Jugendfußball

JFV Delmenhorst nimmt Fahrt auf

Der TuS Heidkrug, Delmenhorster TB und SV Atlas haben sich zum JFV Delmenhorst zusammengeschlossen. Beim TV Jahn überlegt man noch, ob man sich anschließt. Das erste Sichtungstraining erfuhr viel Resonanz.
07.06.2020, 15:03
Lesedauer: 3 Min
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Von RALF KILIAN
JFV Delmenhorst nimmt Fahrt auf

Ralf Sager (links) und Christian Goritz (3. v. l.) zeichnen als Trainer für die U19 des JFV verantwortlich.

TAMMO ERNST

Die Trikots sind ausgesucht, das Sponsoring für Trainingsanzüge und Taschen steht. Hinter den Kulissen wurde in den vergangenen Wochen viel getan, um den JFV (Jugendförderverein) Delmenhorst aufs Gleis zu schieben. Am Sonnabend fand ein erstes Sichtungstraining für alle Altersklassen von der A- bis zur D-Jugend statt, das mit weit über 100 Teilnehmern herausragend angenommen wurde. Und als kurz vor dem Abschluss einige Verantwortliche ihr Fazit zogen und der Sportliche Leiter Matthias Kaiser sein Handy zückte, um bei fussball.de die neueste Info abzufragen, konnte er die Aufnahme des JFV in der offiziellen Fußball-App feststellen. „Jetzt gibt es uns wirklich“, freute sich Kaiser.

„Wir haben verdammt viel geschafft in den vergangenen acht Wochen“, war Jens Witte, der frisch gewählte erste Vorsitzende des neuen Vereins, stolz auf die erfolgreichen Anstrengungen. Denn nach einigen Treffen im vergangenen Herbst wurde der JFV just zu einem Zeitpunkt Ende März gegründet, als das Corona-Virus das sportliche und soziale Leben fast komplett lahmlegte. Zum Glück hatte sich der Vorstand kurz zuvor zusammengefunden, sonst hätte man die ursprünglich vom TuS Heidkrug angestoßene Gründung wohl um ein Jahr verschieben müssen.

Witte und seine Mitstreiter gehen die Sache mit ordentlich Manpower an. „Wir haben jetzt vier Kader, die fast fertig sind. Wir haben zehn Trainer, sechs davon lizenziert. Dazu konnten wir David Lohmann als Torwarttrainer für uns gewinnen, der die Sache sehr engagiert angeht. Und seit ein paar Tagen sind wir offiziell beim NFV gemeldet“, listet Witte das Geleistete auf. Nachdem die Heidkruger bei den Vorgesprächen zunächst alle Delmenhorster Vereine an einen Tisch gebracht hatten, entschlossen sich letztlich neben dem TuS nur der Delmenhorster TB und der SV Atlas zum Einstieg in den JFV. Etwas unklar ist weiterhin die Rolle des TV Jahn. Beim Sichtungstraining waren zahlreiche Jungs der Violetten dabei. „Das geschieht natürlich mit der Erlaubnis der verantwortlichen Jahn-Trainer“, betont Witte. „Aber da muss jetzt zeitnah eine Entscheidung fallen, ob Jahn dem JFV beitritt“, drängt der Vorsitzende zur Eile. Marco Castiglione, sein Pendant beim TV Jahn, bittet jedoch noch um etwas Bedenkzeit: „Zur Beantwortung der Beitrittsfrage brauchen wir noch etwa zehn Tage“. Bis Ende Juni muss eine Entscheidung gefallen sein.

Am Sonnabend baten zunächst die Übungsleiter der älteren Jahrgänge zum Training auf der DTB-Anlage am kleinen Meer. Für die U19 sind Ralf Sager und Christian Goritz verantwortlich, gearbeitet wurde in zwei Gruppen à 14 Jungs. Zeitgleich um 10 Uhr übten auch die B-Junioren unter der Leitung von Torsten Flügger, Leon Henke und Lars Frerichs mit stattlichen 35 Akteuren. Zugute kommt der JFV die Planung des Verbandes, für die abgebrochene Saison auf Absteiger zu verzichten. „Wir profitieren natürlich von der Klasseneinteilung“ räumt Matthias Kaiser ein. So darf die A-Jugend weiter in der Bezirksliga auflaufen, die B-Jugend in der Landesliga. Beide – damals noch Heidkruger Mannschaften – hatten vor dem Abbruch den letzten Platz eingenommen und wären kaum noch zu retten gewesen. Die C- und D-Jugend verbleiben in der Kreisliga, hier gibt es mit Michael Wild/Frank Ritter sowie Denis Lubrich/Tobias Kanzok Doppelspitzen auf der Trainerbank. Da die Spielerkader keine 30 Jungs umfassen sollen, regt Witte für untere Mannschaften Spielgemeinschaften an. „Wenn zum Beispiel Jahn und Heidkrug in der C-Jugend noch jeweils acht Jungs haben, die keine Aufnahme im JFV finden, könnten sie eine JSG bilden“ schlägt Witte vor.

So ganz reibungslos lief das erste Kennenlernen noch nicht ab. Hinter den Kulissen gibt es kleinere Unstimmigkeiten mit Trainern in den Stammvereinen, die „ihre“ Jungs ungern an den JFV abtreten wollen. „Es ist uns bewusst, dass wir um jeden Spieler kämpfen müssen“ stellt Kaiser klar. „Aber wir wissen auch, dass wir in den nächsten drei Jahren kaum einen Regionalligaspieler herausbringen werden. Das Ziel ist vorrangig die Ausbildung für den jeweiligen Stammverein, wo die Jungs auch Mitglied bleiben. So können alle davon profitieren.“ Zudem überzeugt das Konzept, „keine auswärtigen Spieler aus Bremen oder Oldenburg zu holen. Unser Hauptaugenmerk liegt auf den Delmenhorster Jungs“ sagt Kaiser.

Bereits 2013 hatten sich der TuS Hasbergen, Jahn und der DTB an einem ähnlichen Konstrukt versucht. Die damals gegründete Spielgemeinschaft JDH Delmenhorst scheiterte aber letztlich nach nur drei Jahren auch daran, dass die Vereine Verlustängste bezüglich ihrer Spieler entwickelten und sich deshalb wieder zurückzogen. Mit diesen Befindlichkeiten werden Witte und seine Mitstreiter nun gleichfalls zu kämpfen haben. Aber der Start des JFV Delmenhorst war vielversprechend, und eine Bündelung der Kräfte erscheint im Delmenhorster Jugendfußball alternativlos, um mittelfristig mit der wachsenden Konkurrenz im Umland (VfL Stenum) mithalten zu können.

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