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SV Atlas gewinnt Baris-Blitzturnier

Die Regionalliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben sich beim Blitzturnier des SV Baris im Stadion an der Düsternortstraße durchgesetzt. Sie besiegten den Gastgeber mit 5:2 und Wildeshausen mit 3:0.
03.08.2020, 12:22
Lesedauer: 6 Min
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SV Atlas gewinnt Baris-Blitzturnier
Von Michael Kerzel
SV Atlas gewinnt Baris-Blitzturnier

Samuel Adeniran war als Testspieler beim SV Atlas zu Gast und zeigte mit drei Toren gegen den SV Baris seine Fähigkeiten.

Ingo Möllers

Fünf Tore in 45 Minuten gegen den SV Baris Delmenhorst (5:2) und drei Treffer gegen den VfL Wildeshausen (3:0) in der zweiten Dreiviertelstunde haben den Regionalliga-Fußballern des SV Atlas Delmenhorst den Sieg beim Blitzturnier im Stadion an der Düsternortstraße vor rund 250 Zuschauern gesichert. Der gastgebende SV Baris unterlag in der dritten Partie des Tages Wildeshausen, sodass die Delmestädter hinter dem Landesligisten Platz drei in der Endabrechnung belegten. Auch der gute Zweck kam an diesem Tag nicht zu kurz: Jeweils 500 Euro spendete Baris an das Delmenhorster Frauenhaus sowie an die Delmenhorster Jugendhilfe-Stiftung.

Die drei Trainer der Teilnehmer zeigten sich zufrieden mit den Leistungen ihrer Kicker, wohl wissend, dass der Weg zur Wettkampfform noch weit ist – völlig normal natürlich nach der langen Corona-Pause und zu diesem frühen Stand der Vorbereitung. Dennoch zeigten die Teams ansprechende Leistungen. Vor allem in der Auftaktpartie kamen die Zuschauer auf ihre Kosten.

SV Baris Delmenhorst – SV Atlas Delmenhorst 2:5: Wenn beim Fußball im Schnitt alle sechseinhalb Minuten ein Tor fällt, darf man von einem Spektakel sprechen. Für dieses sorgten beim Duell der Delmestädter vor allem Atlas-Testspieler Samuel Adeniran sowie Baris-Stürmer Dennis Kuhn. Während der 21-jährige US-Amerikaner dreimal für die Blau-Gelben netzte, traf Kuhn einmal selbst und holte zudem einen Elfmeter heraus. Doch der Reihe nach.

Neben Adeniran bot Coach Key Riebau zwei weitere Testspieler auf: Auf dem linken Flügel sorgte Eric Asomani, der zuletzt eine Partie in der 1. Belgischen Liga für Waasland-Beveren absolvierte, für Wirbel und zentral lief Reinhard Young, zuletzt in Tschechien aktiv, auf. Alle drei verbrachten das Wochenende von Freitag bis Sonntag beim SV Atlas. Sie gehören zur Fußball-Academy Schüttorf, die der ehemalige Profi Rüdiger Schult leitet. Letzterer war ebenfalls beim Blitzturnier zugegen und tauschte sich nach den Auftritten seiner Schützlinge mit den Atlas-Verantwortlichen aus. Ob Spieler und Verein zueinanderfinden, entscheidet sich in den kommenden Tagen.

„Ich bin froh, dass die drei Jungs beim Training und jetzt beim Spiel dabei waren. Ich bin mit allen mehr oder weniger zufrieden. Wir müssen jetzt mal schauen, was sich ergibt. Wir werden uns die Zeit nehmen und vernünftig entscheiden. Es ist klar, dass es hier nicht darum geht, die Breite des Kaders zu vergrößern, sondern in der Spitze zuzulegen“, sagte Riebau. Ob einer, zwei oder alle drei Probespieler künftig an der Delme spielen, hängt nicht nur von der sportlichen Leistung ab, auch der soziale Faktor muss stimmen. Keiner der drei hat bislang einen Bezug zu Delmenhorst, zudem kann bei Atlas kein Spieler alleine vom Gehalt leben.

Sportlich überzeugte Adeniran am meisten – und das nicht nur wegen seiner drei Treffer gegen Baris und einer Vorlage gegen Wildeshausen. Der zuletzt für Kickers Emden aktive Modellathlet überzeugte mit Präsenz, Ballverarbeitung und Übersicht. Immer wieder holte sich der 1,90-Meter-Stürmer Bälle im Mittelfeld ab und verteilte diese gut nach außen. Zudem behauptete er das Leder stark im Sturmzentrum, legte es auf Mitspieler ab oder suchte selbst den Abschluss.

Zum ersten Mal erfolgreich war er nach sieben Minuten. Young flankte weich an den Fünf-Meter-Raum, wo Adeniran hochstieg und gegen die Laufrichtung von Baris-Keeper Orhan-Can Karakaya zum 1:0 einnickte. Zehn Minuten später markierte er mit einem Linksschuss aus spitzem Winkel das 2:1, nach 42 Minuten nahm er einen starken langen Pass von Florian Stütz gekonnt an und vollendete mit rechts zum 5:2.

Young im Zentrum war zwar sehr engagiert und zeigte durchaus gute Ansätze, ihm unterliefen allerdings auch diverse Ballverluste im Aufbauspiel, die den SV Baris immer wieder zu schnellen Kontern einluden. Nach diesem Muster gelang es dem Bezirksligisten häufig, hinter die letzte Abwehrreihe zu gelangen. Dennis Kuhn stand in 45 Minuten fünfmal frei vor Atlas-Keeper Niklas Göretzlehner. Nach zwei Minuten schloss der Stürmer nach Young-Ballverlust überhastet und zu lasch in die Arme des Torwarts ab, nach 22 Minuten scheiterte er mit einem Lupfversuch, nachdem er einen Asomani-Rückpass erlaufen hatte. Kurz zuvor hatte Kostadin Velkov den Angreifer im letzten Moment noch abgegrätscht, nachdem dieser sich zu lange Zeit gelassen hatte. Aus den anderen beiden Kuhn-Durchbrüchen resultierten Tore: Nach einem weiteren Ballverlust von Young enteilte Kuhn Stütz und legte den Ball an Göretzlehner vorbei, der Kuhn abräumte. Mergim Bajqinovci verwandelte den berechtigten Elfmeter sicher zum 1:1 (13.). Das 2:2 (27.) besorgte Kuhn selbst. Wieder umkurvte er Göretzlehner und schob dieses Mal ein.

Nur eine Minute später staubte der agile und umsichtige Musa Karli zum 3:2 ab (28.). Die Entscheidung besorgte dann Marvin Osei (34.). Der als Rechtsverteidiger aufgebotene Flügelspieler setzte nach einem zu kurzen Steilpass von Marco Prießner nach, luchste Sinan Özütemiz das Spielgerät ab und schob frei vor Karakaya locker zum 4:2 ein. „Wir hatten ein bisschen Anlaufschwierigkeiten, was auch der fehlenden Abstimmung geschuldet war. Fünf Tore sind okay, aber wir hatten auch zu einfache Ballverluste“, konstatierte Riebau. Sein Gegenüber Önder Caki war zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannen. „Es lief ganz gut. Wir hatten auch Chancen für ein 5:5“, meinte der Baris-Coach.

SV Atlas Delmenhorst - VfL Wildeshausen 3:0: In der zweiten Partie des Tages hatte der Regionalligist von Beginn an die Kontrolle und setzte sich souverän durch. Bereits nach zwei Minuten hatte Adeniran die Führung auf dem Fuß, lupfte jedoch über den Kasten. Auf der Gegenseite scheiterte Michael Eberle nach einem Drei-gegen-zwei-Angriff mit einem Schlenzer in die Arme Göretzlehners. In der Folge ließen sich die Wildeshauser tief fallen. Atlas erlaubte sich in dieser Begegnung kaum Ballverluste und kombinierte sich zum 1:0. Zuletzt hatte Adeniran vor dem Tor auf Tom Schmidt quergelegt, der nur noch einschieben musste (12.). Bereits nach einer Viertelstunde stand es 2:0: Young setzte Dimitrios Ferfelis ein, der auf den dieses Mal als Linksverteidiger aufgebotenen Asomani rauslegte. Dessen Flanke landete bei Philipp Eggersglüß, der wuchtig vollendete. Asomani zeigte in beiden Partien, dass er über einen enorm schnellen Antritt verfügt und sich zudem im Dribbling durchsetzen kann. Seine Hereingaben fanden jedoch meistens keinen Abnehmer und defensiv hatte der 20-jährige Ghanaer den einen oder anderen Stellungsfehler im Spiel – beide Tatsachen sind bei neuen Mitspielern und einer Sprachbarriere jedoch zu erwarten.

Der Anschlusstreffer für den VfL wäre beinahe nach 20 Minuten gefallen. Andreas Kari war rechts frei durch und flankte hart und flach in die Mitte. Stütz klärte das Leder über die Latte. Den letzten Atlas-Treffer des Tages besorgte Young, der sich damit für seinen hohen Aufwand belohnte. Die Wildeshauser griffen ihn nicht an, sodass er aus 16 Metern das 3:0 erzielte (38.). „Für die Mittel, die wir zur Verfügung hatten, war ich gar nicht unzufrieden“, sagte VfL-Coach Marcel Bragula. Allerdings bemängelte er das zu zaghafte Abwehrverhalten bei den Gegentreffern: „Wir haben da nur reagiert und nicht agiert.“

SV Baris Delmenhorst - VfL Wildeshausen 0:1: Zum Turnierabschluss begegneten sich zwei Teams, denen die Strapazen der Vortage deutlich anzusehen waren. Der VfL hatte knapp 24 Stunden zuvor gegen den Regionalligisten VfB Oldenburg getestet (0:6-Niederlage, wir berichteten), der SV Baris kam aus einem Kurz-Trainingslager mit mehreren harten Einheiten. Es entwickelte sich eine Partie mit nur zwei Torchancen: Die erste köpfte Hauke Glück nach einer Ecke an die Oberkante der Latte (18.), die zweite spitzelte er nach Vorlage von Ole Lehmkuhl zum 1:0 ins Netz. „Das war Wille“, jubelte Bragula an der Seitenlinie.

Auch insgesamt hielt er den Auftritt für „in Ordnung“. Die ersten 30 Minuten seien gut gewesen, es folgten 15 Minuten Abnutzungskampf. „Wir haben den Sieg über die Bühne gebracht und zu null gespielt. Aber es fehlt natürlich noch einiges. Wir haben aktuell nur zehn fitte Feldspieler und zwei Keeper. Bei einem 23-Mann-Kader. Das ist schon krass“, sagte Bragula, der unter anderem Jugendspieler Marvin Meyer (Jahrgang 2002) einsetzte.

Auch bei Baris fehlten einige Akteure. „Es ist schwierig, nach der langen Pause hochzufahren und die Spieler fit zu bekommen. Wir haben heute viele junge Spieler eingesetzt und getestet. Das erste Spiel gegen Atlas war für uns wichtiger, gegen Wildeshausen war die Luft raus. Aber wir waren da dennoch auf Augenhöhe. Insgesamt bin ich zufrieden“, meinte Önder Caki.

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