Fußball-Regionalliga

Belohnen für den großen Aufwand

In vier Spielen teilte der SV Atlas zweimal die Punkte und verlor zweimal – allerdings überwiegend gegen Konkurrenten, die gute Chancen auf die Aufstiegsrunde haben. Nun geht es gegen Mitaufsteiger Hildesheim.
01.10.2020, 19:17
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Belohnen für den großen Aufwand
Von Michael Kerzel
Belohnen für den großen Aufwand

Malte Seemann erwischte in der vergangenen Saison beim 2:1-Heimsieg des SV Atlas Delmenhorst gegen den VFV 06 Hildesheim einen Sahnetag und hatte großen Anteil am Sieg. Ob er oder Florian Urbainski, der bislang in allen vier Partien das Tor hütete, im Kasten steht, ist noch nicht klar.

INGO MöLLERS

Der SV Atlas Delmenhorst hat die raue Luft der Fußball-Regionalliga im ersten Monat gespürt: Gegen die U23 von Hannover 96 waren die Blau-Gelben über weite Strecken die bessere Mannschaft, nutzten ihre Chance jedoch nicht und verloren dann durch individuelle Fehler mit 1:2. Einem guten 0:0 gegen Werder Bremens U23 folgte eine 1:6-Klatsche gegen den TSV Havelse. Diese drei Teams liegen nach Punkten pro Spiel allerdings auch auf den Rängen eins, zwei und vier und streben der Aufstiegsrunde entgegen, für die sich die Top fünf qualifizieren. In der vierten Partie teilte Atlas die Punkte mit dem ebenfalls sieglosen BSV Rehden, hatte beim 1:1 jedoch ein klares Chancenplus. Als langjähriger Regionalligist sieht sich der BSV eher in der oberen Hälfte der Elferstaffel. „Wir wollen uns jetzt für unseren Aufwand belohnen. Havelse mal ausgeklammert, haben wir in allen Spielen gezeigt, dass wir dagegen halten können und nicht nur gleichwertig waren, sondern sogar ein Chancenplus hatten. Jetzt wollen wir die knappen Spiele aber auch gewinnen“, erzählt Coach Key Riebau.

Innerhalb von acht Tagen folgen nun drei Partien gegen den Mitaufsteiger aus der Oberliga Niedersachsen VfV 06 Hildesheim (Sonntag, 15 Uhr, in Hildesheim), den letztjährigen Regionalliga-Letzten HSC Hannover, der nur nicht abstieg, weil es aufgrund des Corona-Abbruchs keine Absteiger gab, und den Aufsteiger aus der Bremenliga FC Oberneuland. Das sind die Gegner, gegen die Atlas punkten muss, um nicht in den Tabellenkeller und damit in den Abstiegskampf zu rutschen. Riebau sagte bereits nach dem Rehden-Spiel, dass es keine stärkeren oder schwächeren Gegner in der Regionalliga gibt und verneinte daher auch, dass nun die Wochen der Wahrheit folgen – dennoch weiß er, dass Atlas in den kommenden Partien die ersten Siege einfahren sollte. „Natürlich ist es umso wichtiger, dass wir gegen die Mannschaften, die wohl in ähnlichen Tabellengefilden stehen werden wie wir, Punkte holen“, sagt Riebau.

Verletzte haben die Blau-Gelben derzeit bis auf die Langzeitausfälle von Thade Hein und Emiljano Mjeshtri keine zu beklagen, so kann Riebau aus dem Vollen schöpfen. „Es ist ein Hauen und Stechen um die Kaderplätze. Es ist schön für mich, dass ich die Auswahl habe, aber dadurch wird es auch harte Entscheidungen geben“, berichtet Riebau. In den ersten drei Partien setzte er ebenso wie in der Vorbereitung auf eine Dreierkette mit Karlis Plendiskis, Kostadin Velkov und Flodyn Baloki, gegen Havelse nahm er jedoch den körperlich noch nicht bei 100 Prozent stehenden Velokov beim Stand von 1:4 bereits vor der Pause vom Feld und stellte auf Viererkette um, mit der die Delmestädter im nächsten Spiel gegen Rehden bis auf die ersten Minuten gut funktionierten.

Im Mittelfeld drängt Musa Karli ins Team, der wieder fit ist und derzeit bei 99 Regionalligaspielen steht. Die Konkurrenz in der Zentrale ist mit Abräumer Nick Köster sowie dem Strategen Florian Stütz groß. Offensiv kann hier wie zuletzt gegen Rehden Tom Schmidt spielen, Oliver Schindler überzeugte nach seiner Einwechselung, Marek Janssen bringt viel Wucht und Torgefahr mit. Im Sturm gesetzt sein dürften Dimitrios Ferfelis und Samuel Adeniran, die bislang gut spielten, jeweils einmal trafen, aber jeweils auch viele Chancen vergaben. Zudem hat Atlas mit Marco Stefandl einen vielseitig einsetzbaren Hochkaräter im Kader, der als Stammspieler eingeplant ist.

Hildesheim startete insgesamt durchaus überzeugend: Zwar unterlag der Aufsteiger sowohl den Talenten Werder Bremens (0:2) als auch denen des VfL Wolfsburg (0:3), doch besiegte er Hannovers U23 mit 1:0 und holte beim SSV Jeddeloh einen Punkt. Wie auch bei Atlas hapert es beim VfV – wie so oft bei Aufsteigern – am Toreschießen: Während Atlas auf drei Treffer in vier Partien kommt, netzten die Hildesheimer erst zweimal. Auch wenn die Kader sich verändert haben, treffen hier dennoch zwei Teams aufeinander, die in der vergangenen Oberligasaison sehr treffsicher waren: Der VfV erzielte 57 Tore in 21 Spielen, Atlas beendete die Spielzeit mit 51 Treffern in 23 Auftritten. „Wir wollen genauso wie Hildesheim gewinnen. Ich erwarte ein hochspannendes, intensives Spiel. Einen Schönheitspreis gibt es nicht zu gewinnen, sondern drei Punkte. Wir setzen uns schon unter Druck, dass wir gerne gewinnen wollen, aber wir wissen auch, wie schwer die Aufgabe wird“, blickt Riebau voraus.

Hildesheim verfügt laut Riebau über viele Stärken: „Was sie richtig gut machen, ist, auf engem Raum mit viel Personal in Ballnähe zu sein und so Druck zu entfachen. Sie sind sehr kompakt und haben dazu ein spielstarkes Zentrum und Speed im Sturm.“ Zudem sei das Umfeld des Vereins sehr gut aufgestellt. „Benjamin Duda macht als Trainer einen unheimlich guten Job. Seine Jungs sind immer gut eingestellt, sie haben die Spielidee verinnerlicht. Weil viele neue Leute im Vergleich zur vergangenen Saison auf beiden Seiten dabei sind, wird es aber ein grundlegend anderes Spiel, auch wenn die grundsätzliche Spielidee in Hildesheim eine ähnliche sein wird“, erwartet Riebau.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+