Sportausschuss

Ein Schritt Richtung Kunstrasenplatz

Die Mitglieder des Sportausschusses haben bei drei Gegenstimmen beschlossen, insgesamt 700 000 Euro für einen Kunstrasenplatz in die Haushalte 2020 und 2021 einzustellen. Letztlich entscheidet der Rat im Juli.
21.06.2019, 15:38
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Schritt Richtung Kunstrasenplatz
Von Michael Kerzel
Ein Schritt Richtung Kunstrasenplatz

Rund 120 Delmenhorster Fußballer kamen zur Sitzung des Sportausschusses, um Kunstrasenplätze zu fordern.

FR

Die Delmenhorster Fußballvereine trommeln seit Monaten vehementer denn je für den Bau eines Kunstrasenplatzes. Ihre Vertreter um Marco Castiglione (TV Jahn) und Jürgen Schulenberg (DTB) haben sich mit der Verwaltung und den einzelnen Fraktionen getroffen, um diese zu überzeugen. Sie haben ein mehrseitiges Konzept ausgearbeitet, in dem sie auf Nutzungsdauer, Umweltverträglichkeit und auch die Finanzierung eingehen. Und sie hatten Erfolg damit: Der Sportausschuss sprach sich mit 8:3 Stimmen dafür aus, in die Haushalte 2020 und 2021 jeweils 350 000 Euro für den Bau eines Kunstrasenplatzes einzustellen. Lediglich die SPD votierte dagegen.

120 Gäste bei der Sitzung

Castiglione hat in den vergangenen Wochen die Schlagzahl hochgefahren, um den Druck auf die Ausschussmitglieder zu erhöhen. Es gab Informationsabende für die Presse mit Vertretern mehrerer Vereine, zuletzt stellte er täglich Videos online, in denen er für den Bau warb. Bei der Sportausschusssitzung waren er und mehrere Funktionäre – beispielsweise Michael Wild (TuS Heidkrug), Bastian Fuhrken (SV Atlas) und Claus-Dieter Meier (TV Jahn) – ebenso vor Ort wie diverse Nachwuchsfußballer in den Trikots ihrer Vereine. Insgesamt waren es rund 120 Gäste, von denen fast alle aus dem Fußballbereich kamen. Castiglione, Wild und Schulenberg nutzten die Einwohnerfragestunde, die vor den eigentlichen Tagesordnungspunkten dran ist, um Stellungnahmen zum Kunstrasenplatz abzugeben. Fragen stellten sie nicht. Die Ausschussvorsitzende Gabi Baumgart (SPD) ließ sie jedoch gewähren. Die Stimmung war ohnehin schon aufgeladen. Die Statements hatten es in sich: Castiglione appellierte an die Verantwortung und Fürsorgepflicht der Ausschussmitglieder. „Es gibt hier eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Sport. Das ist unwürdig und geringschätzend. Ob Sie nun Interesse am Sport haben oder nicht: Sie haben die Verantwortung. Viele Menschen in der Stadt wollen den Volkssport Fußball ausüben, können das aber derzeit Teile des Jahres nicht“, sagte er. 2000 Fußballer gebe es in Delmenhorst, die Plätze seien pro Jahr vier bis sechs Monate gesperrt.

Wild stieß ins gleiche Horn und brachte Beispiele vor: „Unsere B-Jugendlichen, die in der Landesliga spielen, hatten in den Monaten Dezember bis Februar nur fünf Trainingseinheiten“, berichtete er. Einige Spieler der Mannschaft hätten sich schon verabschiedet und seien in das Umland gewechselt. Dass dort aufgrund von Kunstrasenplätzen ganzjährig trainiert werden könne, ist laut Wild in den Begründungen der wechselnden Spieler immer wieder aufgekommen. Dritter im Bunde der vorneweg Vortragenden war Jürgen Schulenberg. Er präsentierte einige Zahlen: 4500 Kunstrasenplätze gebe es in Deutschland. Auf die Bevölkerungszahl Delmenhorsts runtergebrochen wären das vier bis fünf Plätze. Die Partnerstadt Eberswalde habe vier Kunstrasenplätze, das finanziell ähnlich klamm wie Delmenhorst aufgestellte Wilhelmshaven ebenfalls. „Delmenhorst ist der Zeit hinterher. Andere Kommunen sind mutiger, schneller und fortschrittlicher“, meinte er.

Nur SPD stimmt dagegen

In der Debatte im Ausschuss forderte Antragsteller Murat Kalmis (FDP), endlich den Startschuss für den Kunstrasenplatz-Bau zu geben. Die CDU unterstützte den Antrag von Beginn an, auch die übrigen Ausschussmitglieder, mit Ausnahme der SPD, schlossen sich an. „Wir können doch keinen Beitrag einstellen im Vorgriff, bei dem wir nicht wissen, wie hoch er sein muss. Die Standortwahl hat einen nicht unmaßgeblichen Anteil an den Kosten“, sagte Antje Beilemann (SPD). Man solle die Kunstrasen-Debatte nun nicht übers Knie brechen. Man solle erst mal einen Standort finden und dann in weiteren Sitzungen die weitere Planung besprechen. Das brachte Kalmis in Rage. „Sie machen sich lächerlich. Es geht hier um den Startschuss“, sagte er. Laut Michael Adam (CDU) ist genug über den Kunstrasenplatz diskutiert worden, es lägen genug Informationen vor. Der Bau solle nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. Ähnlich sah es Ernst: „Was in den Haushalt eingestellt wird, ist eine Richtschnur“, sagte er. Die groben Kosten seien bekannt. Der Fachbereichsleiter für Sport, Hero Mennebäck, schätzt sie auf 800 000 bis 900 000 Euro. Dazu hatte die Verwaltung in der jüngsten Kunstrasen-Sitzung geschätzte Kosten für den Bau auf verschiedenen Anlagen vorgestellt. Zudem gebe es Referenzwerte aus anderen Kommunen, fügte Frauke Wöhler (CDU) hinzu.

Letztlich stimmte nur die SPD gegen den Kalmis-Antrag, jeweils 350 000 Euro in die Haushalte 2020 und 2021 einzustellen. Der nicht-öffentliche Verwaltungsausschuss berät über diese Empfehlung, bevor der Rat der Stadt am 3. Juli darüber abstimmt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+