Fußball-Regionalliga Vereine stimmen für Saisonabbruch

Bei einer Videokonferenz hat sich die große Mehrheit der Klubs für einen Abbruch der Spielzeit 2020/21 ausgesprochen. Absteiger soll es nicht geben. Damit ist der SV Atlas Delmenhorst so gut wie gerettet.
09.04.2021, 12:00
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Vereine stimmen für Saisonabbruch
Von Justus Seebade

Der Termin war wichtig. Für Manfred Engelbart zu wichtig, um ihn zu verpassen. „Es ging letztlich um alles oder nichts“, sagt der Präsident des SV Atlas Delmenhorst mit Blick auf die Videokonferenz, die der Spielausschuss des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) gemeinsam mit den Vertretern der 22 Regionalliga-Vereine veranstaltete. Also schaltete Manfred Engelbart sich zu. Bastian Fuhrken, Sportlicher Leiter der Blau-Gelben, war ohnehin dabei. Es galt, elementare Fragen zu klären, die für die unmittelbare Zukunft des SV Atlas von entscheidender Bedeutung waren. Schließlich stand im Fokus des virtuellen Austausches, wie es mit der seit vergangenem November unterbrochenen Saison 2020/21 weitergehen soll – beziehungsweise ob die Spielzeit überhaupt fortgesetzt wird.

Das Ergebnis hätte für die Delmenhorster kaum positiver sein können. Die große Mehrheit der Klubs sprach sich für einen Abbruch der Spielzeit aus. „Nach ausgiebiger Diskussion unter Einbeziehung aller Optionen“, wie der NFV mitteilte. Das Meinungsbild der Vereine wird nun zeitnah im NFV-Spielausschuss diskutiert. Dieser gibt anschließend eine Empfehlung an das Verbandspräsidium weiter, welches die endgültige Entscheidung trifft.

Entscheidend für Atlas ist, dass es dem Wunsch der Vereine nach keine Absteiger geben soll. Damit hätte der Aufsteiger, der mit zwei Punkten aus sieben Partien den letzten Platz in der Südstaffel belegt, den Klassenerhalt sicher. Demnach würden auch keine Teams aus den Oberligen den Gang nach oben antreten. Der Verband hatte eigentlich andere Vorstellungen, wollte die Saison doch noch fortsetzen. NFV-Präsident Günter Distelrath war dafür sogar aktiv auf die Regierungen der vier an der Regionalliga beteiligten Bundesländer – Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein – zugegangen, um eine Sondergenehmigung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu erwirken. Der Verband wollte nach Möglichkeit sportliche Entscheidungen und auf jeden Fall Absteiger ermitteln. Nach der Videokonferenz kann der NFV seine Pläne nun im Grunde verwerfen.

Beim SV Atlas hat das Ergebnis für kollektives Aufatmen gesorgt. „Uns ist ein Felsbrocken vom Herzen gefallen, nicht nur ein Stein“, verdeutlicht Manfred Engelbart, wie wichtig das Votum der Vereine für den SVA ist. Die Vernunft habe sich durchgesetzt. Würden anhand der Quotientenregelung die ursprünglich vom Verband anvisierten Absteiger ermittelt, müsste sich der Neuling direkt wieder in die Oberliga verabschieden. Das wäre für die Blau-Gelben nicht zuletzt deshalb besonders bitter, da sie mit sieben Partien die wenigsten der gesamten Südstaffel absolviert haben. „Wenn es um Leistung, Fairness und Respekt geht, kann man nicht nach sieben Spielen jemanden nach Hause schicken“, macht Engelbart seinen Standpunkt klar.

Die anderen Vereine hätten diese Sichtweise bestätigt. So fiel die Abstimmung deutlich aus. Laut des Atlas-Vorsitzenden votierten 18 Klubs für einen Abbruch und vier dagegen. Dafür, dass keine Mannschaft absteigt, hätten sich dann sogar 21 Vereine ausgesprochen. Engelbart freut sich in diesem Zusammenhang über eine „hohe Solidarität“. Bei einer Beendigung der Saison hätten für die Delmestädter inklusive des Pokalspiels gegen den SV Meppen noch satte 14 Partien auf dem Programm gestanden – und das in sechs Wochen. Da habe sich sogar die U23 des VfL Wolfsburg zu Wort gemeldet und erklärt, dass sie das selbst als Profimannschaft nicht schaffen würde, berichtet Engelbart.

Für das Projekt Regionalliga wurde in Delmenhorst ordentlich Geld in die Hand genommen. Politik und Verwaltung hatten rund 350.000 Euro bereitgestellt, um das Stadion an der Düsternortstraße tauglich zu machen. Der Verein investierte laut Engelbart zudem rund 150.000 Euro in den Kader. Das alles nach sieben Spielen „in die Tonne“ werfen zu müssen, wäre „nicht redlich“ gewesen, meint der Atlas-Präsident.

Die Ligapartien kommen nun aller Voraussicht nach nicht mehr auf das Team von Trainer Key Riebau zu, das Pokalspiel gegen Meppen steht jedoch nach wie vor auf dem Plan. Einen fixen Termin hierfür gibt es allerdings noch nicht. Um vor dem Duell mit dem Drittligisten Matchpraxis zu sammeln, will Atlas ein paar Freundschaftsspiele bestreiten. „Das muss ich jetzt mit der Stadt regeln“, erklärt Engelbart, der schon mal davon ausgeht, dass diese Begegnungen „sicherlich ohne Zuschauer“ ausgetragen werden.

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