Fußball-Regionalliga

Eine Staffel, die es in sich hat

Der SV Atlas Delmenhorst trifft in der Südstaffel der Regionalliga auf einige ambitionierte Gegner. Ein Überblick.
01.09.2020, 18:07
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Freye und Justus Seebade
Eine Staffel, die es in sich hat

Dario Fossi trainierte zuletzt noch den VfL Oldenburg. Nun steht er beim Stadtrivalen VfB an der Seitenlinie.

Sebi Berens

Da die Fußball-Regionalliga Nord für die kommende Saison in zwei Staffeln geteilt wurde, halten sich die Fahrtwege für den SV Atlas Delmenhorst in der Vorrunde in Grenzen. Zweimal geht es ins benachbarte Bremen, einmal nach Oldenburg, einmal ein bisschen weiter in die Gemeinde Edewecht und einmal in den südlichen Landkreis Diepholz – das sind die kurzen Fahrten. Länger sind die Blau-Gelben in Richtung Hannover unterwegs. Hier sind zwei Gegner beheimatet, zwei weitere befinden sich nahe der Landeshauptstadt. Die längste Reise führt den SVA-Tross in die Autostadt Wolfsburg. Die Gegner im Überblick.

VfB Oldenburg

Vier Jahre lang trainierte Dario Fossi die Fußballer des VfL Oldenburg, 122 Spiele lang saß er auf der Bank dieses Vereins, in der Saison 2018/19 sogar in der Regionalliga Nord. Nun steht er beim Stadtrivalen VfB Oldenburg in der Verantwortung. Er weiß um die Bedeutung seines neuen Arbeitgebers. „Da ist eine Riesen-Erwartungshaltung“, sagt Dario Fossi. Obwohl er Geduld einfordert, ist ihm klar, dass die Abstiegsrunde im kommenden Jahr keine Option ist. Der VfB, Achter der vergangenen Saison, will in seiner Staffel unter die ersten fünf kommen. Das würde zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde berechtigen. Dabei kann er auf einige Stammkräfte der vergangenen Saison setzen.

SSV Jeddeloh

Seit Ende des vergangenen Jahres trainiert ein bekannter Name den Dorfklub aus der Gemeinde Edewecht. Oliver Reck, früherer Bundesliga-Torhüter von Werder Bremen und Schalke 04, steht in Jeddeloh an der Seitenlinie. Für den Ex-Klub von Atlas-Coach Key Riebau geht es in der kommenden Saison erst mal um den Klassenerhalt. Nach einer starken Aufstiegssaison, die der SSV auf dem siebten Rang beendete, ging es runter auf den zwölften Platz, und zuletzt kämpfte man gegen den Abstieg. „Man muss nur die letzten Jahre betrachten“, sagt Reck über das Saisonziel. Um es zu erreichen, müsse er schon „das Optimale herauskitzeln“.

FC Oberneuland

Als Aufsteiger aus der Bremen-Liga startet der FCO automatisch als krasser Außenseiter in die Saison. Natürlich geht es nur um den Klassenerhalt. „Wir werden wie das gallische Dorf kämpfen und versuchen, uns zu behaupten“, sagt Trainer Kristian Arambasic. Der Verein habe sich den Traum vom Aufstieg nach drei Jahren erfüllt. Er sei 2017 in Oberneuland mit dem klaren Ziel angetreten, die Mannschaft spätestens im Sommer 2020 in die vierthöchste Spielklasse in Deutschland zu bringen. Das hat nun geklappt.

SV Werder Bremen II

Wie alle Reserven der Profiklubs zählt auch die U23 der Grün-Weißen zu den Schwergewichten in der Südstaffel. Die vergangene Saison beendete das Team von Trainer Konrad Fünfstück auf dem sechsten Platz. Die Spielzeit 2018/19 schlossen die Bremer sogar auf Rang drei ab. Im Kader stehen regelmäßig Talente, die nah dran an der Bundesliga sind. Da aus der eigenen U19 gleich eine gesamte Mannschaft hochgezogen wurde, wird Werders Zweite auch in der neuen Saison zu den ganz jungen Teams zählen. Die Regionalliga bezeichnet Nachwuchsdirektor Björn Schierenbeck deshalb schon wegen der Altersstruktur der Elf als „die richtige Spielklasse“.

VfV Borussia Hildesheim

Als Meister der abgebrochenen Saison in der Oberliga Niedersachsen sind die Hildesheimer aufgestiegen. Unbekannt in der Regionalliga Nord ist der VfV nicht: Zwischen 2015 und 2018 gehörte das Team der vierten Liga an. „Wir sind infrastrukturell auf der Höhe“, sagt Trainer Benjamin Duda, seit 2019 auf der Bank des VfV. Seine Mannschaft ist erprobt. „Wir hatten oft neun Spieler in der Startelf, die insgesamt über 700 Spiele in der Regionalliga absolviert haben“, sagt der VfV-Trainer zur Elf des vergangenen Jahres. Angesichts der vorhandenen Erfahrung blieben 17 Spieler des letztjährigen Kaders. Die sechs, sieben Neuzugänge dienten Duda vor allem dazu, die „Konkurrenzfähigkeit zu steigern“. Es ist deshalb kein Wunder, dass der Trainer seiner Elf die „Regionalliga-Tauglichkeit“ attestiert. Am Saisonziel ändert diese Feststellung indes nichts. „Als Aufsteiger geht kein Weg am Klassenerhalt vorbei“, sagt Benjamin Duda.

HSC Hannover

Von der Euphorie lebte vor rund einem Jahr der HSC Hannover, Aufsteiger der vorherigen Spielzeit. Besonders lang hielt diese angesichts der sich mehrenden Misserfolge aber nicht an. Nach ordentlichem Start war der HSC bereits am vierten Spieltag auf einen Abstiegsrang abgerutscht – und sollte diesen bis zum vorzeitigen Saisonende im März nicht mehr verlassen. Als 18. wurden die Hannoveraner schließlich gelistet. Sie mussten also nur deshalb nicht zurück in die Oberliga, weil nach dem Abbruch auf Absteiger verzichtet wurde. Nun folgte im Team ein personeller Umbruch. Es kommt also viel Arbeit zu auf Martin Polomka, seit 2017 auf der Trainerbank des HSC.

Hannover 96 II

Auch Christoph Dabrowski hat sich einiges vorgenommen. Der Trainer von Hannover 96 II möchte besser abschneiden als in der abgebrochenen Spielzeit, die auf Rang zwölf endete. Das ist okay, geht es doch auch bei 96 II zunächst um die Entwicklung der Talente. Aber natürlich wäre es für den eigenen Geschmack schon schön, könnte auch 96 II mal oben mitmischen. Das gelang dem Team bisher nur selten: In den acht Jahren der 2012 eingeführten Regionalliga Nord belegte das Team lediglich dreimal einen einstelligen Tabellenplatz.

TSV Havelse

Vor einem großen Spiel gleich zu Saisonbeginn steht der TSV Havelse: Er trifft am 12. September im DFB-Pokal auf den Bundesligisten FSV Mainz 05. Möglich wurde diese Partie durch einen 4:1-Erfolg über den Ligakonkurrenten BSV Rehden im Finale des niedersächsischen Pokals. Vorausgesetzt, dass das lukrative Duell mit dem Erstligisten nicht zu viel Konzentration kostet, ist mit dem TSV Havelse wohl auch in der Liga zu rechnen. Aber das ist nicht neu. Das Team um den frisch gebackenen Fußballlehrer Jan Zimmermann zählt eigentlich immer zu den Kandidaten auf eine gute Platzierung. Zwar schloss der TSV die jüngste Saison nur auf dem elften Rang ab. Zuvor waren den Garbsenern aber einige Platzierungen in der erweiterten Spitzengruppe gelungen. Insofern gilt der TSV auch in dieser Spielzeit als Anwärter auf einen Platz unter den ersten fünf der Staffel Süd.

BSV Rehden

Gleich acht Spieler haben den BSV verlassen, darunter einige Leistungsträger. Auch Rechtsverteidiger Marco Kaffenberger macht einige „schwere Abgänge“ aus. Aber der BSV habe auf der anderen Seite eben auch eine Menge Qualität hinzugewonnen. Etwa Kamer Krasniqi, der im Januar zum Drittligisten Sonnenhof Großaspach gewechselt war und nun wieder das Rehdener Trikot tragen wird. Für den BSV könne es deshalb nur ein Ziel geben: „Wir wollen in die Meisterrunde.“ Das wird nicht leicht angesichts einiger ambitionierter Konkurrenten. „Die Liga wird echt interessant“, findet Marco Kaffenberger.

VfL Wolfsburg II

Während allein elf Spieler aus der eigenen U19 aufstiegen, ließen die Wolfsburger einige arrivierte Kicker ziehen. „Und jetzt kommen Jungs, die erst einmal im Männerbereich ankommen müssen“, sagt Pablo Thiam, Sportlicher Leiter des VfL II. An der sportlichen Zielsetzung werde sich deshalb nichts ändern. Es sei in den vergangenen Jahren nicht vorrangig um den Titel gegangen, und auch in der kommenden Saison werde die Meisterschaft nicht zwingend angepeilt. „Wir wollen mitspielen, aber ich habe uns noch nie zu einem der Favoriten erklärt“, sagt Thiam. Ein echter Aufstiegsfavorit ist in diesem Jahr gar nicht so leicht auszumachen. Allenfalls Weiche Flensburg, Dritter des Vorjahres, scheint mit den nötigen Ambitionen versehen. Nach den Flensburgern kommen aber auch schon die Nachwuchsteams, allen voran die zuletzt erfolgreichen Wolfsburger.

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