Fußball-Bezirksliga

Organisiert und strukturiert

Der neue Trainer Sven Apostel setzt beim SV Tur Abdin Delmenhorst auf viel Kommunikation und einen respektvollen Umgang miteinander. Er peilt mit den Aramäern die ersten vier an.
16.09.2020, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Organisiert und strukturiert
Von Justus Seebade

Sven Apostel ist ein Mensch, der richtig Bock auf Fußball hat. Um zu diesem Schluss zu kommen, muss man nur mal ein paar Minuten mit ihm sprechen. Dann wird einem schnell klar: Der Mann beschäftigt sich einfach enorm gerne mit diesem Sport. Und er hat auch jede Menge Ahnung davon.

Das ist nicht zuletzt deshalb der Fall, weil Sven Apostel eine A-Lizenz besitzt. Zudem kann er in seiner Vita auf illustre Stationen als Co-Trainer verweisen. Diese Position bekleidete er unter anderem beim Regionalligisten BSV Rehden und beim Oberligisten TB Uphusen. Auch beim VfL Wildeshausen assistierte er schon Chefcoach Marcel Bragula. Nun rückt der 43-Jährige erstmals in die erste Reihe vor. Er hat das Traineramt beim Bezirksligisten SV Tur Abdin Delmenhorst übernommen und folgt damit auf Andree Höttges, von dem sich der Verein in der vergangenen Woche einvernehmlich getrennt hatte (wir berichteten).

Apostel leitet gemeinsam mit dem neuen Co-Trainer Benjamin Sen die Geschicke bei den Delmestädtern. „Sven und Benjamin haben nach kurzer Zeit zugesagt, das Engagement beim SV Tur Abdin einzugehen. Wir sind froh, dass unsere Wunschkandidaten sich für unseren Weg entschieden haben. Wir erhoffen uns in einer kurzen Saison den bestmöglichen Erfolg mit unserer Mannschaft. Wir sind sicher, dass Sven und Benni die Mannschaft vorantreiben und eine gute Saison spielen werden“, wird Abdins Sportlicher Leiter Isa Tezel auf der Facebook-Seite des Vereins zitiert.

Was der neue Coach neben seinem Fachwissen auf jeden Fall mitbringt, ist ein direkter Bezug zum Klub. Er hat zuletzt bei den 2. Herren mitgekickt und weiß, wen er um sich herum hat. „Ich kenne die Jungs ja alle schon ewig. Mein Trauzeuge ist Aramäer, ich bin mit vielen Aramäern aufgewachsen. Ich habe die gern“, bekennt Apostel. Als die Anfrage der Delmenhorster kam, habe vieles zusammengepasst. Zum einen wollte er wieder höherklassiger im Trainergeschäft aktiv sein, zum anderen sind in der in diesem Jahr sehr kleinen Bezirksliga-Staffel die Wege kurz. Das passt Apostel auch deshalb ganz gut, weil er neben der Arbeit noch ein Studium zum Spielanalysten und Scout absolviert.

Seinen Einstand als Abdin-Trainer hat er bereits gegeben. Beim 1:1 gegen den Titelkandidaten GVO Oldenburg stand Apostel an der Seitenlinie. Vorher hatte er nur eine gemeinsame Trainingseinheit mit dem Team. Diese Woche ist nun die erste komplette mit seiner neuen Mannschaft – und Apostel hat bislang positive Eindrücke gesammelt. „In der zweiten Einheit habe ich gesehen, dass die Jungs sehr wissbegierig sind“, berichtet der Coach. „Wenn man weiß, wie man mit ihnen umgehen muss, kann man richtig was reißen. Ob das dann klappt, muss man sehen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle“, fügt er hinzu.

Apostel setzt auf zwei für ihn entscheidende Dinge: einen respektvollen Umgang und viel Kommunikation. Und er spricht sich für einen intensiven Austausch zwischen den einzelnen Abdiner Mannschaften aus. Er möchte stets alle und alles im Blick haben. So kann Apostel sich vorstellen, auch mal Spieler aus den anderen Herrenteams oder aus der A-Jugend dabei zu haben. „Ich bin für alles offen“, sagt er. In Uphusen etwa hätten einige A-Jugendliche regelmäßig mittrainiert. Ganz wichtig sei aber, immer Rücksprache mit den jeweiligen Trainern zu halten.

Apostel ist jemand, der sich gerne was überlegt und tüftelt. Sich mit Taktiken zu beschäftigen, ist sein Ding. Er hat schon diverse Seminare besucht, sich aber auch viel selbst angeeignet. Der A-Lizenz-Inhaber nimmt sich gerne seine Tafel – und dann geht’s los. Wenn er weiß, wie der kommende Gegner agiert, fängt er an zu überlegen, wie man dagegen spielen könnte. Dann kommt die Tafel zum Einsatz, Apostel macht sich seine Gedanken, entwickelt eigene Konzepte. Er ist gut organisiert und arbeitet strukturiert – mittlerweile, wie er selbst bemerkt. Bei ihm kommen beispielsweise verschiedene Apps genauso zum Einsatz wie ein Vorlage-System. „Ich habe gewisse Sachen zu Papier gebracht. Die kann ich mit den Namen der Spieler füllen, die ich zur Verfügung habe.“

Dass er nun als Cheftrainer noch mal eine andere Aufgabe innehat als zuvor als Co-Trainer, ist Apostel vollauf bewusst. „Der größte Unterschied ist, dass du halt immer an der Front bist. In dem Moment, wenn du da vorne stehst, musst du immer performen“, beschreibt Apostel. Er merke selbst, dass es nicht immer einfach sei, voll da zu sein. Doch genau diesen Anspruch hat er. Wenn die Partie beginnt, will er einen klaren Plan haben. Und er will mit Abdin eine gute Rolle spielen. „Grundsätzlich weiß ja jeder, dass ich nicht die schlechteste Bezirksliga-Truppe habe, wenn man das Potenzial abruft“, sagt Apostel. Die Gegner kann er noch nicht so richtig einschätzen, „aber die ersten vier sollte man schon anpeilen. Wer davor Angst hat, dem kann ich auch nicht helfen.“

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