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DTB: Der Kampf gegen den nächsten Abstieg

Beim Delmenhorster TB sind die ruhmreichen Zeiten vorbei. In der 1. Kreisklasse geht es in dieser Saison darum, die Liga zu halten.
11.12.2019, 16:24
Lesedauer: 4 Min
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Von Ralf Kilian
DTB: Der Kampf gegen den nächsten Abstieg

Thorsten Sander hat den Trainerjob beim Delmenhorster TB unter schwierigen Bedingungen angetreten. Aktuell geht es darum, nicht in die 2. Kreisklasse abzurutschen.

INGO MÖLLERS

Am Sonntag war es mal wieder so weit: Der Delmenhorster TB gewann Fußballspiele. Und das gleich im Viererpack, auch wenn es nur beim Futsal war und noch dazu Pflichtaufgaben gegen unterklassige Vereine. Aber der DTB erfüllte die Pflicht und qualifizierte sich als Gruppensieger für die Endrunde der Futsal-Kreismeisterschaften. Wobei man sich am Ende sogar noch „selbst ein Eigentor schoss“, wie Mittelfeldspieler Marcel Blaschke anmerkte. Denn die Grün-Weißen führten im letzten Gruppenspiel mit 2:0 gegen Borussia Delmenhorst, was locker für Qualifikationsplatz zwei gereicht und dazu noch eine vergleichsweise entspannte Endrundengruppe beschert hätte mit Gegnern wie dem TV Falkenburg oder SV Tungeln. Aber Dennis Karsten war auch von den eigenen Leuten nicht zu bremsen, schenkte den Borussen noch das 3:0 ein und brockte seinem Team als Gruppensieger Endrundenspiele gegen den SV Atlas, TuS Heidkrug und RW Hürriyet ein. Wie man es macht, macht man es falsch.

Außerdem tritt der DTB in der Endrunde noch gegen den SV Achternmeer an. Gegen den Mitabsteiger aus der Kreisliga verlor man Ende Oktober draußen mit 0:6. Zu Hause. In der 1. Kreisklasse. Und als Drittletzter, denn mittlerweile ist der einst ruhmreiche Delmenhorster TB nur noch die Nummer zehn unter den zwölf Delmenhorster Vereinen. Insofern war es nicht unwichtig, die beiden einzigen schlechter gelisteten Klubs der Delmestadt – nämlich Borussia und Adelheider TV – in der Halle zu besiegen. Denn dass man überhaupt in die Qualifikation musste, war früher undenkbar. Selbst der Delmenhorster BV wurde diesmal dem Turnerbund vorgezogen. Aber wenn man in der 1. Kreisklasse nur elf Punkte aus 15 Spielen holt, geht man eben als Drittletzter in die Winterpause und muss sich Erfolgserlebnisse beim Futsal holen.

Erfolgreiche 80er-Jahre

Dabei hat man beim Traditionsverein auch schon ganz andere Zeiten erlebt. Fast die kompletten 80er-Jahre spielte der Turnerbund in der Bezirksliga, war hinter dem SV Atlas die Nummer zwei in Delmenhorst. Damals wäre um ein Haar ein Doppelaufstieg gelungen. 1982 ging der Delmenhorster TB als souveräner Meister der Bezirksklasse – bis 2006 gab es diese Spielklasse zwischen Bezirks- und Kreisliga – in die Bezirksliga hoch. Das Jahr 1983 war dann vermutlich die beste Saison in der DTB-Geschichte. Nur um Haaresbreite wurde der Aufstieg in die Bezirksoberliga (heute Landesliga) verpasst. Nach der damals gültigen Zwei-Punkte-Wertung ging der Turnerbund mit 45:15 Zählern hinter dem SV Emstek (46:14) ins Ziel. Wäre damals schon das Drei-Punkte-System eingeführt worden, hätte man mit 67 Punkten den Konkurrenten aus Emstek (66) hinter sich gelassen.

Stolze acht Jahre hielt sich der DTB in der Bezirksliga. Vor 30 Jahren kam es dann zum Doppelabstieg. In der Saison 1989/90 erwischte es den Turnerbund als Drittletzter der Bezirksliga. Eine Etage tiefer kam es zum Déjà-vu. Auch in der Bezirksklasse stieg der Turnerbund als Drittletzter ab – und verabschiedete sich scheinbar für immer von der Bezirksebene. Und das, obwohl der DTB immer für gute Jugendarbeit stand. Aber es reichte bestenfalls für gute Kreisliga-Platzierungen, zuletzt war man 2008 wenigstens mal Fünfter. 2013 folgte der Absturz in die Kreisklasse, wo man sich – anders als jetzt – immerhin im oberen Mittelfeld halten konnte. Nach kontinuierlichem Wiederaufbau von Trainer André Tiedemann feierte man 2017 die souveräne Meisterschaft in der 1. Kreisklasse. Und in der Kreisliga reichte es 2018 dank einer starken Rückrunde zu einem stabilen neunten Platz. Besonders um Ostern herum gab es damals gefeierte Derbysiege wie ein 5:1 gegen den TV Jahn oder ein 1:0 beim Titelkandidaten TuS Heidkrug.

Aber wie es oft so ist: Im Erfolg macht man die größten Fehler. Im Sommer 2018 wurde ein halbes Dutzend Akteure aus dem Bremer Raum verpflichtet. Diese waren rein sportlich absolut tauglich, die Abgänge zu kompensieren. Doch ihnen fehlte das DTB-Gen, diese Geschlossenheit, die im ersten Kreisliga-Jahr die Gegner entnervte und für den Klassenerhalt sorgte. Die Folgen: eine desaströse Trainingsbeteiligung und ein verpatzter Saisonstart. Der Kader bröckelte immer mehr, die Neuzugänge waren schon zur Winterpause fast komplett wieder verschwunden. Am Ende standen lediglich zwölf Punkte aus 30 Spielen, dazu 121 Gegentore.

Es war frühzeitig abgesprochen, dass André Tiedemann im Sommer aus familiären Gründen – sprich Vaterfreuden – sein Amt niederlegen würde. Thorsten Sander übernahm den undankbaren Job. „Es blieben nur sechs Mann übrig, die zum Teil nicht zur Stammelf zählten. Außerdem hat zum Beispiel Hendrik Hemken erst dreimal gespielt. Und die übrigen Jungs kamen aus der 2. Herren, die waren Drittletzter in der 2. Kreisklasse“, erklärt Sander sein Personal-Puzzle. Dabei kann der Coach jetzt zumindest quantitativ aus dem Vollen schöpfen. Trainiert wird gemeinsam mit der A-Jugend. „Im Sommer waren wir teilweise 30 Leute, jetzt sind es immer 18, 19 Jungs beim Training“, sagt Sander.

Verstärkung aus der Jugend

Aber Quantität steht nicht unbedingt auch gleich für Qualität. Es gab jedoch einige positive Ausreißer, zu nennen ist besonders das 2:2 gegen den unangefochtenen Herbstmeister FC Hude II. „Dabei bekommen wir das 2:2 gegen uns erst in der 93. Minute, und der Torschütze legt sich den Ball auch noch mit der Hand vor“, schildert Sander. „Wenn du schon mal unten stehst, kommt auch noch Pech dazu.“ Vier Tage später folgte dann der Tiefpunkt mit dem 1:11 (nach Führung!) in Wüsting. „Zweimal waren wir ganz schlecht, dazu zählt noch das 0:6 gegen Achternmeer. Die anderen Spiele hätten wir alle gewinnen können“, trauert Sander verlorenen Punkten nach. So war das 5:1 gegen Schlusslicht TV Jahn II das Highlight der Hinrunde. Erzielt wurde das Ergebnis auch mit Verstärkungen aus den beiden unteren Mannschaften.

Denn auch das ist der DTB: Wenn sich Sander aus den drei Herrenmannschaften die besten 15 Jungs zusammensuchen könnte, wäre eher eine Kreisliga-Rückkehr möglich. „Aber das wollen sich viele nicht antun, die spielen lieber mit ihren Kumpels zusammen und helfen höchstens mal bei uns aus“, erklärt Sander. Doch Abhilfe ist in Sicht. Während sich Daniel Mehrdadi (SV Atlas II) und Henning Wessels (berufliche Gründe) verabschieden, kann Sander mit vier Neuzugängen aus der A-Jugend planen. „Ab März kommen noch andere Junioren dazu, die werden dann volljährig und sind für uns spielberechtigt“, freut sich Sander über weitere Auswahl. „Die Jungs helfen uns weiter. Ich denke schon, dass wir uns am Ende retten werden.“

Es wäre sehr bitter, wenn der DTB 30 Jahre nach dem Doppelabstieg aus der Bezirksliga beziehungsweise Bezirksklasse im Sommer 2020 in die 2. Kreisklasse durchgereicht würde. Sander ist aber optimistisch: „Davor habe ich keine Angst.“ Zumindest wird diesmal niemand Dennis Karsten bremsen wollen, wenn er seinen bislang zehn Saisontreffern noch einige hinzufügen möchte.

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