SV Atlas Delmenhorst

Durchwachsene Spielzeit mit Happy End

Eine durchwachsene Saison liegt hinter den Blau-Gelben. Vor allem in der Rückrunde der Oberliga blieben die Delmenhorster vieles schuldig, speziell in der Offensive. Doch das Team holte den Niedersachsenpokal.
28.06.2019, 16:58
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Durchwachsene Spielzeit mit Happy End
Von Michael Kerzel
Durchwachsene Spielzeit mit Happy End

Im Pokalfinale gewann der SV Atlas Delmenhorst gegen den TuS Bersenbrück und feierte den Triumph ausgiebig.

INGO MöLLERS

Die zweite Saison nach einem Aufstieg ist oft schwieriger als die erste. Zunächst ist die Euphorie in der neuen Liga groß, auch Niederlagen und Serien ohne Siege erschüttern das Selbstvertrauen nicht, die Fans feiern überschwänglich. Doch im zweiten Jahr steigen die Ansprüche – sowohl die eigenen als auch die der Anhänger – und ein gewisser Alltag kehrt ein. Der Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst ist den Erwartungen in seinem zweiten Jahr in Niedersachsens Oberhaus letztlich nicht gerecht geworden.

Zwei Trainer, Jürgen Hahn und Olaf Blancke, kosteten die oft ideenlosen Auftritte der Blau-Gelben den Job. Am Ende blieb der Kater jedoch aus, da Atlas erneut den Klassenerhalt vorzeitig schaffte und nicht bis zum Ende zittern musste. Der Sieg im Niedersachsenpokal der Amateure und die damit verbundene Qualifikation für den DFB-Pokal überstrahlten die eher enttäuschende Saison. Sie kann so als Umbruch, Teil eins, angesehen werden. Die Frage ist nun: Kann der neue Trainer Key Riebau mit dem vorhandenen Kader ein Spielsystem etablieren, das den Verein nach vorne bringt, damit der SVA im oberen Drittel der Tabelle landet?

Stabile Defensive

Die Defensive der Blau-Gelben stand alles in allem gut, zudem überzeugte Florian Urbainski im Kasten. 40 Gegentore in 30 Spielen waren gut, nur vier Teams ließen weniger Treffer zu. Die Innenverteidigung war das Prunkstück der Blau-Gelben. Mit Karlis Plendiskis verfügte der SVA über einen umsichtigen Abwehrchef, der in der Luft kaum und auch am Boden nur schwer zu besiegen war – wenn er nicht gerade in ein Laufduell musste. Marlo Siech oder Leon Lingerski neben ihm gehörten zu den besten Spielern der Liga auf dieser Position beziehungsweise haben das Potenzial dazu. Sogar in der Regionalliga müsste sich diese Einheit wohl nicht verstecken.

Auf den Außenverteidiger-Positionen sah es teilweise anders aus: Spielte Lingerski links, gab es dort keine Probleme. Doch Jannik Vollmer oder Dennis Mooy fielen vom Niveau her deutlich ab. Eigentlich war hier Julian Harings ab der Winterpause eingeplant, doch dieser machte verletzungsbedingt kein Spiel. Kapitän Nick Köster wurde als Rechtsverteidiger nicht wirklich glücklich. Ihm fehlte auf dieser Position die Schnelligkeit, auf der Sechs kam seine Kampfkraft besser zur Geltung. Auch Thomas Mutlu war zentral besser aufgehoben als rechts hinten. Seine Flanken fanden zu selten ihr Ziel. Beide machten ihre Seite defensiv aber meist gut zu. Nach vorne ging jedoch zu wenig. Kevin Radke machte seine Sache bei seinen wenigen Auftritten durchaus solide – nicht mehr und nicht weniger.

Auf der Sechs versuchten sich viele Spieler bei den Blau-Gelben. Köster und Mutlu räumten ab und schalteten sich aufgrund ihrer Laufstärke situativ ins Pressing ein. Mooy als Sechser machte zu viele Fehler, Lingerski überzeugte auch hier. In der kurzen Zeit unter Olaf Blancke spielte Musa Karli auf der Sechs. Er verteilte die Bälle durchaus gut, doch fehlte dann jemand, der den letzten Pass spielen konnte. Allerdings schaffte das Karli auch als Zehner zu selten. Als durchaus ballsicher zeigte sich Thade Hein in seinen Minuten in der Zentrale. Er muss noch etwas robuster werden und an seinem Stellungsspiel arbeiten. Letzteres gilt auch für Tom Schmidt, der regelmäßig zu ungestüm agierte, falsche Laufwege wählte und so beim Pressing teilweise Lücken in den eigenen Verbund riss. Er zeigte jedoch auch seine starke Mentalität und Athletik und strahlte Torgefahr aus. Wie auch Hein ist er noch jung, mangelnde Konstanz ist da ganz normal.

Ungefährliche Offensive

Der Schuh drückte in der Offensive: Oliver Rauh erzielte fünf Tore, Marco Prießner vier, Patrick Degen und Marvin Osei je drei und Aladji Barrie zwei. Insgesamt reichte es nur für 41 Tore. Von den Top-sechs-Mannschaften traf keine seltener als 52-mal. Es fehlte ein Akteur, der konstant für Torgefahr sorgte. Mittelstürmer Prießner steht hier in vorderster Front. Er litt darunter, dass er zu wenige brauchbare Zuspiele bekam. Doch auch seine Darbietungen ließen zu wünschen übrig. Mit seiner Schnelligkeit und Technik müsste er zu den Top-Torjägern der Liga gehören. Doch er bekam es nicht hin, konstant fit zu sein. Dadurch fehlte ihm augenscheinlich die Kraft. Zudem brachte er sich mit Schiedsrichter-Diskussionen regelmäßig selbst aus dem Rhythmus. Für einen Mann seiner Klasse brachte er schlicht zu wenig Leistung. Der in der Winterpause verpflichtete Barrie enttäuschte auf ganzer Linie. Er fand nicht in die Mannschaft, wirkte zu unbeweglich und abschlussschwach. So führte kein Weg an Prießner vorbei.

Nur zwölf Tore in elf Partien, darunter vier beim MTV Wolfenbüttel, erzielte der SVA nach der Winterpause. Fünfmal blieb Atlas torlos, viermal trafen die Delmekicker einfach. Sechs Tore fielen hier nach Standards, sechs aus dem Spiel heraus. Daraus resultierten lediglich zwei Siege, beide auswärts. 29 Tore in 19 Spielen vor der Pause waren zwar nicht überragend, aber doch gut.

Zu Hause gewann das Team letztmals im November beim Rückrundenauftakt. Nur vier Mannschaften holten insgesamt weniger Punkte daheim. Als Festung kann das Stadion an der Düsternortstraße daher derzeit nicht bezeichnet werden. Vor der Winterpause wies die Heimbilanz noch fünf Siege und je zwei Unentschieden und Niederlagen auf.

Schon in der Premierensaison spielte der SVA eine bessere Hin- als Rückrunde. Einer der Gründe ist offensichtlich: In Delmenhorst gibt es in der Winterpause kaum Trainingsmöglichkeiten. Ohne Kunstrasenplatz und mit einer nur noch glimmenden Flutlichtanlage auf den Stadion-Nebenplätzen (und keiner im Stadion) haben die Blau-Gelben einen Standortnachteil gegenüber einigen anderen Teams der Liga, die in der spielfreien Zeit im Winter trainieren und sich vernünftig vorbereiten können. Zumindest in die Flutlicht-Problematik kommt nun aber Bewegung (siehe Bericht auf Seite 7).

Triumph im Pokal

Bei aller berechtigten Kritik an den Leistungen in der Oberliga darf nicht vergessen werden, dass Atlas den Klassenerhalt letztlich mehrere Runden vor Schluss sicherte. Es ist also nichts Dramatisches passiert, auch wenn die Weiterentwicklung fehlte.

Im Pokal lief es hingegen besser. Die erste Runde absolvierte Atlas beim klassentieferen TuS BW Lohne. Hier lagen die Blau-Gelben zur Pause zurück, doch ein Doppelpack von Stefan Bruns und ein Tor von Plendiskis sorgten für den Achtelfinalsieg. Lohne war jedoch lediglich vier Minuten plus Nachspielzeit vom Elfmeterschießen entfernt. Im Viertelfinale war der FC Hagen/Uthlede chancenlos. Prießner traf hier dreifach beim 4:0, erzielte also fast die Hälfte seiner insgesamt acht Tore in Pflichtspielen in dieser Begegnung. Im Halbfinale folgte eine nahezu ereignislose Partie gegen den 1. FC Wunstorf, die folgerichtig torlos ins Elfmeterschießen ging. Hier hielt Urbainski drei Elfmeter und traf selbst zum Sieg. Im Finale folgte das wohl beste Saisonspiel: Atlas setzte sich verdient mit 3:2 gegen den TuS Bersenbrück durch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+