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Wirbel um Nutzung der Stadionhalle

Die HSG Delmenhorst kann wegen Gremiensitzungen und Sanierungsarbeiten länger nicht in ihre Heimstätte. Der Vorsitzende Jürgen Janßen macht der Verwaltung Vorwürfe, die aus dem Rathaus zurückgewiesen werden.
29.05.2020, 19:00
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Wirbel um Nutzung der Stadionhalle
Von Justus Seebade
Wirbel um Nutzung der Stadionhalle

Auch die Mitglieder des Sportausschusses trafen sich schon in der Stadionhalle, da dort der nötige Abstand gewährleistet werden kann. Auch in den kommenden Wochen soll die Halle von der Politik genutzt werden. Danach stehen Sanierungsarbeiten an. Die Handballer der HSG Delmenhorst können daher bis in den Herbst hinein nicht in ihrer Heimstätte trainieren.

Tammo Ernst

Jürgen Janßen wirkte erschüttert – und das hatte seine Gründe. Der Vorsitzende der HSG Delmenhorst bekam am Freitag von der Stadtverwaltung eine Nachricht mit brisantem Inhalt. Die Stadionhalle soll den Handballern demnach erst nach der Sanierung des Hallenbodens und der Trennwände wieder zur Verfügung stehen. Und das bedeutet: voraussichtlich nach den Herbstferien. Über den genauen Zeitpunkt werde noch informiert. Das geht aus einer E-Mail der Stadtverwaltung hervor, die dem DELMENHORSTER KURIER vorliegt. Bis zum Beginn der Arbeiten soll die Halle dem Plan der Verwaltung zufolge einen anderen Zweck haben. „Die Politik hat am gestrigen Abend den Wunsch geäußert, die Sporthalle Am Stadion weiterhin zu nutzen. Dieser Bitte wird entsprochen“, heißt es in der E-Mail. Bei Bedarf werde man den Sportlern „gerne weitere Außenflächen der Schulen zur Verfügung stellen“.

Das heißt, dass die HSG-Handballer monatelang nicht in ihrer heimischen Halle trainieren können. Daher wurde Jürgen Janßen in seiner Wortwahl auch sehr deutlich. „Es gab vorher keine Gespräche oder Erörterungen, auch nicht über die Renovierungsmaßnahmen. Solch ein Vorgehen ist nur damit zu begründen, dass man uns aus der Stadt treiben will. Ist das die Aufgabe der Politik und der Verwaltung?“, fragte sich der HSG-Vorsitzende. Man sei „total perplex“. Wenn der Plan der Verwaltung bestehen bleibe, müsse die HSG ihre 1. und 2. Herren sowie die A-Jugend abmelden, warnte Janßen. „Wenn wir die A-Jugend abmelden müssen, macht sich die Stadt lächerlich. Die Frage ist, ob da Leute sind, die was vom Sport verstehen“, wütete der Chef der Spielgemeinschaft.

Die A-Jugend der Delmenhorster wurde bekanntlich für die Relegation zur Bundesliga angemeldet, die laut Janßen nach aktuellem Stand im September/Oktober gespielt werden soll. Auch der Ligabetrieb solle nach den Herbstferien starten. „Ohne eine entsprechende Vorbereitung ist es unverantwortlich, in den Spielbetrieb zu gehen und die Gesundheit zu gefährden. Eine Vorbereitung in den Außenanlagen, wie vorgeschlagen, ist keine Alternative“, stellte Janßen klar.

„Fehlende Kommunikation“

Weshalb die Politik die Stadionhalle benötigt, erklärte die Ratsvorsitzende Gabi Baumgart (SPD & Partner) auf Nachfrage. Laut ihrer Aussage gibt es dort genügend Platz, um den in Corona-Zeiten nötigen Abstand zu halten. Darüber hinaus sei die Stadionhalle am besten geeignet, "um Zuschauern die Möglichkeit zu geben, den Sitzungen beizuwohnen". Und das sei Pflicht. Man habe auch viele andere Alternativen geprüft, etwa das Kleine Haus, das sei jedoch aus hygienischen Gründen nicht optimal. Auch die Johanniter hätten ihre Räumlichkeiten angeboten, doch hier seien die sanitären Anlagen das Problem gewesen. Die Nutzung anderer Sporthallen hätte laut Gabi Baumgart auch einen Haken gehabt: das Betreten des Bodens mit Schuhen. Diese Problematik bestehe in der Stadionhalle nicht, weil dort der Boden ohnehin saniert werden soll.

Gleichwohl zeigte die Ratsvorsitzende auch Verständnis für Jürgen Janßen. "Grundsätzlich kann ich den Ärger gut nachvollziehen", sagte Baumgart. Jedoch glaube sie, dass „Fehlende Kommunikation“ das Problem sei. Dagegen möchte sie nun etwas tun. "Ich werde versuchen, ob wir nächste Woche ein gemeinsames Gespräch hinbekommen, um mit dem Verein ein gemeinsames Vorgehen zu finden. Ich denke, da wird auch die Verwaltung ein Entgegenkommen zeigen."

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Für Jürgen Janßen ist eine Vorbereitung draußen "keine Alternative".

Foto: MÖLLERS

Mangelnde Kommunikation beklagte auch Jürgen Janßen. Er könne verstehen, dass die Politiker bei ihren Sitzungen den nötigen Abstand brauchen, und auch, dass es bis zu den Herbstferien dauert, bis der neue Hallenboden fertig ist. „Die Frage ist immer noch, warum man nicht vorher mit uns gesprochen hat“, sagte Janßen. Die Art und Weise des Vorgehens der Stadt sei „unmöglich“. Die HSG brauche „wenigstens Alternativen“.

Verwaltung weist Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe Janßens weist die Verwaltung derweil zurück. „Die Stadt ist mit allen Nutzern von Sporthallen im Dialog und sucht nach den bestmöglichen Lösungen. Das machen wir nach wie vor. Den Eindruck, der da erweckt worden ist, kann ich entkräften“, sagte Stadtsprecher Timo Frers. Dass der Hallenboden ausgetauscht werden müsse, sei lange bekannt. „Es war kommuniziert, dass es eine Baumaßnahme geben wird“, erklärte Frers. Den exakten Zeitpunkt „können wir erst dann nennen, wenn wir wissen, wann die Bautätigkeit beginnen kann. Das haben wir getan, nachdem wir Kenntnis darüber erlangt haben.“ Die Trainingsmöglichkeit auf Außenplätzen sei nun „ein Alternativangebot“ an die HSG Delmenhorst.

Im Endeffekt gehe es jetzt um die rund vier Wochen zwischen Pfingsten und dem Beginn der Baumaßnahme, und dieser sei am Anfang der Sommerferien. Für diesen Zeitraum hat die Verwaltung laut Frers „unter Abwägung aller Interessen“ entschieden, dass es wichtiger sei, in der Stadionhalle Gremiensitzungen unter Abstands- und Hygieneregeln abhalten zu können und stattdessen den Handballern eine Alternative zu bieten. Im Anschluss stehe die Halle nicht wegen Ratssitzungen nicht zur Verfügung, sondern wegen der Bauarbeiten. Das betonte Timo Frers nochmals.

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