Sportausschuss

Delmenhorsts Stiefkind

Zumindest in naher Zukunft wird Delmenhorst keinen Kunstrasenplatz bekommen. Die Skeptiker im Sportausschuss bilden die klare Mehrheit, die Hoffnung der Fußballer wird nicht erfüllt.
31.08.2018, 17:49
Lesedauer: 3 Min
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Delmenhorsts Stiefkind
Von Michael Kerzel
Delmenhorsts Stiefkind

Einen Kunstrasenplatz wird es in Delmenhorst wohl erst mal nicht geben.

Christian Kosak

Delmenhorst. Die Fußballer Delmenhorsts müssen zumindest in absehbarer Zukunft ohne Kunstrasenplatz auskommen. Das wurde bei der Diskussion der Mitglieder des Sport-Ausschusses der Stadt Delmenhorst deutlich. Die Verwaltung teilte mit, dass sie keinen finanziellen Spielraum seitens der Stadt für den Bau eines Kunstrasenplatzes sieht. "Wir nehmen das Thema ernst und wünschen uns als Sportverwaltung natürlich einen Kunstrasenplatz, aber auch Hallensanierungen oder sogar eine neue Halle oder auch die Erneuerung der Laufbahnen im Stadion", sagte Fachbereichsleiter Hero Mennebäck. Man müsse jedoch auch die vielen Bedarfe der Gesamtverwaltung sehen. "Da müssen wir ehrlich sagen, dass wir nicht in der Lage sind, Geld für einen Kunstrasenplatz in den Haushalt einzustellen", sagte er.

Unzufrieden mit diesen Ausführungen zeigte sich Bastian Ernst (CDU). Ihm sei die Finanzierungsschwierigkeit klar. Laut Gutachter, den die Verwaltung beauftragt hatte, fallen mindestens 630 000 Euro für die Umgestaltung eines Naturrasenplatzes der Stadt in ein Kunstrasengeläuf an. "Wir hatten uns schon erhofft, dass die Verwaltung versucht, Wege aufzuzeigen, wie eine Finanzierung möglich sein könnte", sagte er im Namen der CDU-Fraktion. Wenn die Politik einen Kunstrasenplatz wollte, würde es Wege geben. Er selbst brachte einen Vorschlag in die Diskussion ein: gut ausgestattete Sportzentren. "Wir haben in Delmenhorst insgesamt zu viele Sportanlagen für zu wenige Vereine. Wir müssen zu den Vereinen ehrlich sein, dass nicht jeder sein eigenes kleines Ding durchziehen kann", sagte er. Es müsse untersucht werden, welche Sportstätten geschlossen werden könnten. Diese Grundstücke könnten dann verkauft und der Erlös in die Sportzentren investiert werden. "Derzeit verschlimmbessern wir die Situation nur", meinte Ernst, da nach dem Gießkannenprinzip mal hier und mal da ausgebessert werde.

Die Schließung einzelner Sportanlagen lehnte Antje Beilemann (SPD) ab. "Wir sollten nicht in die Autonomie der Vereine eingreifen", sagte sie. Zudem sei Sport das Integrationsmittel schlechthin und die Sportstätte müsse vor der Haustür der Jugendlichen liegen. "Sie sollten nicht fünf Kilometer in einen anderen Stadtteil fahren müssen, womöglich noch bei Regen", meinte sie. Natürlich wäre ein Kunstrasen eine schöne Sache, für die Stadt jedoch nicht finanzierbar. Auch Uwe Dähne (UAD) hält eine Finanzierung nicht für machbar. Auf 20 Millionen belaufe sich der Stau bei der Sanierung der Sportstätten. "Wir müssen klar festlegen, was wir als Stadt wollen. Krankenhaus? Erzieher-Ausbildung? Kunstrasen? Wir brauchen eine Prioritätenliste und müssen die nach und nach abarbeiten", meinte er. Zudem solle die Verwaltung herausfinden, ob es eine interkommunale Möglichkeit gebe, die Kunstrasenplätze in der Umgebung Delmenhorsts mitzubenutzen.

Das wiederum bezeichnete Ernst als Luftschloss. "Die Vereine an den Stadtgrenzen ziehen die Fußballer in ihre Vereine. Wenn wir nichts machen, wandern die Spieler ab", warnte er. Als realitätsfremd bezeichnete er Beilemanns Aussagen, dass Fußballer nur für die Vereine in ihrer Wohngegend spielen. "Die gehen da hin, wo es gute Plätze gibt, wo sie Trainingsklamotten bekommen und abends auf beleuchteten Plätzen spielen können", sagte er.

Es folgte ein Plädoyer für Kunstrasenplätze von Marco Castiglione, Fußball-Abteilungsleiter beim TV Jahn Delmenhorst. "Die Mitteilungsvorlage der Verwaltung tut den Fußballern ein Stück weit weh. Das ist eine Vorlage für Leute, die keinen Kunstrasenplatz wollen", sagte er. Aus Enttäuschung könne schnell Unfrieden werden, merkte er an. "Die Notwendigkeit eines Kunstrasenplatzes wird nicht gesehen, der Nutzen wird überhaupt nicht aufgeführt", meinte Castiglione. Er sieht die Existenz der Fußballvereine in der Delmestadt in Gefahr. Wollen Atlas Delmenhorst bei den Herren und der TV Jahn bei den Damen mal höherklassig als Oberliga und Regionalliga spielen, müssten sie die Stadt verlassen. Wollen Fußballer auch nach Oktober trainieren, müssten sie die Stadt verlassen. "Die Vereine haben kaum Argumente, Mitglieder zu halten", sagte er. 100 Spiele seien im vergangenen Jahr zwischen November und März ausgefallen. Gemeinsam könne man das Kunstrasen-Projekt hinbekommen, beispielsweise mit einer Zusage der Stadt, einen Bau über zehn Jahre jährlich mit 40 000 bis 50 000 Euro zu fördern. Doch der Wille fehle.

Laut Gabi Baumgart (SPD) bringt ein einzelner Kunstrasenplatz nichts. "Wie viele Spiele würden denn trotz Kunstrasen ausfallen? Den kann man ja nicht 24 Stunden am Tag nutzen. Das ist ein bisschen Augenwischerei. Ein Platz würde die Situation nicht verändern", sagte sie. Das wiederum rief Ernst noch mal auf den Plan. "In der Aussage steckt so viel Falsches. Kunstrasenplätze gehen immer mit Flutlichtanlagen einher. Man könnte Spiele unter der Woche nachholen, Samstag und Sonntag am Morgen, Mittag und Nachmittag spielen. Ein Platz bringt nichts? Was ist das denn für ein Argument?", fragte er. "Also für mich ist das eines", entgegnete Baumgart. Bevor die Diskussion richtig Fahrt aufnehmen konnte, beendete Ausschussvorsitzende Margret Hantke (SPD) diese. Sie hatte genug gehört und schloss die Rednerliste.

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