Fußball-Bezirksliga

SV Baris feiert Derbysieg

Der SV Baris hat den SV Tur Abdin im Delmenhorster Derby mit 4:0 besiegt. Ein Joker markierte alle Treffer.
06.09.2020, 19:45
Lesedauer: 4 Min
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SV Baris feiert Derbysieg
Von Michael Kerzel
SV Baris feiert Derbysieg

Baris-Trainer Önder Caki wechselte in der 44. Minute Zana Ibrahim ein – und der Goalgetter dankte es ihm mit vier Treffern in gut 45 Minuten.

INGO MÖLLERS

Dass ein Spieler vier Tore in einem Fußballmatch erzielt, kommt nicht oft vor. Ab und an passiert das in unteren Ligen bei Schützenfesten, in der Bezirksliga bei einem 4:0 (1:0)-Erfolg stellt es eine Rarität dar. Zana Ibrahim stand dabei nicht mal in der Startelf, wurde gar erst in der 44. Minute eingewechselt.

Mit seinem ersten Ballkontakt sorgte er für die 1:0-Führung für den SV Baris im Stadtderby gegen den SV Tur Abdin. Nach dem Seitenwechsel ließ er gegen eine mehr als wackelige Abdin-Innenverteidigung einen lupenreinen Hattrick folgen. „Ich muss ihn im Training jetzt erst mal etwas runterholen“, sagte Baris-Trainer Önder Caki lachend. Eigentlich sei Ibrahim nicht richtig fit, könne aufgrund von Rückenproblemen erst seit zwei Wochen wieder trainieren. Die Gäste machten es dem Mittelstürmer denkbar einfach, ließen ihn entweder völlig frei stehen oder spielten ihm den Ball direkt in die Beine. Einen schwarzen Tag erlebte dabei Abdin-Kapitän Michael Sen. Das soll die Leistung von Ibrahim aber nicht schmälern, doch der Reihe nach.

Abdin kam besser in die sehr gemächlich startende Partie. Größere Torchancen ergaben sich für die Gäste allerdings nicht, defensiv standen sie jedoch sicher. Ein erster Abschluss von Manuel Celik wurde zur Ecke geblockt (12.). Aufregung gab es dann erstmals eine Minute später: Nach einem langen Ball über die Abwehr eilten Abdin-Stürmer Ninos Yousef und Baris-Keeper Anil Caki zum Leder. Yousef war zuerst am Ball, Caki traf ihn knapp außerhalb des Strafraums. Der Ball rollte zu einem Abdin-Spieler weiter und hätte die Gästeführung bedeutet. Schiedsrichter Theodor Potiyenko entschied jedoch auf Freistoß für Baris – er hatte den Einsatz Yousefs zu dessen Entsetzen als gestrecktes Bein gewertet. Aus der Distanz ist die Situation nicht seriös zu beurteilen. „Ich müsste die Szene noch einmal sehen“, meinte Abdin-Trainer Andree Höttges.

Der anschließende Freistoß verpuffte ebenso wie einer aus ähnlich guter Distanz in der 28. Minute. Eine etwas größere Gelegenheit ließ Sen nach einer guten halben Stunde liegen, als er nach einer Ecke den unter dem Ball durchgesegelten Anil Caki anköpfte. Beide Teams präsentierten insgesamt eher Stückwerk im ersten Durchgang. Zwei entscheidende Szenen passierten jedoch kurz vor der Pause.

Kuhn und Mutlu verletzt

Baris-Stürmer Dennis Kuhn sprang ein Ball zu weit weg, er setzte ohne Rücksicht auf Verluste nach und rauschte in Thomas Mutlu hinein. Beide krachten mit den Knien zusammen, Kuhn verletzte sich bei der Aktion, musste nach dem Spiel ins Krankenhaus. Er wurde gegen Zana Ibrahim ausgewechselt und hatte Glück, dass Potiyenko ihm lediglich die Gelbe Karte zeigte. Mutlu wurde noch während der Partie ins Krankenhaus gebracht, eine schwere Verletzung ist wahrscheinlich.

Nachdem es weiterging, nutzte Baris seine erste echte Torchance zur Führung: Der starke Elias Schröder legte eine Flanke auf den zweiten Pfosten mit viel Übersicht per Kopf mustergültig in die Mitte, wo Ibrahim eingelaufen war und unbewacht locker zum 1:0 (45.) einschob. „Wir waren die ersten 40 Minuten die bessere Mannschaft und haben dann geschlafen“, fasste Andree Höttges zusammen.

SVB nach der Pause tonangebend

Im zweiten Durchgang war der SV Baris die tonangebende Elf. Immer wieder trieben Marcel Skawinski und Schröder die Bälle über links nach vorne. Nach einem Schröder-Rückpass von links hätte Ibrahim bereits in Minute 55 das 2:0 machen können, ihm versprang jedoch der Ball. Kurz zuvor hatte Manuel Celik auf der Gegenseite einen Querpass von Zinar Sevimli verpasst. Den Ausgleich auf dem Fuß hatte der ansonsten unsichtbare Johannes Artan nach einer guten Stunde, verzog frei stehend im Strafraum jedoch deutlich (64.).

Besser machte es Ibrahim zwei Minuten später. Von der Innenverteidigung ebenso unbewacht wie bei seinem ersten Treffer köpfte er eine Ecke aus kurzer Distanz zum 2:0 ein (65.). Es kam noch bitterer für Abdin. Sen vertändelte als letzter Mann das Leder an Ibrahim, der frei vor Jens Dekarski zum 3:0 einschob (75.). Im Vorfeld hatte auch Lukas Mutlu eine schwache Zweikampfführung an den Tag gelegt. Kurz darauf setzte er zum Frustfoul an, grätschte Skawinski von hinten in die Beine. Auch hier beließ es Potiyenko bei Gelb, obwohl Rot durchaus möglich gewesen wäre.

Vor dem vierten Treffer Ibrahims war es erneut Sen, der sich düpieren ließ. Wieder verloren die Abdiner im eigenen Strafraum das Spielgerät, wieder vollendete Ibrahim kaltschnäuzig – 4:0 (84.). „Bei mehreren Gegentoren ist es einfach Dummheit. Da haben erfahrene Leute gespielt, aber die waren einfach nicht auf dem Platz. Das Spiel wurde leichtfertig verloren. Das ärgert mich maßlos“, sagte Höttges. Er monierte zudem, dass sich sein Team nicht an die taktischen Vorgaben hielt. „Es wurden immer wieder lange Bälle gespielt, da hat im Vorfeld niemand von gesprochen. Ich frage mich da manchmal schon, was sich der eine oder andere auf dem Platz denkt“, ärgerte sich Höttges.

Sein Gegenüber war logischerweise besser gelaunt. „Wir wussten, dass Abdin fitnessmäßig nicht so weit ist wie wir. Das hat man am Ende dann auch gesehen. Obwohl wir dreimal wechseln mussten, hatten wir keinen Qualitätsverlust. Die Neuen waren heute phänomenal“, lobte Önder Caki. Insgesamt sah der Baris-Coach einen verdienten Sieg.

Am kommenden Wochenende tritt Baris beim FC Hude an. Im Pokal schieden die Delmenhorster nach einer 4:0-Führung noch aus. „Wir waren da eigentlich auch dominant. Die Niederlage war sehr bitter. Aber da hat man gesehen, dass ein Spiel eben 90 Minuten hat“, merkte Caki an. Tur Abdin empfängt am kommenden Spieltag den Titelanwärter GVO Oldenburg, der sich zum Auftakt mit 5:1 gegen die Reserve des VfL Oldenburg durchsetzte.

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