Handball

Weniger Konkurrenz für Delmenhorst?

Die Handball-Oberliga geht einer einigermaßen ungewissen Zukunft entgegen. Während der TV Cloppenburg auf einen nachträglichen Aufstieg in Liga 3 hofft, kämpft die SG VTB/Altjührden ums sportliche Überleben.
04.05.2020, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Weniger Konkurrenz für Delmenhorst?
Von Michael Kerzel

In dieser Spielzeit sind die Handballer des TV Cloppenburg in der Oberliga Nordsee der Herren nur haarscharf am Aufstieg vorbeigeschrammt. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs aufgrund der Corona-Pandemie waren sie punktgleich mit dem ATSV Habenhausen. Letzterer hatte aber das direkte Duell gewonnen und steigt somit in die 3. Liga auf. Doch für die Cloppenburger könnte es eine Hintertür geben. Der Bundesrat des Deutschen Handballbundes hat nämlich eine Aufstockung der 3. Liga beschlossen.

Die Mannschaftszahlen der einzelnen Ligen werden für die Saison 2020/21 entsprechend angepasst. Die 3. Liga der Männer wird in der Saison 2020/21 auf eine Stärke von maximal 72 Mannschaften (bisher 64) erhöht. Neben den sogenannten Regelaufsteigern (eine Mannschaft je Oberligabereich) können auch weitere Mannschaften aus den Oberligabereichen aufgenommen werden, teilt der Verband mit. Ob Cloppenburg davon profitiert, ist noch nicht klar.

Würde der TVC aufsteigen, wäre die Konkurrenz in der kommenden Spielzeit für die HSG Delmenhorst, die diese Saison hinter Habenhausen und Cloppenburg auf Rang drei beendete, kleiner – zumal es keine Absteiger aus der 3. Liga gibt. Hinzu kommt, dass der ehemalige Drittligist SG VTB/Altjührden um das sportliche Überleben kämpft. Bei den Varelern fallen große Teile der Sponsoringeinnahmen weg, sodass die Verträge mit fast allen Spielern bereits aufgelöst wurden und neu verhandelt werden. Der eine oder andere Spieler könnte damit die SG, die in dieser Oberliga-Spielzeit auf Platz vier einlief und das Ziel Wiederaufstieg somit verfehlte, verlassen. Kurzum: Die drei Hauptkonkurrenten der HSG Delmenhorst in dieser Saison könnten für die kommende Spielzeit – sodenn diese trotz Corona-Pandemie gespielt werden kann – komplett wegfallen oder stark geschwächt sein.

HSG plötzlich im Favoritenkreis

HSG-Vorsitzender Jürgen Janßen sieht dennoch eine große Konkurrenz in der Liga, selbst wenn Clopenburg aufsteigen sollte und Varel nicht mehr zu alter Stärke zurückfindet. „Barnstorf hat sich verstärkt und auch mit HC Bremen ist durch die Neuzugänge zu rechnen“, sagt Janßen. Allen voran stehe der VfL Fredenbeck. Vor Kurzem hatte dieser noch die Sorge vor der Pleite: „In der letzten Zeit wurde in der Handball GmbH nach Lösungen gesucht, wie die fehlenden finanziellen Mittel, die in ihrer Summe die Insolvenz des Unternehmens bedeutet hätten, durch Einsparungen und alternative Einnahmequellen beschafft werden können“, teilt der VfL auf seiner Homepage mit. Alle Spieler der ersten Herren seien jedoch bereit, zum Teil oder sogar vollständig auf ihre Gehälter zu verzichten. Zudem beantragte der Verein staatliche Förderungen in Form von Kurzarbeitergeld. „Mit der Nachricht der drohenden Insolvenz formierte sich gleichzeitig eine Gruppe von Spielern und Unterstützern der ersten Herren. Trotz allem sind wir weiterhin auf die Hilfe von Sponsoren angewiesen“, heißt es weiter. Dennoch konnte der VfL bereits vier Neuzugänge präsentieren. Janßen bezeichnet das als „bemerkenswert“.

In Varel geht es derweil darum, eine Mannschaft zusammenzubekommen. Der Blick in die Zukunft des Vereins ist laut Christoph Deters, Sportlicher Leiter der SG VTB/Altjührden, besorgniserregend. „Die wirtschaftlichen Folgen sind für uns in Gänze noch nicht absehbar. Schon jetzt haben uns einige Sponsoren signalisiert, dass ihre finanzielle Situation ein weiteres Sponsoring vorerst nicht erlaubt. Nach heutigem Kenntnisstand drohen Einbußen von mindestens 50 Prozent des Gesamtetats", zitiert ihn die SG-Homepage. Die laufenden Verträge mit den Spielern hätten dem Verein das finanzielle Genick brechen können: "Wir hatten fruchtbare Gespräche mit den Spielern, uns allen ist die derzeitige Situation bewusst. Umso erfreuter bin ich, dass wir fast alle Verträge aufheben konnten und uns nun für neue Konditionen einbringen können", berichtet Deters auf der Homepage.

Kein großes Geheimnis ist es allerdings, dass sich der eine oder andere Spieler bereits bei anderen Teams vorgestellt und ins Gespräch gebracht hat, auch der eine oder andere Spielerwechsel gilt als sicher oder zumindest als wahrscheinlich. Ob auch einer der Vareler seinen Weg nach Delmenhorst findet? Janßen gibt sich bedeckt und äußert sich dazu nicht. Bekannt ist, dass Kreisläufer und Defensivspezialist Michael Schröder vor seinem Wechsel nach Varel ein Jahr in Delmenhorst spielte und somit Trainer und Team kennt – und die HSG sucht auf der Kreisposition noch nach einer Verstärkung.

Möglichst bald Klarheit über die Ligenzugehörigkeit erhofft sich der TV Cloppenburg. Die Zuversicht ist groß beim TVC, dem heimischen Publikum künftig Drittligahandball zu bieten. „Wir rechnen uns da Chancen aus und wenn wir die Möglichkeit bekommen, dann nehmen wir sie wahr. Das ist mit den Gesellschaftern und Sponsoren bereits besprochen. Zudem behalten wir uns rechtliche Schritte vor“, sagt Christian Bien, beim TVC zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Auch Janßen erwartet, dass Cloppenburg aufsteigt. Seiner Rechnung nach sind noch zwei Plätze für Oberligateams in der 3. Liga frei und es gebe in zwei Oberligen die Situation, dass der Zweite punktgleich mit dem Ersten ist, beziehungsweise durch einen Sieg im noch ausstehenden direkten Duell die Meisterschaft noch hätte holen können. Zudem ist noch nicht klar, wie viele aktuelle Zweit- und Drittligisten zurückziehen, da sie es sich finanziell nicht mehr leisten können oder wollen, in diesen hohen Ligen zu spielen. Entsprechend könnten Plätze frei werden, sicher ist das jedoch nicht. „Es gibt da viele Gerüchte“, sagt Bien. Letztlich entscheidet der Handballbund.

Spendenaktion der HSG

Die Delmenhorster sind selbst auch finanziell von der Corona-Krise betroffen. So fallen die beiden Sommerturniere der Stammvereine aus. Die dortigen Einnahmen kommen den Jugendabteilungen zu Gute. Die HSG hat daher zu Spenden aufgerufen, um die Verluste teilweise aufzufangen. „Die Spendenaktion läuft gut, ich bin zufrieden. Aber natürlich fehlt einiges im Vergleich zu den Turnieren“, sagt Janßen. Weitere Informationen zu der Aktion gibt es auf der Vereinshomepage www.hsg-delmenhorst.de.

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