Fußball-Regionalliga Frauen

Durchwachsene Hinrunde

Der TV Jahn Delmenhorst überwintert mit einer neuformierten Mannschaft im Mittelfeld der Tabelle. Im Pokal zog die Elf von Claus-Dieter Meier ins Halbfinale ein. Der Coach ist zufrieden mit der Hinserie.
20.12.2019, 12:18
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Hannah Eilers
Durchwachsene Hinrunde

Nathalie Heeren (hier gegen den FC St. Pauli) überzeugte in der Hinserie beim TV Jahn und erzielte elf Tore in zwölf Spielen in der Regionalliga Nord.

Fotos: INGO MöLLERS

Delmenhorst. Eine turbulente Hinrunde liegt hinter den Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst. Die Elf von Trainer Claus-Dieter Meier liegt mit 15 Punkten derzeit auf Platz sieben in der Regionalliga Nord und überwintert damit in der Tabellenmitte.

Sein Team hatte wahrlich keinen einfachen Start in die Saison. Gleich die erste Partie bestritten die Violetten auswärts beim ambitionierten Team von Hannover 96, das mittelfristig in die Bundesliga aufsteigen will. Der 3:5-Niederlage in der Landeshauptstadt folgte ein weiteres schweres Auswärtsspiel beim amtierenden Meister SV Werder Bremen II, das die Jahn-Frauen mit einem knappen 4:3-Sieg für sich entschieden. Nach einem Heimsieg gegen den VfL Jesteburg mussten sich die Delmenhorsterinnen zu Hause mit 0:3 gegen den Hamburger SV geschlagen geben. Und nur eine Woche später erlitt das Team mit einem deutlichen 1:5 beim Walddörfer SV die höchste Niederlage der Hinrunde.

Wechselhafte Leistungen

Doch die Mannschaft ließ sich davon nicht unterkriegen, im Gegenteil: Zwei deutliche 4:0-Siege gegen TuS Büppel und Holstein Kiel in der Liga sowie ein Sieg im Niedersachsen-Pokal gegen den MTV Barum brachten die Damen wieder auf Kurs. „Die drei Spiele waren wichtig. Leider konnten wir den Schwung dann nicht mitnehmen und haben zu Hause unglücklich gegen den FC St. Pauli verloren“, ärgert sich Coach Meier über den unnötigen Punktverlust.

In der Liga folgten auswärts zwei weitere Niederlagen gegen den Meisterschaftsfavoriten SV Henstedt-Ulzburg und gegen den SV Meppen II. „Die 0:4-Niederlage in Meppen war sehr ärgerlich. Da hatten wir wirklich Probleme mit der Umstellung in der Innenverteidigung“, analysiert der Jahn-Trainer. Doch schon eine Woche später fand das Team zu alter Stärke zurück und wurde ihrer Favoritenrolle im Viertelfinalspiel des Niedersachsenpokals gerecht.

Mit dem 5:2-Sieg gegen BW Hollage zogen die Violetten in das Halbfinale ein und empfangen dort im April den VfL Jesteburg auf heimischem Rasen. „Im Pokal haben wir uns wirklich gut geschlagen. Für die Mädels wäre es natürlich ein Saisonhighlight, im Finale antreten zu dürfen“, berichtet Meier. In der Liga verabschiedete sich sein Team ebenfalls erfolgreich mit einem 3:2-Sieg bei der TSG 07 Burg Gretesch in die Winterpause.

Abgesehen von den Partien gegen den FC St. Pauli und dem SV Meppen II hat der Coach nichts zu beanstanden: „Gegen Meppen waren wir einfach zu schwach, da hatten wir keine Chance. Ansonsten haben wir aber gute Spiele abgeliefert. Ich bin zufrieden mit der Leistung der Mannschaft“, freut sich Meier.

Mit dem SV Henstedt-Utzburg gäbe es einen klaren Meisterschaftsfavoriten und auch der TuS Büppel stehe mit nur fünf Punkten eindeutig in der Tabelle da, ansonsten sei die Liga aber ein „ziemliches Durcheinander“, so der Jahn-Trainer. „Hannover 96 will natürlich auch nach oben, dazwischen ist es aber bunt gemischt“, erzählt er.

In der Rückrunde warten noch einige schwierige Partien auf seine Damen, zum Beispiel auswärts gegen St. Pauli. Denn genau wie Hannover 96 spielt die Mannschaft dort auf Kunstrasen, was laut Meier ein völlig anderes Spiel ist: „Wir trainieren auf Echtrasen. Es ist nicht leicht für uns, dass Delmenhorst noch keinen Kunstrasenplatz hat. Vereine wie Hannover oder auch St. Pauli haben da einen enormen Heimvorteil." Und auch der Start in die Rückrunde werde kein Selbstläufer. Ende Februar steht zunächst zu Hause das Nachholspiel gegen Hannover 96 auf dem Programm, eine Woche später geht es in die Auswärtspartie gegen den Hamburger SV. „Das wird ein interessanter Einstieg nach der Winterpause“, sagt Meier schmunzeld.

Neu formierte Mannschaft

Dass die Saison für Jahn Delmenhorst nicht einfach werden würde, überrascht nicht. „Zu Beginn gab es viele Personalwechsel. Neben Anna Mirbach beendete auch unsere langjährige Kapitänin Magdalena Flug ihre aktive Laufbahn. Es war spannend zu sehen, wie die Mannschaft mit diesem Umbruch umgehen würde“, erzählt der Coach und freut sich, dass bei der Wahl zur Mannschaftsführerin mehrere Damen bereit waren, Verantwortung zu übernehmen. Neben der neuen Kapitänin Julia Hechtenberg gäbe es viele Spielerinnen, die sich auf und neben dem Platz sehr engagierten.

Und das sei auch notwendig gewesen: „Wir mussten uns sportlich umstellen. Mit Vivien Endemann haben wir die Toptorschützin der vergangenen Saison an den Zweitligisten SV Meppen verloren. Nathalie Heeren hat mit ihren elf Treffern aber bereits bewiesen, dass sie diese Lücke sehr gut füllen kann“, berichtet Meier. Er freue sich außerdem, dass sich die jungen Neuzugänge wie Gesa Bücking, Jette Haar oder Pia von Kosodowski schnell an das Spielniveau der Regionalliga anpassten. „Die sind gerade mal 18, 19 Jahre alt. Da kam schon die Frage auf, inwieweit sie sich durchsetzen können. Sie machen ihre Sache aber wirklich gut und gehören jetzt fest zum Stamm“, erzählt der Coach.

Er hofft darauf, dass im neuen Jahr auch die verletzte Lynn Janning wieder zur Mannschaft stoßen wird. „Wir mussten die eingespielte Innenverteidigung aufgrund der Verletzung neu besetzen und viel ausprobieren. Es wäre schön, wenn Lynn bald wieder fit wird“, sagt er. Veränderungen im Kader werde es vorerst nicht geben.

Saisonziel: Platz drei bis fünf

Nun steht aber erst mal das Wintertraining an. Und das gilt es zu organisieren. „Leider haben wir keine Hallenzeiten und die Alternativen sind begrenzt“, berichtet Meier. Über die Feiertage dürfe die Mannschaft natürlich abschalten und etwas zur Ruhe kommen. Im neuen Jahr startet dann, sofern es das Wetter zulässt, das Lauftraining. Der Coach hofft außerdem, in Fitnessstudios, bei den Turnern von Jahn Delmenhorst oder beim Hockey-Club unterzukommen. Vor allem Letzteres wäre sehr wichtig, da die Hockey-Spieler eine Außenanlage haben, auf der bei entsprechendem Wetter auch im Winter trainiert werden kann. „Wir müssen da improvisieren. Für uns ist es leider ein großer Nachteil, dass wir keinen Kunstrasen haben. Die anderen Mannschaften der Liga haben da bessere Möglichkeiten, im Winter zu trainieren“, erzählt Meier.

Das solle aber keinen Einfluss auf die Zielsetzung der Mannschaft nehmen: „Am Anfang der Saison haben wir gemeinsam überlegt, wohin es gehen soll. Jede hat ihr Ziel genannt und daraus haben wir dann einen Mittelwert gebildet. Das Team traut sich Platz drei bis fünf zu und da sehe ich uns auch“, erklärt der Coach. Ohne die Punktverluste wie beispielsweise gegen St. Pauli würde sich Jahn bereits in der oberen Tabellenhälfte befinden. „Wir können auf jeden Fall eine bessere Platzierung erreichen. Wir werden die Rückrunde nutzen, um weiter Punkte zu sammeln“, blickt Meier optimistisch ins kommende Jahr.

Ein besonderes Highlight steht der Mannschaft bereits im Januar bevor: Am 18. Januar richtet der TSV Ganderkesee die Hallenkreismeisterschaft Futsal für Frauen-Teams aus. Die Violetten werden dort als Titelverteidigerinnen auflaufen. „Ich liebe dieses Turnier“, schwärmt der Trainer. Es sei einfach ein toller Tag, da sich alle Spielerinnen und Mannschaftsverantwortlichen der hiesigen Fußballvereine treffen. „Nicht nur sportlich gesehen ist es ein wirklich schönes Event, sondern auch sozial. Man kommt zusammen und kann sich in Ruhe austauschen“, berichtet Meier und fügt dann lächelnd hinzu: „Natürlich hoffe ich, dass wir uns durchsetzen können.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+