom Schmidt, der auch in der Endphase trotz des tiefen Bodens immer wieder Sprints zum Pressing anzog, saß erschöpft auf dem Trainerstuhl. „Es war so eklig heute. Dazu kam, dass gefühlt jede Entscheidung des Schiedsrichters gegen uns war. Wir haben gekämpft bis zum Umfallen“, sagte er. Es sei ein Sechs-Punkte-Spiel gewesen. „Am Ende hatte man schon im Kopf, dass wir schon zweimal in der letzten Minute noch den Ausgleich kassiert haben“, berichtete Schmidt.

Dass das nicht wieder passierte, war vor allem Seemann zu verdanken, der neben mehreren Paraden bei Flanken und Distanzschüssen auch viel Sicherheit und Ruhe ausstrahlte. Bescheiden gab er sich nach Schlusspfiff: „Jeder hat seine Aufgabe. Ich verhindere Tore, Marco macht Tore“, meinte er. Die Fans hätten einen großen Anteil am Sieg: „Wie sie uns angefeuert haben, war Wahnsinn. Das hat uns gerade in den letzten zehn Minuten die nötigen zehn Prozent mehr gegeben“, meinte der Atlas-Keeper. Seine Vorgesetzten lobten ihn: Riebau sprach von einem „gut aufgelegten Torwart“, Atlas-Präsident Manfred Engelbart hatte gar „die stärkste Leistung eines Torwarts in diesem Stadion“ gesehen.

Unter dem Strich stand ein glücklicher Heimsieg. „Es war heute nicht so erspielt, wie wir uns das eigentlich vorstellen, aber das war aufgrund der Personallage auch klar“, fasste Riebau zusammen. Atlas bleibt damit als einzige Mannschaft der Oberliga Niedersachsen unbesiegt.

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