Fußball „Ein Erlebnis, das man nicht vergisst“

Der Delmenhorster Patrick Drewes steht seit dieser Saison beim VfL Bochum unter Vertrag. Nun hat er sein Debüt in der zweiten Fußball-Bundesliga gefeiert.
12.02.2020, 15:48
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„Ein Erlebnis, das man nicht vergisst“
Von Maurice Reding

VfL Bochum gegen den Hamburger SV – diese Paarung zweier Traditionsvereine gab es in der Fußball-Bundesliga schon des Öfteren. Mittlerweile duellieren sich beide Klubs in der zweiten Liga. Trotzdem zieht diese Paarung die Massen weiterhin ins Stadion. So auch Anfang Februar, als der VfL den HSV an einem Montagabend empfängt. Die Bochumer unterliegen mit 1:3 (0:0) und stürzen auf den Relegationsrang ab. Für einen Spieler wird diese Partie dennoch sein Leben lang in positiver Erinnerung bleiben. Der gebürtige Delmenhorster und VfL-Torhüter Patrick Drewes feierte am 20. Spieltag der laufenden Saison sein Zweitliga-Debüt.

„Das ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst – und dann noch gegen einen super Gegner“, ist der Keeper immer noch von seinem ersten Zweitligaspiel euphorisiert. Dass Drewes in diesem Spiel zwischen den Pfosten stehen wird, war bereits eine Woche vorher klar. Der eigentliche Stammtorhüter der Bochumer, Manuel Riemann, flog in der vorherigen Partie bei Arminia Bielefeld in der 83. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Da VfL-Coach Thomas Reis bereits dreimal gewechselt hatte, musste ein Feldspieler ins Tor – und Drewes damit weiter auf sein Zweitliga-Debüt warten.

Eine Woche später war es dann aber so weit. Wie hat sich der Delmenhorster auf dieses besondere Spiel vorbereitet? „Ich habe nicht anders trainiert, sondern mich ganz normal wie auf jedes andere Spiel vorbereitet“, sagt der Keeper. Am Spieltag selbst habe Drewes aber gemerkt, dass die Partie gegen den HSV keine normale für ihn sein würde. „Wir hatten zwar die normalen Abläufe. Ich bin aber mit einer gewissen Anspannung in das Spiel gegangen. Es vergeht ja auch viel Zeit an einem Spieltag“, erzählt Drewes, der einen Tag nach seinem ersten Einsatz in der zweiten Liga seinen 27. Geburtstag feierte.

Anspannung vor dem Anpfiff

Um kurz vor 20.30 Uhr stieg die Anspannung ins Unermessliche. Patrick Drewes betrat den Rasen des Ruhrstadions vor 24 421 Zuschauern und damit fast ausverkauftem Haus. „Das war ein mega Gefühl“, beschreibt der Keeper seine Gefühlslage. Das Spiel verlief ausgeglichen, die Bochumer boten dem HSV lange Paroli. In der 65. Minute brachte Simon Zoller den VfL mit 1:0 in Front. Das Stadion tobte, Drewes freute sich über die Führung. Doch diese Freude währte nicht lange. Nur drei Minuten später glich Tim Leibold per Traumtor aus. Keine Chance für Drewes. „Wir haben eine Stunde richtig gut gespielt. In der ersten Halbzeit hatten wir Glück, dass der HSV nur den Pfosten getroffen hat. Die Führung haben wir aber leider nicht lange gehalten“, erzählt der 27-Jährige. Joel Pohjanpalo (74.) und Sonny Kittel (87.) drehten die Partie zugunsten der Gäste. Auch bei diesen beiden Toren war Drewes chancenlos. „Am Ende haben uns die Kräfte verlassen. Wir haben alles nach vorne geworfen und auf den Ausgleich gespielt, der uns leider nicht mehr gelingen sollte“, sagt Drewes. Trotzdem fuhr der Keeper an diesem Abend glücklich nach Hause.

Eine Woche später traten die Bochumer als Tabellen-16. beim 15. SV Wehen-Wiesbaden an. Bei diesem Spiel, das der VfL mit 1:0 für sich entschied, saß Patrick Drewes wieder auf der Bank. Einen schlechten Gedanken daran, dass er für Stammkeeper Manuel Riemann weichen musste, verschwendet der Delmenhorster nicht. Stattdessen stellt Drewes das Team in den Vordergrund. „Es war ein ganz wichtiger Sieg gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Dadurch haben wir einen kleinen Abstand auf die unteren Plätze hergestellt“, sagt der Keeper.

Die drei Punkte können Drewes und Co. gut gebrauchen. Am kommenden Montag, 17. Februar, empfangen die Bochumer mit dem VfB Stuttgart den nächsten Aufstiegsanwärter. Generell hat es das Programm des VfL zu Beginn der Rückrunde in sich. Mit Arminia Bielefeld, dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart müssen die Bochumer gleich gegen die Top drei ran. „Wir sind gegen Stuttgart nicht chancenlos. Auch gegen Bielefeld und den HSV hat man gesehen, dass was geht. Die Punkte müssen wir aber gegen Vereine wie Dresden, Wehen-Wiesbaden und Sandhausen holen“, meint Drewes.

Bundesliga ist das große Ziel

Patrick Drewes spielt seit dieser Saison im Ruhrgebiet. Zuvor war er zwei Jahre bei den Würzburger Kickers unter Vertrag, für die er in der dritten Liga 48-mal das Tor hütete. Im Sommer vergangenen Jahres lief der Vertrag aus – und Drewes entschied sich gegen einen Verbleib. „Das fiel mir alles andere als leicht. Ich habe in Würzburg immer gespielt. Mein Ziel ist es, so hoch wie möglich zu spielen. Dann bekam ich von Bochum ein reizvolles Angebot. Der VfL ist ein großer Traditionsverein“, begründet der 27-Jährige seinen Wechsel.

Seiner Heimatstadt Delmenhorst stattet Drewes in unregelmäßigen Abständen einen Besuch ab. „Ich bin meistens in größeren Pausen wie den Länderspielpausen da“, erzählt er. Auch seinen Jugendverein, den TuS Heidkrug, vergisst er nicht. „Ich habe immer ein Auge auf den Verein, allein über Social Media, meine Familie und Freunde kriege ich viel mit“, erzählt Drewes.

Sein Vertrag bei den Bochumern läuft noch bis Ende Juni 2021. Bis dahin hat er sich zunächst zwei Ziele gesetzt. „In dieser Saison wollen wir den Klassenerhalt schaffen. Was mich persönlich angeht: Das Spiel gegen den HSV soll nicht das letzte Zweitligaspiel gewesen sein“, sagt er. Das große Ziel von Patrick Drewes bleibt die Bundesliga, wohlwissend, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist. „Die erste Liga ist noch ein ordentliches Stück weg. Ich möchte zunächst in der zweiten Liga Fuß fassen und regelmäßig spielen.“ Den ersten Schritt dafür hat der Delmenhorster mit seinem Zweitliga-Debüt getan.

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