Handball-Oberliga

Ein Arbeitssieg

Die HSG Delmenhorst hat nicht wirklich gegen die HSG Barnstorf/Diepholz überzeugt. Trotzdem reichte es am Ende zu einem Sieg.
31.03.2019, 14:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Nadig
Ein Arbeitssieg

HSG-Torhüter Sönke Schröder parierte gegen Barnstorf viele freie Würfe und avancierte so zum Matchwinner für die Delmenhorster.

Ingo Möllers

Diepholz. Auswärts den dritten Sieg in Folge gefeiert und damit Platz sechs gefestigt – Jörg Rademacher hatte eigentlich allen Grund, zufrieden zu sein. Doch der Trainer der HSG Delmenhorst war es nicht. Denn überzeugt hat seine Sieben beim 22:20 (9:8)-Erfolg in der Handball-Oberliga gegen die HSG Barnstorf/Diepholz keineswegs. „Wir werfen jeden zweiten Angriff weg. Da habe ich keine Ahnung, wie wir siegen. Das war ein ganz schlechtes Oberliga-Spiel“, meinte er, schickte aber auch hinterher: „Wir sind hierher gefahren, um den sechsten Platz zu stabilisieren. Das ist uns gelungen. Unterm Strich haben wir zwei Punkte geholt. Auch so ein dreckiges Spiel muss man erst mal nach Hause bringen.“

Die Partie einfach abhaken wird er allerdings nicht. Als Trainer verarbeite er solche Spiele anders und betrachte sie als Lernprozess. Für das Team und auch sich selbst. Denn als der bereits angeschlagen in die Partie gegangene Tim Coors nur noch in der Abwehr aushelfen konnte und recht früh in Durchgang zwei komplett ausschied, lahmte die Offensive der Delmenhorster doch erheblich. „Wir haben lange Zeit mal wieder ohne Tim und somit ohne Linkshänder im Rückraum gespielt. Da war Sand im Getriebe. Das werde ich mir zu Herzen nehmen. Ich muss das Team dann anders umstellen“, erklärte Rademacher durchaus selbstkritisch. Das taten seine Spieler ebenfalls. Sie sprachen von einer schwachen Leistung, einem Arbeitssieg.

Diese Leistung verwunderte. Schließlich hatten die Delmenhorster zuletzt zwei Galavorstellungen abgeliefert und sich damit frühzeitig den Klassenerhalt gesichert. Der Druck lag somit aufseiten der Gastgeber, die rechnerisch noch um den Ligaverbleib zittern müssen. „Eigentlich hätten wir locker aufspielen können. Aber Handball hat eben mit Bewegung zu tun, und die hat bei uns gefehlt“, kritisierte Rademacher. Tatsächlich brachte seine Sieben, die von ihrem wiedergenesen Spielmacher Frederik Oetken dirigiert wurde, nur wenig Druck auf die Platte. Ein Spielfluss in der Offensive kam in den kompletten 60 Minuten nicht auf, wenngleich hin und wieder das spielerische Potenzial der Gäste durchaus aufblitzte. Rademacher: „Ich hatte im Vorfeld gewarnt, dass Barnstorf versuchen wird, unser Angriffsspiel zu zerstören. Das ist gelungen.“ Nur selten fand seine Sieben einen Weg durch die 5:1-Deckung des Gastgebers. Allerdings musste sich diese meist auch nicht sonderlich strecken, um aussichtsreiche Würfe zu verteidigen.

In der Offensive haperte es bei den Gästen jedoch ebenfalls gewaltig. Das lag unter anderem an dem starken Zusammenspiel der Delmenhorster Deckung mit ihrem Schlussmann Sönke Schröder. Dieser hatte in Durchgang eins bereits einige Bälle pariert und avancierte in den zweiten 30 Minuten dann endgültig zum Matchwinner, als er gleich mehrere freie Abschlüsse parierte. „Wir haben keinen Fluss in den Angriff bekommen. 22 Gegentore sind okay, aber vorne haben wir zu wenige gemacht. Da haben wir viele freie Würfe liegengelassen oder schlechte Pässe bei Tempogegenstößen gespielt“, monierte Dag Rieken, Coach der Hausherren. Er stufte den Sieg der Gäste aufgrund des Spielverlaufs als vollkommen in Ordnung ein. Wobei er sich die Frage stellte, welchen Ausgang die Begegnung genommen hätte, wenn seine Sieben in der Schlussphase doch noch den Ausgleichstreffer erzielt hätte.

Eine berechtigte Frage. Nachdem die erste Halbzeit recht ereignislos mit 9:8 an die Delmenhorster gegangen war und diese sich ohne zu glänzen bis zur 50. Minute auf 20:16 abgesetzt hatten, kam die Rieken-Sieben nochmals heran. In dieser Phase fehlte jegliche Bewegung im Angriff der Gäste. Sie passten sich den Ball kurz hinter dem Anwurfkreis immer wieder hin und her. Die zündende Idee fehlte jedoch, sodass nur schwache Abschlüsse zustande kamen. „Sobald wir uns bewegt haben, kam Barnstorf in Bedrängnis. Aber wir haben das nicht durchgezogen. Ich weiß nicht, warum“, ärgerte sich Rademacher. Profit schlagen konnten die Barnstorfer aus dem statischen Angriffsspiel der Gäste jedoch nur selten, sie scheiterten an sich selbst und an Sönke Schröder: In Minute 54 parierte er einen Tempogegenstoß glänzend. Kurze Zeit später beförderten die Gastgeber den Ball in die Hände von Torben Sudau, zuvor hatte dieser das Spielgerät wegen eines vermeintlichen Fußspiels verloren. Nichtsdestotrotz war der Vorsprung der Delmenhorster zwei Minuten vor demn Ende auf ein Törchen zusammengeschmolzen – 21:20. Doch die Rademacher-Sieben konnte sich auf Schröder verlassen: Er entschärfte einen Versuch von außen von Lars von Kamp. Im Gegenzug sorgte Jörn Janßen mit dem Treffer zum 22:20 für die Vorentscheidung. Die letzte Szene des Tages gehörte wieder Schröder, der sich ein weiteres Mal gegen Arnuas Srederis auszeichnete. „Sönke war heute überragend. Er wirklich viel gehalten, das sollte man nicht vergessen. Ansonsten wäre es vielleicht anders ausgegangen“, mutmaßte Rademacher.

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