Fußball-Oberliga

Erstes Spiel, erster Punkt

Der SV Atlas Delmenhorst hat eine solide Leistung beim Auftaktspiel gegen den VfL Oldenburg gezeigt. In einem eher unspektakulären Spiel stand die Defensive sicher, nach vorne fehlte der letzte Punch.
04.08.2019, 17:36
Lesedauer: 4 Min
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Erstes Spiel, erster Punkt
Von Michael Kerzel
Erstes Spiel, erster Punkt

Dem SV Atlas um Musa Karli (gelbes Trikot) fehlte in der Offensive die letzte Konsequenz.

INGO MÖLLERS

71 Minuten waren gespielt, als Tom Schmidt einen schönen Pass durch die Schnittstelle hinter den Linksverteidiger des VfL Oldenburg spielte. Oliver Rauh ersprintete den Ball, hatte jedoch leichte Probleme bei der Ballverarbeitung und kam etwas zu weit nach rechts ab. Dennoch stand er frei vor Keeper Jannik Zohrabian. Dieser machte sich groß, verkürzte den Winkel gut. Rauh schoss ihm das Leder an den Kopf. Es war die größte Chance des Spiels. Letztlich die einzige Großchance während der 90 Minuten. Und da aus mehreren mittelgroßen Möglichkeiten auch kein Tor entstand, trennten sich der SV Atlas Delmenhorst und der Regionalliga-Absteiger zum Auftakt der Fußball-Oberligasaison torlos. „Mit dem Ergebnis können wir gut leben. Hätten wir eine Chance reingemacht, hätten wir verdient gewonnen“, resümierte Atlas-Trainer Key Riebau. Auch sein Gegenüber Dario Fossi bewertete den Punkt positiv. „Es war ein gerechtes 0:0, ich bin zufrieden“, meinte er.

Atlas startet druckvoll

Die Blau-Gelben veränderten ihre Startelf im Vergleich zur Pokalniederlage gegen den SC Spelle-Venhaus vor einer Woche auf einer Position. Abwehrchef Karlis Plendiskis ersetzte den verletzten Stürmer Marek Janssen. Dadurch rückte Neuzugang Florian Stütz auf die Sechs an die Seite von Kapitän Nick Köster. Tom Schmidt übernahm die Position in vorderster Front. Auf den Flügeln sollten Marco Prießner und Marvin Osei das Offensivspiel antreiben, zentral agierte Musa Karli, teilweise auf gleicher Höhe mit Schmidt, teilweise auch im Zehner-Raum.

Die Delmenhorster begannen schwungvoll. Nach fünf Minuten setzte Köster eine Volleyabnahme nach einer zu kurz abgewehrten Ecke knapp neben den Oldenburger Kasten. Dort landete auch ein Kopfball von Prießner nach einem Freistoß von Karli (16.). „Wir sind ganz gut gestartet und haben gut Druck gemacht. Der letzte Pass hat gefehlt im letzten Drittel. Wir müssen da konsequenter spielen“, analysierte Osei. Für ihn war es ein durchaus besonderes Spiel, immerhin war er mit dem VfL in der Saison 2017/18 in die Regionalliga aufgestiegen, bevor er in seine Heimatstadt wechselte. Bei den Aufeinandertreffen der beiden Teams in jener Saison erzielte er einen Treffer für den VfL.

Ähnlich wie Osei sah es auch Riebau: „Offensiv fehlte uns die letzte Geilheit, das letzte Quäntchen. Wir müssen mehr in die Box kommen und diese besetzen“, sagte er. Unstrittig fehlte Atlas Präsenz im Strafraum, weswegen Flanken auch immer wieder ohne Abnehmer durch den Sechzehner segelten.

Im ersten Durchgang kamen die Delmenhorster nach der Anfangsoffensive nur noch zu einem halbwegs gefährlichen Abschluss: Osei kam nicht richtig hinter den Ball nach einer Karli-Ecke und köpfte so klar daneben. Der VfL brachte ebenfalls keinen Ball aufs Tor. Der bullige Mittelstürmer Conrad Azong schoss aus 20 Metern klar daneben (30.), Daniel Isailovic setzte einen 25-Meter-Freistoß über den Kasten. Die eigentlich gefährlichste Szene der ersten 45 Minuten spielten die Gäste schwach aus. Jonas Siegert war Dennis Mooy – der nach 25 Minuten für den verletzten Julian Harings kam – auf rechts im Rücken davongelaufen. In der Mitte wartete Azong frei, doch der Querpass misslang völlig.

Leistungsgerecht ging es torlos in die Pause. Prießner blieb stark gelb-rot-gefährdet in der Kabine. Kevin Radke ersetzte ihn und ging auf die Rechtsverteidiger-Position, wodurch Rauh einen Posten nach vorne rückte.

Die Defensiven dominieren

Die zweite Hälfte begann sehr zerfahren, was auch an der inkonsequenten Spielleitung von Schiedsrichter Jost Steenken lag. Bereits nach fünf Minuten hätte er Köster zwingend Gelb für ein taktisches Foul geben müssen, doch er beließ es bei einer Ermahnung. In der Folge ließ er einige durchaus harte Zweikämpfe laufen und ließ auch bei einer Gelb-würdigen Aktion von Oldenburger Seite die Karte stecken. Da ihm die Partie jedoch zu entgleiten drohte, pfiff er zwischendurch auch harmlosere Aktionen ab, um dann im Laufe des Spiels jedoch wieder auf seine Anfangslinie umzuschwenken und letztlich undurchsichtig zu pfeifen. Das führte zu diversen Diskussionen auf dem Feld und auch Fossi und Riebau haderten an der Linie abwechselnd mit Steenken. Letztlich machte dieser keinen entscheidenden Fehler und benachteiligte auch keines der Teams, brachte aber durchaus Hektik in die Partie.

Beide Abwehrreihen hatten das Geschehen überwiegend im Griff, die Atlas-Defensive war dabei noch sattelfester als die des VfL. „Wir haben über die 90 Minuten betrachtet sehr, sehr wenig zugelassen. Ich spreche der Defensive ein großes Lob aus. Das war absolut in Ordnung“, meinte Riebau.

Atlas hatte zudem mehr vom Spiel. Nach einer Pass-Verlängerung von Köster brachte Rauh den Ball in die Mitte, wo Schmidt verpasste (58.). In der 65. Minute hätte der Stürmer nach einem Pass von Mooy direkt abschließen können, stoppte das Leder jedoch und setzte es dann über das Tor (65.). Fünf Minuten später scheiterte Mooy aus der Distanz am Außennetz. Es folgte die Rauh-Großchance, viel mehr passierte nicht mehr.

Atlas war dem Sieg näher als die Gäste, weswegen Köster mit dem einen Punkt auch nicht zufrieden war. „Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Wir müssen die Chancen wegmachen, dann gewinnen wir auch. Wir haben heute zwei Punkte verloren“, meinte er. Der Kapitän zeigte sich aber auch guten Mutes für die kommenden Partien. „Es war defensiv noch mal eine Steigerung gegenüber dem Spelle-Spiel. Wir bleiben positiv, die Tore werden schon kommen. Daran arbeiten wir im Training“, sagte er.

Weiter geht es für den SVA am kommenden Sonnabend mit dem Jahrhundertspiel gegen den SV Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals. Anpfiff ist um 20.45 Uhr im Weserstadion. In der Oberliga geht es am Freitag, 16. August, beim FC Hagen/Uthlede weiter.

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