Handball Gewiss und ungewiss zugleich

Die Saison 2020/21 ist vorzeitig beendet worden. Wie und wann es mit dem Handball weitergeht, steht in den Sternen. Für die Trainer und Spieler geht es erst mal darum, überhaupt wieder in die Halle zu kommen.
17.02.2021, 16:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Justus Seebade und Niklas Johannson

Nachdem sich der Handball-Verband Niedersachsen mit seiner Entscheidung lange Zeit gelassen hatte, wissen alle Beteiligten nun Bescheid. In der Saison 2020/21 wird es keinen Spielbetrieb mehr geben. So richtig begonnen hatte er im Herbst vergangenen Jahres ohnehin nur kurzzeitig – etwa in den Oberligen – und teilweise sogar noch gar nicht, beispielsweise in einigen Landesligen. Nun folgte der offizielle Abbruch der Spielzeit. Diesbezüglich herrscht für die Handballer also Klarheit, doch wie und wann es weitergeht, kann niemand vorhersagen. Die Situation ist also gewiss und ungewiss zugleich.

Mit dem vorzeitigen Saisonende hatte auch Jörg Rademacher gerechnet. „Es war die logische Schlussfolgerung, dass es so gekommen ist“, sagt der Trainer der Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst. In seinen Augen wäre die Zeit mittlerweile schlicht und ergreifend zu knapp gewesen. Selbst eine vierwöchige Vorbereitung hätte nicht ausgereicht, meint Rademacher. „Die Spieler haben fast vier Monate Pause gehabt“, gibt er zu bedenken. Angesichts dessen hätte man erst mal wieder in einen Rhythmus kommen und den Körper an die Belastung gewöhnen müssen, um keine Verletzungen zu riskieren. „Man hat eine gewisse Verantwortung“, meint der Coach auch mit Blick auf die Berufstätigkeit der Spieler. Daher wären für Rademacher sechs bis acht Wochen Vorbereitung nötig gewesen. Und diese Zeit hätte es bei Weitem nicht mehr gegeben.

So fällt die Spielzeit für die ambitionierte HSG nach einer starken Vorbereitung und lediglich einer einzigen Partie in der Oberliga (25:25 beim SV Beckdorf) praktisch komplett ins Wasser. „Es ist schade, dass man ein Jahr so verliert“, bedauert Rademacher. Aber natürlich könne keiner etwas dafür, niemand habe das vorhersehen können. Der Coach der Delmenhorster wünscht sich, dass er überhaupt erst mal wieder mit seinen Schützlingen in die Halle kann, um wenigstens zu trainieren. In Sachen Heimtraining sei bei den Spielern irgendwann „der Saft mal raus“, weiß Rademacher. „Das kann man auch total verstehen, dass sie mal was anderes machen wollen.“

Wieder zusammenkommen, sich gemeinsam bewegen, den Ball in die Hand nehmen – auf all diese Dinge fiebern der Trainer und seine Mannschaft hin. „Man freut sich natürlich darauf, dass es endlich mal wieder losgeht“, unterstreicht Rademacher.

Mit einer Prognose, wann das der Fall sein wird, tut er sich jedoch verständlicherweise schwer. „Vielleicht dürfen wir Ende März in die Halle, ich weiß es nicht. Wir müssen abwarten, mehr können wir gar nicht machen.“ Bis dahin seien auf jeden Fall schon wieder mehrere Wochen ins Land gegangen. „Die Zeit rennt ja mittlerweile. Es geht auch um den ganzen Nachwuchsbereich, die wollen ja auch mal wieder in die Halle“, betont Rademacher.

Mit der Rückkehr auf die Platte steht und fällt, wie die HSG ihren weiteren Fahrplan gestaltet. „Es hängt alles davon ab, wann wir loslegen dürfen. Danach kann man ein bisschen konkreter werden“, blickt Rademacher voraus. In jedem Fall wollen sich dann Trainerstab, Vereinsführung und Mannschaft gemeinsam beraten. Die Entscheidungen trifft niemand alleine.

Wie Rademacher kann auch Stefan Buß, Trainer der Landesliga-Männer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, die Entscheidung des Verbandes komplett nachvollziehen: „Wir können die Saison ja nicht innerhalb dreier Monate zu Ende spielen. Außerdem wäre die Verletzungsquote ohne eine vernünftige Vorbereitung zu hoch.“ Der Landesligist hat keine einzige Partie in dieser Spielzeit absolviert. „Ich glaube, wir haben seit über einem Dreivierteljahr kein Punktspiel mehr bestritten“, nimmt es Buß mit Humor und fügt hinzu: „Natürlich wollen die Jungs mal wieder einen Handball anfassen. Aber zurzeit können sie eben nur selbstständig laufen gehen, um fit zu bleiben.“ Bei der HSG wollen sich die Verantwortlichen nun in aller Ruhe auf die kommende Saison vorbereiten.

In derselben Landesliga-Staffel wie die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg sollte auch die TS Hoykenkamp an den Start gehen. Doch die Mannschaft von Trainer Andre Haake hat in dieser Saison ebenso kein Punktspiel absolvieren dürfen. Die Enttäuschung über die Entscheidung hält sich bei Haake jedoch in Grenzen. „Das war ja abzusehen, dass es abgesagt wird, nachdem die ganzen Beschlüsse gefolgt sind“, meint er und ergänzt: „Das Wichtigste ist erst einmal, dass wir uns in der Halle wiedersehen und trainieren können.“

Wie die kommenden Monate in Hoykenkamp aussehen werden, steht ebenfalls in den Sternen. „Wir haben keinen Plan und können nur das machen, was der Bund entscheidet. Wir müssen abwarten, vielleicht ist es möglich, dass wir im Mai oder Juni mal wieder Freundschaftsspiele austragen können. Einen regen Spielbetrieb wird es, denke ich, erst im September wieder geben“, vermutet Andre Haake.

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