Fußball-Oberliga

Dominanter Auftritt

SV Atlas hat souverän und verdient mit 2:0 gegen den schwachen 1. FC Wunstorf gewonnen. Auffälligster Akteur bei den Blau-Gelben war Marvin Osei, der allerdings erst nach einer Umstellung in Erscheinung trat.
11.11.2018, 19:41
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Nico Nadig

Delmenhorst. Mit der Referenz von vier Siegen in Folge ist der 1. FC Wunstorf zum SV Atlas Delmenhorst gereist. Und angesichts dieser kleinen Serie sah sich Atlas-Coach Jürgen Hahn im Vorfeld sogar dazu genötigt, die Gäste als Team der Stunde zu betiteln. Aber von wegen Team der Stunde: Gerade offensiv hinterließ Wunstorf einen erschreckend schwachen Eindruck. Die Angriffsbemühungen – wenn man denn überhaupt von Bemühungen sprechen kann – waren im Prinzip an einer Hand abzuzählen. So geriet der 2:0 (1:0)-Heimerfolg der Blau-Gelben jedenfalls zu keiner Zeit auch nur ansatzweise in Gefahr. „Wir haben verdient gewonnen. Uns war bewusst, dass Wunstorf Qualität besitzt und sich in guter Form befindet. Aber heute hatten wir die bessere Mentalität“, lobte Hahn seine Elf für ihren Auftritt.

Andreas Schmitz, Pressesprecher der Wunstorfer, haderte derweil mit der Leistung des Schiedsrichtergespanns. Die Gäste ärgerten sich dabei offensichtlich über zwei Szenen. Der Elfmeter zum 2:0 für Atlas ist ihrer Ansicht nach mehr als strittig gewesen. Gleichzeitig habe der Unparteiische Maurice Milczewski den Gästen aus der Region Hannover einen Strafstoß verwehrt, als er ein Foulspiel außerhalb des Sechzehners verortete. Schmitz: „Wir sind hierhergekommen, um zumindest einen Punkt zu holen. Ich glaube, dass wir unter Wert geschlagen worden sind.“

Nun, tatsächlich sind beide Entscheidungen sicherlich diskutabel. Inwieweit sie den Spielausgang letztlich aber wirklich beeinflusst haben, ist schwer zu beantworten. Der Anschlusstreffer vom Punkt aus hätte den Gästen sicherlich Auftrieb verschafft und Atlas eventuell nochmals ins Wanken gebracht. Allerdings gehört zur ganzen Wahrheit eben auch: Hätten die Blau-Gelben ihre Chancen konsequent ausgenutzt, dann wäre das Resultat um mindestens ein, zwei Tore höher ausgefallen. Hahn: „Hinten haben wir wenig zugelassen und vom Spielverlauf hätten wir selbst drei oder vier Treffer erzielen können.“

Gemächlicher Beginn

Allzu viel passierte auf dem Feld zu Beginn jedoch nicht – recht behäbig und gemächlich startete die Begegnung. Ein Stück weit passte die maue Anfangsphase dabei zum tristen Wetter und der für Atlas schwachen Zuschauerzahl: Gerade einmal etwas über 400 Menschen fanden den Weg ins Stadion an der Düsternortstraße. „Werder hat in der Bundesliga gegen Gladbach gespielt. Hier gibt es noch viele Gladbach-Fans“, nannte Atlas-Sportvorstand Bastian Fuhrken einen Grund für die geringe Zuschauerzahl. Die 400 Besucher wurden für ihr Erscheinen erstmal aber nicht mit einer unterhaltsamen Anfangsphase belohnt. Atlas hatte zwar mehr Ballbesitz, stieß allerdings zu selten in die gefährliche Zone vor. Was sicherlich auch daran lag, weil Wunstorf hinten recht kompakt stand. Einmal wurde es jedoch brenzlig für die Gäste: Nach zwölf Minuten setzte sich der auffällige Marvin Osei auf der rechten Außenbahn stark durch, Jannik Vollmer verpasste jedoch Oseis Hereingabe.

Apropos Osei: Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Begegnung Fahrt aufnahm, wenngleich Hahn dafür zuerst eine kleine Umstellung vornehmen musste. Der Neuzugang startete als Mittelstürmer für den verletzten Marco Prießner, entfaltete sich auf dieser Position jedoch kaum. Nach etwas über 20 Minuten reagierte der Atlas-Coach und beorderte Tom Schmidt in die Spitze, Osei rückte dafür auf die Außenposition. Eine belebende Maßnahme für das Offensivspiel der Blau-Gelben aus zwei Gründen: Schmidt zeichnete sich als Balljäger aus und setzte die FC-Verteidiger gehörig unter Druck; Osei hatte auf Außen mehr Platz, um seine Geschwindigkeit und gute Technik auszuspielen. „So langsam komme ich rein. Aber wir haben heute als Team gut gespielt“, sagte Osei, der das 1:0 vorbereitete. Sehenswert mit der Brust verlängerte Osei den Ball in den Lauf von Schmidt, der vor FC-Torwart Tobias Schiller die Nerven behielt – 1:0 (34.).

Die Führung war zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient. Atlas erspielte sich zwar keine Chancen im Minutentakt, war jedoch klar überlegen. Und was zeigte das vermeintliche Team der Stunde offensiv bis dato? Wenig bis gar nichts – ein Fernschuss brachten die Wunstorfer gerade mal zustande. Plötzlich hätten die Gäste aber den Ausgleich erzielen können, ja vielleicht sogar müssen: In der Rückwärtsbewegung war Atlas für einen Moment völlig unsortiert. So verteidigte der eigentliche Linksaußen Leon Lingerski rechts hinten und sah sich gleich drei Wunstorfern gegenüber. Letztendlich brachte Marco Menneking den Ball scharf vor das Tor von Florian Urbainski. Tim Scheffler verpasste die Hereingabe und den Ausgleich (40.).

Strittiger Elfmeter

Die Atlas-Akteure standen schon seit einigen Minuten wieder auf dem Rasen, als auch die Gäste aus den Kabinen kamen. Offensichtlich hatten sie sich für die zweite Hälfte viel vorgenommen. Allerdings verpuffte jeglicher Plan recht schnell, denn Atlas erhöhte auf 2:0: Thomas Mutlu, der wenig später mit Verdacht auf Nasenbeinbruch das Spielfeld verlassen musste, flankte in den Strafraum. Dort stießen Lingerski und der Wunstorfer Ousmane Soumah zusammen – Elfmeter für Atlas. Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte sicher (48.). In der Folge verflachte die Partie etwas. Altas zog sich weiter zurück und überließ den Gästen nun häufiger das Spielgerät. Doch der Elf von Trainer Jens Ullmann fehlten an diesem Tag schlichtweg Präzision, Tempo und Finesse. Also zumindest meistens. Denn warum die Gäste zuvor vier Spiele in Folge gewonnen hatten, deutete sich etwa in Minute 65 an. Nach einem schönen Pass in die Schnittstelle entwischte Daniel Boateng dem Atlas-Sechser Stefan Bruns. Schlussendlich wusste dieser sich nur mit einem Foul weiterzuhelfen. Und dann wurde es knifflig: Brachte Bruns den Wunstorfer noch vor dem Strafstoß zu Fall oder endete das Foul erst im Sechzehner? Der Schiedsrichter entschied zum Ärger der Wunstorfer auf Erstgenanntes – der Freistoß segelte über das Gehäuse. Hahn: „Über die Elfmeterentscheidungen kann man sicherlich diskutieren. Aber der Schiedsrichter hat einen besseren Blick auf die Situation.“

Bis zur letzten Minute sollte der FCW fortan nicht mehr vor dem Atlas-Gehäuse auftauchen. Die Gastgeber selbst daddelten nun etwas rum, kamen aber trotzdem zu Chancen – vor allem wenn Osei beteiligt war. Er und Karli passten sich den Ball mehrfach zu, ehe Osei auf rechts durch war und zurück auf die Nummer zehn der Blau-Gelben legte. Deren abgefälschter Schuss landete bei Tom Schmidt, der aus fünf Meter nur den Torhüter anschoss. (74.). Sechs Minuten vor Feierabend bekam der eingewechselte Patrick Degen den Ball. Er spazierte einfach Richtung Tor, erhielt lediglich Geleitschutz von den Wunstorfern. Doch Ousmane Soumah passte auf und klärte den Ball noch auf der Linie.

Die finale Chance besaß dann aber tatsächlich der FC: Einen Freistoß von Deniz Aycicek lenkte Urbainski über die Latte (90.). „Tolle Parade, dabei war er ja kaum in das Spiel eingebunden. Den hält er wirklich super. Heute haben wir Wunstorf wirklich nicht ins Spiel kommen lassen“, freute sich Bastian Fuhrken über die drei Punkte und den dominanten Auftritt der Blau-Gelben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+