RV Urania Delmenhorst Ein passionierter Radsportler

Ralf Wittenberg fährt seit 50 Jahren für den RV Urania und hat schon internationale Erfolge gefeiert. Kürzlich wurde er für seine 50-jährige Mitgliedschaft geehrt.
13.03.2020, 18:06
Lesedauer: 4 Min
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Ein passionierter Radsportler
Von Justus Seebade

Ohne geht es einfach nicht. Weder im Alltag noch im Urlaub. Wenn man zu dem Schluss kommt, dass Ralf Wittenberg gerne Fahrrad fährt, ist das eigentlich fast schon untertrieben. „Radsport ist mein Leben“, sagt er selbst über sich. Und wer einen Blick in seine Vita wirft, kann nicht anders, als ihm das aufs Wort zu glauben.

Ralf Wittenberg ist Mitglied des RV Urania Delmenhorst – seit 50 Jahren, obwohl er schon lange nicht mehr in der Stadt oder der näheren Umgebung lebt. Seit 1978 wohnt der Mediziner in Bochum, seit 2000 arbeitet er als Chefarzt am St.-Elisabeth-Hospital im rund 20 Kilometer entfernten Herten. Seinem Heimatverein ist der gebürtige Delmenhorster jedoch stets treu geblieben. Bei der Jahreshauptversammlung wurde er kürzlich für seine 50-jährige Mitgliedschaft geehrt. Es ist ein Jubiläum, das er nicht von ungefähr erreicht hat. Wittenberg entwickelte bereits früh eine Leidenschaft für seinen Sport und hat diese bis heute beibehalten.

Alles begann so, wie man es sich eigentlich nur wünschen kann. Im Jahr 1969 wurde Wittenberg von einem Urania-Mitglied eingeladen, an einer Bezirksmeisterschaft teilzunehmen. Damals war er selbst noch gar nicht Teil des Vereins, aber er setzte direkt ein Ausrufezeichen und holte eine Medaille. „Dann ist man als Kind natürlich motiviert“, erklärt der inzwischen 63-Jährige. Von dieser Motivation profitierte der RV Urania, der den augenscheinlich talentierten Jungspund im Jahr darauf als Mitglied begrüßen durfte. Wittenberg stieg ins Training ein und fuhr als Schüler seine ersten Lizenzrennen. Der Premierensieg ließ nicht lange auf sich warten. „Dann ist es schwierig, nicht mehr weiterzumachen“, sagt Wittenberg, der am Willms-Gymnasium zur Schule gegangen ist, rückblickend.

500 bis 700 Kilometer pro Woche

In der Folge nahm alles seinen Lauf. In der Jugend A wurde er zweimal Zweiter bei der Landesmeisterschaft und nahm für das Land Niedersachsen am Europatreffen in Braunschweig teil. Auch hier war Wittenberg vorne mit dabei. Bei den Amateuren ging es dann allmählich richtig zur Sache. Er stieg in höhere Klassen auf und hatte ein immenses Trainingsprogramm. Im ersten Amateurjahr absolvierte Wittenberg 500 bis 700 Kilometer pro Woche. Nun kam aber eine weitere Herausforderung auf ihn zu. Er machte eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, was ein zeitliches Dilemma mit sich brachte. „Ich konnte nicht mehr auf dem Niveau weiterfahren und musste überlegen: Mache ich die Ausbildung richtig oder mit dem Sport weiter?“, erinnert sich Wittenberg. Er wählte die vernünftige Variante und entschied sich für den Beruf.

Aus dem Physiotherapeuten Ralf Wittenberg wurde in den folgenden Jahren zudem der Arzt Ralf Wittenberg. Während seines Medizinstudiums besuchte er unter anderem die Harvard-Universität in Boston. Seine berufliche Tätigkeit sorgte dafür, dass er vom Wettkampfsport wegkam – jedenfalls als Fahrer. In anderer Funktion blieb er jedoch ganz nah am Geschehen, und zwar in der nationalen Spitze. Wittenberg war als Physiotherapeut und Arzt bei der Nationalmannschaft dabei und betreute auch Profiteams.

Die Lust auf Wettkämpfe verlor er in dieser Zeit aber nicht. Und so kam es, dass der Urania-Sportler ab dem Jahr 2000 als Lizenzfahrer wieder auf dem Sattel saß. Er nahm für den Bund Deutscher Radfahrer an Wettbewerben teil und feierte diverse nationale sowie internationale Erfolge. Unter anderem gewann er viele Titel bei den Weltmeisterschaften der Ärzte. 2006 kam er in verschiedenen Disziplinen viermal als Erster ins Ziel. Bei der Rotary-WM triumphierte Wittenberg zwischen 2007 und 2009 gar dreimal. Das alles waren für ihn ganz besondere Momente. Etwa wenn nach einem Erfolg die Nationalhymne gespielt wurde. „Das war ein Ansporn für mich. In der Jugend konnte ich es mir finanziell und zeitlich nicht leisten, deswegen habe ich es jetzt gemacht“, sagt der Delmenhorster, der weiß, wem er vieles zu verdanken hat: „Mein Trainer Fritz Grünefeld hat den Grundstein für mich gelegt und mich sehr gefördert.“

Aktuell fährt er immer noch um Titel mit. 2019 landete Wittenberg bei den niedersächsischen Senioren-Landesmeisterschaften mehrfach auf dem Podest, die Bergmeisterschaft entschied er sogar für sich. Bei der Rotary-Weltmeisterschaft wurde er in den vergangenen drei Jahren jeweils Dritter. „Es macht einfach Spaß“, sagt der 63-Jährige, der nach wie vor bei allen Wettbewerben das Urania-Trikot trägt. Das will er auch noch möglichst lange tun. „Ich versuche, bis ich Rentner bin, das Niveau zu halten. Dann setze ich mir neue Ziele.“

Bei Wind und Wetter

Bis dahin will er das Radfahren genießen. Dazu hat Wittenberg viele Gelegenheiten, die er sich selbst schafft. So tritt er beispielsweise jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit in die Pedalen – bei jedem Wetter. Auch im Urlaub dauert es nicht lange, bis das bevorzugte Transportmittel vor der Tür steht. Da zieht übrigens auch seine Frau mit. „Das Erste, was wir machen, ist, dass wir uns Räder leihen. Dann machen wir vor Ort unsere Touren“, erzählt Wittenberg. „Das Reizvolle ist einfach die Bewegung in der Natur. Man nimmt das Leben ganz anders war, wenn man auf dem Rad sitzt.“ Darüber hinaus gibt es einen weiteren positiven Nebeneffekt: „Man hält sich ein bisschen fit“, ergänzt Wittenberg.

Radsport ist eben sein Leben, wie er selbst sagt. „Auch wenn es nicht zum Profi gereicht hat, ist es das, was mir Spaß macht“, erklärt Wittenberg. Ohne geht es einfach nicht.

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