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SV Atlas Delmenhorst steigt in die Regionalliga auf

Der Niedersächsische Fußballverband hat die Saison 2019/2020 auf einem virtuellen Verbandstag offiziell abgebrochen. Es gibt Auf-, aber keine Absteiger. Damit steigt der SV Atlas in die Regionalliga auf.
27.06.2020, 13:14
Lesedauer: 4 Min
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SV Atlas Delmenhorst steigt in die Regionalliga auf
Von Maurice Reding
SV Atlas Delmenhorst steigt in die Regionalliga auf

Jubel bei Fans und Spielern: Der SV Atlas Delmenhorst ist wieder viertklassig und tritt künftig in der Regionalliga Nord an.

INGO MÖLLERS

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat die Saison 2019/2020 nun auch offiziell beendet. Auf einem virtuell ausgetragenen ordentlichen Verbandstag, der bereits nach 82 Minuten beendet war, stimmten die 324 stimmberechtigten Delegierten mit deutlicher Mehrheit für einen Abbruch der Saison. Von 291 abgegebenen Stimmen entfielen 265 (91,1 Prozent) auf den Antrag, den der NFV-Verbandsvorstand zum außerordentlichen Verbandstag eingereicht hatte, heißt es in einer Pressemitteilung. Drei Delegierte enthielten sich, 23 stimmten dagegen. Der NFV-Antrag sieht einen Saisonabbruch nach Quotientenregelung mit Auf- (Regelaufsteiger und Relegationsplatz), aber ohne Abstieg vor. Gewertet werden die Tabellenstände vom 12. März 2020 – dem Tag, als die Saison 2019/20 vom NFV-Verbandsvorstand zunächst bis zum 23. März, dann bis zum 19. April und schließlich bis auf Weiteres unterbrochen wurde.

Damit steigt der SV Atlas Delmenhorst endgültig in die Regionalliga auf. Die Freude bei den Blau-Gelben ist riesig. „Acht Jahre harte Arbeit zahlen sich aus. Ein unglaublicher Traum wird wahr“, drückt der Sportliche Leiter Bastian Fuhrken die Gefühlslage aller Beteiligten am besten aus. Auch Kapitän Nick Köster freute sich riesig: „Super, dass es geklappt hat, wir wollten es nehmen wie es kommt und hätten ansonsten in der nächsten Saison voll angegriffen. Jetzt freuen wir uns auf tolle Derbys. Ich finde eine geteilte Regionalliga sehr reizvoll. Man brennt darauf, unter anderem gegen meine Ex-Vereine VfB Oldenburg und Jeddeloh zu spielen. Nur schade, dass Kickers Emden nicht mit hochgeht. Gegen die spiele ich immer am liebsten.“

Trainer Key Riebau, der gleich in seiner ersten Saison die Blau-Gelben auf den zweiten Tabellenplatz in der Oberliga Niedersachsen führte, freut sich ebenfalls auf das Abenteuer Regionalliga. „Letztendlich waren wir uns ja schon sicher, dass es so kommen wird. Trotzdem ist das erste Gefühl nach der offiziellen Bestätigung ein sehr geiles. Ich freue mich unheimlich für die Truppe und deren überragenden Leistungen, für die Verantwortlichen um den Verein und unsere Fans. Heute wird den Regeln entsprechend gefeiert und die Jungs dürfen auf das Erreichte wirklich stolz sein. Endlich ist der Hammer drauf. Das Einzige, was noch geiler wäre, wäre der Aufstieg vor den Fans in den Relegationsspielen“, sagte der SVA-Coach. Präsident Manfred Engelbart drückte es kurz und knapp aus: „Wir sind angekommen.“

Zum 51. Mal seit der Geburtsstunde des Niedersächsischen Fußballverbandes am 16. August 1946 waren die Delegierten gefordert, eine wichtige Weichenstellung für den Fußball in Niedersachsen vorzunehmen. Nach zuvor 45 ordentlichen und fünf außerordentlichen Hauptversammlungen zwang die Corona-Pandemie den NFV jetzt dazu, auf einem außerordentlichen Verbandstag mit seinen Delegierten über einen Umgang mit der unterbrochenen Spielzeit zu entscheiden. Die Premiere: Erstmals versammelte sich der Verbandstag im virtuellen Raum.

NFV-Präsident Günter Distelrath stellte in seiner Begrüßung noch einmal heraus, „dass wir in einer noch nie dagewesenen Ausnahmesituation alle gemeinsam überlegen mussten, wie wir zu belastbaren und nach Möglichkeit nicht angreifbaren Ergebnissen im Umgang mit der Saison 2019/20 kommen, die den Vereinen zugleich eine gewisse Planungssicherheit bietet. Und dies vor dem Hintergrund, dass natürlich die politischen und behördlichen Anordnungen jederzeit zu beachten sind.“ Dass es keine allumfassende Patenlösung gebe, die alle Vereine jubeln lässt, sei allen klar gewesen, sagte Distelrath. Die zurückliegende Zeit bezeichnete er als „einen Weg, der mit unzähligen Herausforderungen gepflastert war und allen, die sich im und für den Fußball engagieren, viel abverlangt hat.“

Als abschließender Antrag wurde über einen Ermächtigungsantrag abgestimmt, der vom NFV-Vorstand eingereicht worden war und für dessen Annahme eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich war. Gemäß Antrag wird der NFV-Vorstand ermächtigt, erforderliche Änderungen der Satzung und Ordnung im Zusammenhang mit oder aus Anlass der Covid-19-Pandemie soweit erforderlich endgültig zu beschließen. Der grundsätzlich bestehende Genehmigungsvorbehalt durch den Verbandstag entfällt in diesem Zusammenhang und in diesem Zeitraum. 248 Delegierte und somit 85,5 Prozent befürworteten diesen Antrag bei 24 Enthaltungen und 18 Gegenstimmen. Der Antrag des MTV Treubund Lüneburg, wonach auch der Tabellenerste der Hinrunde aufsteigen sollte, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Nach der nunmehr erzielten Klarheit zur Saison 2019/20 richtet sich der Blick nach vorne. Die Frage aller Fragen, wann wieder unter normalen Bedingungen Fußball gespielt werden kann, konnte beim außerordentlichen Verbandstag noch niemand beantworten. Günter Distelrath verbreitete verhaltenen Optimismus: „Ich bin wirklich guten Mutes, dass die Monate der Ungewissheit bald enden werden und wir Fußball nicht nur im Training, sondern auch wieder unter Wettkampfbedingungen spielen können.“ Zudem sprach er sich für eine neue Bewertung der Situation aus: „Im Interesse des Gesundheitsschutzes war es zur Hochphase der Pandemie absolut richtig, den Trainings- und Spielbetrieb zu untersagen. Vor dem Hintergrund sinkender Infektionszahlen und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sollte die Situation aber jetzt für den Amateur- und Jugendfußball sowie den Breitensport insgesamt neuerlich geprüft werden.“

In diesem Zusammenhang verwies der NFV-Präsident auf Studien aus den Niederlanden und der Schweiz, die belegen, dass beim Fußballspielen im Freien eine Übertragung des Coronavirus relativ unwahrscheinlich sei. Unterfüttert würden diese Aussagen durch Erhebungen zur Kontakthäufigkeit bei einem Fußballspiel unter freiem Himmel. Distelrath: „Untersuchungen weisen darauf hin, dass Fußball, anders als Boxen oder Ringen zum Beispiel, keine Kontaktsportart im Sinne langanhaltender, statischer Ganzkörperkontakte mit hohem Infektionsrisiko ist. Vielmehr ist Fußball eine Sportart mit Kontakt über wenige Sekunden mit geringer Kontaktfläche. Vor diesem Hintergrund scheint es vertretbar, die Einschränkungen des Fußballspielens im Freien komplett aufzuheben.“

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