Fußball-Regionalliga

Beim SV Atlas macht sich Ernüchterung breit

Der SV Atlas Delmenhorst hat eine Woche zum Vergessen erlebt. Innerhalb von acht Tagen verloren die Blau-Gelben gegen drei direkte Konkurrenten.
11.10.2020, 20:34
Lesedauer: 3 Min
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Beim SV Atlas macht sich Ernüchterung breit
Von Michael Kerzel
Beim SV Atlas macht sich Ernüchterung breit

Nach einem Foul an Ebrima Jobe gerieten Jan-Niklas Wiese und Oberneuland-Trainer Kristian Arambasic aneinander.

Sven Peter (Hansepixx)

Etwas konsterniert wirkte Key Riebau direkt nach dem Abpfiff. Der Trainer des SV Atlas Delmenhorst suchte nach den richtigen Worten nach der dritten Pleite innerhalb von acht Tagen in der Fußball-Regionalliga. „Es ist schwer so direkt nach Abpfiff“, sagte er nach der 0:1-Niederlage beim FC Oberneuland (Spielbericht siehe Sportteil, Seite 23). Die Delmenhorster holten damit keinen einzigen Punkt aus der äußerst wichtigen englischen Woche und stehen somit nach sieben Begegnungen sieglos auf dem letzten Platz.

Die drei Niederlagen sind umso schmerzlicher, da sie allesamt gegen Teams aus dem Tabellenkeller passierten, die voraussichtlich zusammen mit dem SV Atlas in der Abstiegsrunde antreten werden. In dieser machen die sechs Mannschaften auf den Plätzen sechs bis elf aus den beiden Staffeln der Regionalliga – also insgesamt zwölf Teams – fünf Absteiger unter sich aus. Die Punkte aus den direkten Duellen der Qualifikationsrunde werden dafür mitgenommen. Auf den Rängen acht, neun und zehn der Südstaffel stehen der FC Oberneuland, VfV 06 Hildesheim und HSC Hannover. Alle drei haben nun in einer Woche drei Punkte gegen Atlas geholt. In der Hinrunde hat der SVA noch drei Chancen auf einen Sieg: Die Gegner VfB Oldenburg, SSV Jeddeloh und VfL Wolfsburg U23 stehen allesamt im Mittelfeld, genauer gesagt auf den Plätzen fünf bis sieben.

Riebau hat nun vor allem die Aufgabe, seine Spieler aufzubauen. Ihnen ist die Lockerheit und Spielfreude abhandengekommen, was nach zwei Punkten aus sieben Spielen wenig verwunderlich ist. „Man hat heute gemerkt, wie verunsichert die Mannschaft ist. Die Spieler haben sich nicht viel zugetraut. Das Selbstvertrauen ist unten, da ist alles einen Tick schwieriger“, erklärte Riebau. Die Spieler hätten Probleme, die richtigen Räume zu sehen und zu bespielen.

Gegen Oberneuland versuchte Riebau es mit einer Systemumstellung, setzte auf ein 4:4:2 mit zwei Sechsern. In der Innenverteidigung feierte Jan-Niklas Wiese neben Kostadin Velkov sein Regionalliga-Debüt, da Karlis Plendiskis (verletzt) und Flodyn Baloki (gesperrt) fehlten. Auf der rechten Seite übernahm Oliver Rauh den Rechtsverteidiger-Job hinter Philipp Eggersglüß, links bildeten Julian Harings und Marco Stefandl ein Duo. Auf der Doppelsechs agierte Marek Janssen neben Nick Köster, im Sturm spielten Dimitrios Ferfelis und Tom Schmidt.

Atlas versuchte, sich überwiegend flach durch das Mittelfeld zu kombinieren, kam in den ersten 45 Minuten jedoch kaum bis zum Strafraum durch. Oft war der Abstand zwischen Sturmreihe und Mittelfeldzentrale zu groß, sodass die Anspielstationen im Vorwärtsgang fehlten und es im Endeffekt dann doch regelmäßig der lange Ball wurde, den die stabile FCO-Defensive souverän verteidigte. Im zweiten Durchgang entwickelte Atlas nach dem 0:1 mit dem Rücken zur Wand Druck und erarbeitete sich auch Chancen. An Einsatz mangelte es keineswegs.

Dass die Verunsicherung bei Atlas groß war, merkte man dem Spiel an: Maximal mittelschwere Pässe gerieten regelmäßig zu weit, der Ball versprang bei der Annahme. Bezeichnend waren drei verpuffte Chancen Mitte der zweiten Halbzeit, die exemplarisch für das mangelnde Selbstvertrauen stehen. Nummer eins: Stefandl steckte auf Samuel Adeniran durch, der halblinks frei stehend im Strafraum keinen Druck vom Gegenspieler hatte. Doch statt überlegt ins Eck zu schieben, setzte der Stürmer auf rohe Gewalt und jagte das Leder mehrere Meter über das Tor (68.). Nummer zwei: Adeniran zögerte zweimal mit der Schusschance aus gut 16 Metern, bevor er rechts auf Eggersglüß rauslegte, dessen Flanke über den Spann rutschte und hoch ins Toraus flog (83.). Nummer drei: Luca Liske eroberte den Ball und schickte Ferfelis auf außen. Dessen Hereingabe ging aber flach genau in die Arme des Oberneuland-Keepers.

Lag es in diesen Situationen eher am Unvermögen beziehungsweise an der Unsicherheit, kam in weiteren Situationen Pech hinzu. So hätte Atlas nach einem Foul an Ferfelis wohl einen Elfmeter bekommen müssen (73.), und warum Oliver Rauh die Chance verwehrt wurde, das Leder aufs leere Tor zu schießen, nachdem sein Gegenspieler mit dem Schlussmann kollidiert war, wussten im Anschluss nicht mal die Oberneulander.

Atlas hätte also durchaus einen Punkt holen können und dieser wäre von den Spielanteilen und Chancen her auch verdient gewesen. Wie in mehreren Spielen zuvor schon. Die Auftritte sind nicht schlecht, mit Ausnahme des Havelse-Matches war Atlas immer mindestens auf Augenhöhe. Es hapert vor allem im Angriff. Fünf Tore in sieben Spielen trotz jeder Menge Chancen sprechen da eine deutliche Sprache. Auf der Gegenseite lässt Atlas nicht mal viele Chancen zu, doch die Gelegenheiten der Gegner sind in der Regel riesengroße. Gegen Oberneuland stand Ebrima Jobe dreimal alleine vor Florian Urbainski, viel mehr Chancen hatte der FCO nicht. Auch in den Spielen zuvor machte es Atlas den Kontrahenten oft sehr einfach, attackierte entweder kaum bis gar nicht (Rehden, Havelse, Hildesheim) oder zu ungestüm (Elfmeter gegen HSC Hannover).

Key Riebau muss nun die richtigen Mittel und Worte finden, um seine Mannen wieder aufzubauen. Ein Sieg, egal wie, würde vermutlich Wunder wirken, doch aus Zufall kommt dieser natürlich nicht zustande.

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