Fußball „Tuma“ kämpft ums Comeback

Thomas Mutlu hat nach seiner erfolgreichen Zeit beim SV Atlas Delmenhorst ein Seuchenjahr erlebt. Negativer Höhepunkt: Er zog sich Anfang September einen Kreuzbandriss zu.
12.11.2020, 12:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson

Delmenhorst. Am 6. September lief auf dem Fußballplatz an der Lerchenstraße die 44. Spielminute, als der ehemalige Atlas-Kicker und heutige Spieler des SV Tur Abdin Delmenhorst gegen den SV Baris durch ein rüdes Foulspiel von Dennis Kuhn schwer verletzt wurde. Bei diesem heftigen Zusammenprall zog sich der 30-Jährige einen Kreuzbandriss zu. „Im Knie war eigentlich alles kaputt. Mir ist das Gelenk raus- und kurz danach wieder reingesprungen“, erinnert sich Mutlu an die bittere Szene. Nun muss er jeden Tag den Gang in die Reha antreten. „Dafür musst du dich schon motivieren können“, sagt der Delmenhorster, der täglich ein bis zu zweistündiges Krafttraining absolviert. Dieser Zusammenprall, wofür sich Kuhn persönlich entschuldigt hatte, war für Mutlu der negative Höhepunkt eines schwierigen Jahres – es war das erste nach seiner erfolgreichen Zeit beim SV Atlas Delmenhorst. „Privat lief es ganz gut, aber fußballerisch habe ich mir die Zeit ein bisschen anders vorgestellt“, betont Mutlu und führt fort: „Ich habe den Fokus allerdings auch nicht zu 100 Prozent auf den Fußball gelegt, weil ich privat viel um die Ohren hatte.“

Nach so einem bescheidenen Jahr ist es für ihn natürlich leichter, sich an die schönen Zeiten im Atlas-Trikot zu erinnern. Dabei denkt er insbesondere immer wieder an das NFV-Pokalfinale gegen den TuS Bersenbrück zurück: „Auf dieses Spiel waren wir alle enorm heiß, das waren pure Emotionen. Es ging um alles. Wir haben bis zur letzten Sekunde gefightet, jeder wollte unbedingt spielen. Ein Musa Karli hat zum Beispiel mit einem Bänderriss gespielt, das wusste damals ja gar keiner. Hätte ich da nicht gespielt, hätte ich etwas zusammengetreten“, betont Mutlu. Es sollte das letzte große Duell für ihn im Trikot der Blau-Gelben sein. Beim „Jahrhundert-Spiel“ gegen Werder Bremen setzte der damals neue Trainer Key Riebau nicht auf den 30-Jährigen. „Auch der Tag war schön, aber ich erinnere mich irgendwie kaum noch daran. Das Bersenbrück-Spiel hat mich emotional einfach mehr gepackt als das Werder-Spiel“, erinnert sich Mutlu.

Nach einer abgesessenen halbjährigen Spiel-Sperre wechselte "Tuma" (Spitzname, Anmerkung der Redaktion) zum Oberligisten TB Uphusen. „Die Zeit beim TBU war okay, aber menschlich hat es nicht gepasst“, verrät Mutlu, der vom damaligen Coach Fabrizio Muzzicato an den Arenkamp gelotst wurde. Bitter für Mutlu: Nur zwei Wochen später wurde Muzzicato entlassen. Es folgte Achim Hollerieth, zu dem Mutlu keinen guten Draht hatte, wie er selbst behauptet. „Ich habe beim TBU aber auch gute Leute kennengelernt, wie zum Beispiel Florian Warmer (sportlicher Leiter des TB Uphusen, Anmerkung d. Redaktion)", sagt Mutlu. Für die Arenkampkicker absolvierte er lediglich drei Spiele.

Von der Oberliga zog es Tuma schließlich zum SV Vorwärts Hülsen in die Bezirksliga Lüneburg. Dort traf er auf seinen Kumpel Sebastian Koltonowski, mit dem er 2018 gemeinsam beim SV Atlas auf dem Platz stand. Koltonowski und Trainer Jan Twietmeyer seien die Gründe für seinen Wechsel nach Hülsen gewesen. „Eigentlich wollte ich ein halbes Jahr lang pausieren, aber sie haben mich dann davon überzeugt, in dieser Zeit für Hülsen zu spielen. Dass ich den Verein danach wieder verlassen wollte, war klar abgesprochen“, berichtet Mutlu, der das Trikot des SVV aber nur ein einziges Mal in einem Freundschaftsspiel trug. „Danach kam Corona“, so der 30-Jährige.

Während der Pandemie-Phase im Frühjahr besuchte er seinen guten Freund Mustafa Azadzoy in Thailand, der dort für Trat FC in der ersten thailändischen Liga aktiv ist. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland buhlte Abdin-Spieler Daniel Karli um die Dienste von Mutlu. Die Bemühungen sollten schließlich Früchte zeigen. Tuma zog es sportlich wieder zurück nach Delmenhorst, wo er zum SV Tur Abdin wechselte. Nach dem Weggang von Trainer Andree Höttges musste Mutlu sich auch bei Abdin nach nur kurzer Zeit wieder auf einen neuen Übungsleiter einstellen. „Andree Höttges ist ein Trainer der alten Schule, der viel auf Kraft und Ausdauer setzt. Die Entlassung kam nicht überraschend, da gab es schon vorher Probleme. Die 0:4-Niederlage gegen Baris war zu heftig“, erzählt Mutlu, der sich nach der Reha auf den neuen Trainer Sven Apostel freuen kann. „Ihn kenne ich schon sehr lange und komme gut mit ihm klar“, meint Mutlu.

Im April oder Mai könnte Mutlu seine Fußballschuhe wieder schnüren, hofft der 30-Jährige. Aber auch ein baldiges Karriereende würde ihn nicht überraschen: „Das kommt noch nicht in Frage, aber vor allem nach so einer Verletzung überlegt man schon mal, ob es das noch wert ist“. Ein großes Ziel verfolge Mutlu aber dann doch noch: „Ich würde gerne noch einmal mit Musa Karli zusammenspielen.“

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