Handball

HSG Delmenhorst: Realistisch und pragmatisch

Frederic Oetken und Jörn Janßen von der HSG Delmenhorst halten die neuerliche Zwangspause für richtig. Aktuell gilt es wie schon im Frühjahr, sich individuell zu Hause fit zu halten.
06.11.2020, 15:27
Lesedauer: 3 Min
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HSG Delmenhorst: Realistisch und pragmatisch
Von Justus Seebade

Exakt eine Partie haben die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst in dieser Saison bislang bestritten – und bis weitere hinzukommen, wird es noch eine ganze Weile dauern, denn der Spielbetrieb ruht bekanntlich bis zum Jahresende. Wie es danach weitergeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorherzusehen. Den Aktiven bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten.

Angesichts der Tatsache, dass nach der wochenlangen Vorbereitung nur ein Pflichtspiel folgte, wäre es durchaus verständlich, wenn die Delmenhorster nun Frust schieben würden. Doch sie zeigen sich absolut realistisch und pragmatisch. „Es ist schade, weil man sich auf ein gutes Level hochgearbeitet hatte“, sagt Spielmacher Frederic Oetken, betont aber, dass er Verständnis für die angeordnete Sportpause hat. „Wir haben eine weltweite Pandemie, das darf man nicht vergessen.“

Die hohen Corona-Infektionszahlen, die Aufforderung der Bundesregierung, möglichst zu Hause zu bleiben, die Tatsache, dass Handball ein Kontaktsport ist – all das führt Oetken an. „Dann ist so was für mich die logische Konsequenz“, meint er zur Unterbrechung des Sportbetriebs und zur Handballpause bis zum Ende des Jahres.

Sein Teamkollege Jörn Janßen schlägt in die gleiche Kerbe. „Natürlich ist es ärgerlich. Aber wir alle haben realistisch erwartet, dass es irgendwann so kommen würde. Dass es so schnell geht, konnte keiner so genau wissen“, meint der Torjäger. Auch er beurteilt das aktuelle Vorgehen als richtig. „Es wird die nächste Vorbereitung folgen, aber das ist nun mal so. Wir können es nicht ändern. Die Rücksicht auf Corona ist immer wichtiger“, unterstreicht Janßen. „Wenn wir uns vorbereiten, wissen wir nicht genau, auf was. Trotzdem ist es verständlich, dass es so ist.“

Wenngleich sie nach der intensiven Sommer-Vorbereitung lediglich beim 25:25 gegen den SV Beckdorf für ein Ligaspiel in der Halle standen, bezeichnen die beiden HSG-Akteure die Zeit keinesfalls als verschenkt. „Man hat sich schon gefreut, wieder mit dem Team zusammen zu sein, den Handball in der Hand zu haben und physisch auf ein gutes Level zu kommen“, erklärt Oetken. „Umsonst ist immer relativ. Auf dem Niveau, auf dem wir spielen, machen wir das alle, weil wir Spaß an der Sportart haben. Den Ball hatten wir auch in der Hand. Ganz umsonst ist es nie“, sagt Janßen.

Die Phase, in der sie sich jetzt befinden, kommt den Handballern natürlich noch bekannt vor. Bereits zu Beginn der Pandemie war Mannschaftstraining nicht erlaubt, stattdessen galt es, individuell zu arbeiten. „Wir haben vom Trainerstab Etliches an die Hand bekommen, was wir im Kraft- und Ausdauerbereich machen sollen“, berichtet Oetken. Auch koordinative Übungen seien dabei. „Das macht jetzt jeder so für sich. Das ist so ähnlich wie im Frühjahr.“

Dass die gemeinsamen Einheiten den Mannschaftssportlern im Allgemeinen mehr Spaß machen, versteht sich aber natürlich von selbst. Auch der Antrieb ist dann oft ein anderer. So geht es etwa Jörn Janßen, dem nicht nur das Training mit dem Team, sondern auch der Gang ins Fitnessstudio fehlt. Davon sei er nämlich „ein großer Freund“, aber diese Möglichkeit bleibt ihm derzeit ebenso verwehrt. „Es fällt mir persönlich schwer, mich zu Hause zu motivieren“, räumt Janßen ein. Doch er stellt seine Motivation hintenan, denn wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, verfolgen die Delmenhorster nach wie vor ehrgeizige Ziele. „Daran hat sich für uns überhaupt nichts geändert. Da muss man was für tun, und dazu zählt, dass man sich zu Hause fit hält“, weiß Janßen.

Auch Frederic Oetken bekräftigt, dass die Ambitionen unverändert seien. „Aber es wird eine Saison sein, die meines Erachtens nicht die Leistung widerspiegelt, die man über eine komplette Saison abrufen kann“, sagt der Spielmacher. „Es können so viele Faktoren kommen, die man selber nicht beeinflussen kann.“ Dabei denkt er an Unterbrechungen, von denen es ja aktuell bereits die erste gibt, oder an coronabedingte Ausfälle und Quarantänen, die jedes Team treffen können. Im Endeffekt ergibt sich für Oetken so „ein etwas verzerrtes Leistungsbild“.

Ob der Spielbetrieb im Januar tatsächlich wieder aufgenommen wird, steht in den Sternen. „Du kannst gefühlt nicht mal eine Woche vorausblicken“, meint Jörn Janßen. Alles hänge von der Entwicklung der Corona-Zahlen ab. „Da sind dem Verband letztlich auch die Hände gebunden“, merkt er an. Für ihn ist jedenfalls klar, dass keine komplette Saison in ihrer angedachten Form absolviert werden kann, selbst wenn es im Januar weitergehen sollte. Regelmäßige Spiele unter der Woche sind in Janßens Augen keine Lösung.

„Letztlich sind es in unserer Liga alles Menschen, die ihre Arbeit haben“, gibt er zu bedenken. Wenn die HSG beispielsweise in Bremen antreten müsste, ginge das noch, aber Janßen denkt auch an Mannschaften wie den TV Bissendorf-Holte, die viele weite Fahrten vor sich haben. „Das kann eigentlich nicht gut gehen“, vermutet er. Daher müsse sich der Verband etwas anderes überlegen.

Bezüglich der Entwicklung der Zahlen wirft Oetken noch ein, dass auch bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs die Regelungen in den Landkreisen und Kommunen wieder unterschiedlich sein können. Daher sei eine Prognose hinsichtlich des weiteren Saisonverlaufs schwierig. Die Lage müsse sich so erholen wie im Frühsommer. „Aktuell würde es keinen Sinn machen. Man hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung“, hebt Oetken hervor.

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