HSG Delmenhorst

Janik Köhler: Mit hoher Disziplin zum Erfolg

Der 31-jährige Janik Köhler bringt Erfahrung aus der 2. und 3. Liga mit und hat vor allem in der Defensive seine Stärken. Mit der HSG Delmenhorst strebt er disziplinierten Handball an.
22.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Janik Köhler: Mit hoher Disziplin zum Erfolg
Von Michael Kerzel
Janik Köhler: Mit hoher Disziplin zum Erfolg

Janik Köhler soll bei der HSG Delmenhorst als Führungsspieler vorangehen und dabei als Abwehrchef die Defensive stabilisieren.

INGO MÖLLERS

In der vergangenen Saison lieferte sich die HSG Delmenhorst in der Handball-Oberliga regelmäßig Shootouts mit den Gegnern. Ligaweit kassierten nur zwei Teams noch mehr Gegentore, was bemerkenswert für einen Tabellendritten war und ist. Um die Abwehr zu stabilisieren, holte die HSG unter anderem Janik Köhler. Der 31-Jährige bringt Erfahrung aus der 2. und 3. Liga mit und hat seine Stärken vor allem in der Defensive. „Ich sehe meine Aufgabe schon darin, die Abwehr zu organisieren. Generell liegt es mir am meisten, für Spielstruktur zu sorgen“, meint Köhler.

Bei der HSG steht er zusammen mit Rückkehrer Michael Schröder im Innenblock. Ligaweit dürfte da kaum ein Team mithalten können. In der Vorbereitung klappte das schon gut, beispielsweise bei einem Turnier in Oldenburg. Am ersten Spieltag lief es beim SV Beckdorf nicht optimal, was auch dem geschuldet war, dass mit Tim Coors und Jörn Janßen zwei Akteure, die auf vorgezogenen Halbpositionen in der Abwehr spielen und dort für Ballgewinne sorgen sollen, verletzt fehlten. Es sei, sagt Köhler, eine Umstellung gewesen. „Das war beim Cup in Oldenburg besser, da hatten wir mehr Ballgewinne. Wenn Tim wieder dazukommt, ist das eine große Verstärkung defensiv, offensiv ja sowieso. Tim kennt die offensiven Halben. Er hat da die Erfahrung und das auch schon gespielt. Wir haben an sich eine sehr starke vier in der Mitte“, berichtet Köhler.

Stärken in der Defensive

Insgesamt war Köhler mit dem Auftakt nicht zufrieden. „Es lief nicht rund. Weder beim Torhüter noch in der Defensive oder der Offensive. Es war ein komisches Spiel. Wir haben uns vom Niveau her ein bisschen an Beckdorf angepasst in dem Spiel. Es darf eigentlich nicht passieren, dass wir so viele Bälle wegwerfen. Wir müssen da gewinnen. Wir hatten im Vorfeld wenige Trainingsspiele und einige Verletzte, aber das darf keine Ausrede sein“, spricht der 31-Jährige Klartext. Logisch sei aber auch, dass ein verbessertes Zusammenspiel nur über Matchpraxis komme. Köhler ist zuversichtlich, dass die HSG gerade gegen die stärkeren Gegner wie den HC Bremen, die SG VTB/Altjührden sowie den TV Bissendorf-Holte, die Köhler zu den härtesten Konkurrenten zählt, bessere Leistungen zeigt. Wenn in der Corona-Pandemie gespielt werden darf.

Nach einem Corona-Fall in der Mannschaft fiel bereits die Partie beim TuS Rotenburg aus, es folgte die Pause in den Herbstferien. Und Delmenhorst liegt mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 klar über dem Grenzwert und ist damit Risikogebiet, was sich in der nächsten Zeit kaum ändern dürfte. Am kommenden Wochenende ist nach aktuellem Stand dennoch das Match gegen den VfL Fredenbeck angesetzt. Köhler hat klare Vorstellungen, worauf es ihm in diesem und den folgenden Spielen ankommt. Zentral ist für ihn die Disziplin, das betont er immer wieder. „In den oberen Ligen wird mehr Disziplin am Ball gefordert, Fehler werden dort stärker bestraft. Schneller ist der Handball da auch. Man deckt offensiver, weil der gegnerische Rückraum gefährlicher und die Wurfqualität im Allgemeinen ein ganzes Stück höher ist“, beschreibt Köhler. Da die HSG seiner Ansicht nach zu den Top drei der Oberliga gehört und damit ein gehöriges Wort um den Aufstieg mitsprechen dürfte, braucht es dieses höhere Niveau.

Trainer Jörg Rademacher kennt er von einer gemeinsamen Zeit in Wilhelmshaven. „Er legt viel Wert auf taktisch geprägten Handball und Disziplin“, sagt Köhler. Das soll der 31-Jährige defensiv, aber auch offensiv umsetzen. „Im Rückraum spiele ich lieber links oder auf der Mitte. Rechts wie gegen Beckdorf ist für einen Rechtshänder etwas unglücklich. Ich bin sicher nicht der klassische Shooter, der zehn Tore pro Spiel macht“, beschreibt Köhler seine Rolle. Beim Aufbau und der Strukturierung unterstützt oder ersetzt er gegebenenfalls Spielmacher Frederic „Fino“ Oetken.

Als Führungsspieler gefragt

In den kommenden Wochen, so denn es erlaubt ist, wird das Training von Taktik geprägt sein, zudem geht es darum, Schnelligkeit reinzubekommen. „Und dann müssen wir die Spiele gewinnen. Druck ist das falsche Wort. Es geht darum, positiv angespannt zu sein. Die Grundlage ist Konzentration, um dann diszipliniert zu spielen und zu Hause zwei Punkte gegen Fredenbeck zu holen“, blickt Köhler voraus. Das gelte auch generell für die kommenden Aufgaben. Der HSG-Kader sei, gerade in der Breite, gegenüber der ligaweiten Konkurrenz besser. „Wir müssen es aber auf den Punkt bringen, gerade wenn es in den Spielen eng wird“, weiß Köhler. Er sieht sich in einer Führungsposition. „Vorne hat Fino das Kommando, hinten ich. Dazu natürlich Tim als Kapitän. Auch Michael Schröder und Jörn Janßen müssen vorweggehen“, sagt Köhler.

Mit Schröder hat der 31-Jährige bereits in Edewecht und in der Jugend in Varel zusammengespielt. „Wir sind befreundet und ergänzen uns gut. Er hat zuletzt ein bisschen anders gespielt als ich vom Prinzip her. Etwas defensiver. Aber das hatte in der Vorbereitung schon gut gepasst“, berichtet Köhler. Es fehlt noch die Gesamtabstimmung. „Und wir müssen ein bisschen disziplinierter sein. Es geht aber eher ums Einspielen. Die Abläufe müssen immer wieder verbessert, die Ausgangshandlungen dann immer ein bisschen erweitert werden. Dazu geht es darum, dass sich alle individuell weiterentwickeln in den Bereichen Kraft, Athletik und Wurfqualität“, erklärt der Routinier.

Janik Köhler, der viele Jahre gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Steffen auf der Platte agierte, stand bereits im vergangenen Jahr auf der Wunschliste der HSG. Es gab Kontakt, doch Köhler entschied sich für den TV Cloppenburg. Vor vier Monaten kam aber seine Tochter zur Welt, der Aufwand, in Cloppenburg 3. Liga zu spielen, wäre zu groß gewesen. „Ich wohne in Delmenhorst und arbeite in Schortens. Ich habe jetzt etwas mehr Zeit für die Familie“, berichtet er.

Seine Freundin Sharleen Siemers spielt beim TV Neerstedt: „Mit Kind ist das schon eine Herausforderung als Handballpaar. Die Familie unterstützt uns viel“, erzählt Köhler. Auch wenn es aktuell nicht mehr 2. oder 3. Liga sein soll, hat Köhler noch handballerische Ambitionen, ebenso wie die HSG. Sollte tatsächlich der Aufstieg gelingen, könnte sich Köhler auch ein weiteres Jahr bei der HSG vorstellen.

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