DFB-Pokal

„Ich dachte nur: Jetzt nicht umfallen“

Der SV Atlas trifft in der 1. Runde auf den SV Werder Bremen. Präsident Manfred Engelbart saß in der ersten Reihe im Sportschau-Studio als Vereinsrepräsentant. Im Interview spricht er über diese Erfahrung.
17.06.2019, 16:21
Lesedauer: 4 Min
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„Ich dachte nur: Jetzt nicht umfallen“
Von Michael Kerzel
„Ich dachte nur: Jetzt nicht umfallen“
INGO MOELLERS

Herr Engelbart, Sie führten die Delegation bei der Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals in Dortmund, die in der ARD-Sportschau live übertragen wurde, an. Wie lief der Tag?

Manfred Engelbart: Wir waren zuerst im Fußballmuseum und haben das genossen. Für jeden Fußballanhänger ist es Pflicht, das einmal zu besuchen und sich alles anzuschauen. Von Sepp Herbergers Schreibmaschine über Mario Götzes Goldenen Schuh hin zu Nia Künzers Trikot (Sie schoss das Golden Goal zum Weltmeistertitel 2003, Anmerkung der Redaktion). Man kann sich den ganzen Tag dort aufhalten. Eine Stunde vor der Sportschau waren wir eingeladen, mit den DFB-Verantwortlichen zu sprechen. Das Credo von denen lautete: Wir unterstützen euch. Es war ganz locker und wurde auch nicht stressig. Es waren ja viele kleine Vereine da, die das erste Mal so eine Bühne erlebt haben. Es war schon ein erhabenes Gefühl, in der ersten Reihe zu sitzen. Wir haben uns als Delegation sauber verkauft, den SV Atlas und die Stadt Delmenhorst würdig vertreten. Es war von den Verantwortlichen vor Ort auch ein Stück weit Berechnung, uns deswegen in die erste Reihe zu setzen.

Was ging in Ihnen vor, als die entscheidenden Loskugeln gezogen wurden?

Als Nia Künzer die Kugel mit dem SV Atlas gezogen hat, da wurde mir ganz flau im Magen. Ich konnte nicht richtig atmen oder denken. Ich dachte nur: Jetzt nicht umfallen. Ein paar Sekunden später zog Künzer die nächste Kugel und gab sie dem DFB-Verantwortlichen. Der machte die Kugel auf, und ich sah schon das grüne W. Ich dachte, das schießt mir den Kopf weg. Das war dann wie eine Explosion. Emotion pur. Dann kannst du auch nichts mehr denken. Es ist wie im Rausch. Auch was man dann sagt, das ist nichts Rationales mehr. Die Geschichte mit den Stadtteilen ging dann später auch als Running Gag weiter (Engelbart sagte im Liveinterview in der Sportschau: „Das ist ein Heimspiel für beide. Das ist Stadtteil gegen Stadtteil.“, Anmerkung der Redaktion). Wildfremde Leute haben sich mit uns gefreut. Selbst die Oberneuländer haben gesagt, dass sie es uns gönnen, auch wenn die selber etwas Pech hatten mit dem Los (Der FC Oberneuland trifft auf den Zweitligisten Darmstadt 98, Anmerkung der Redaktion). Der Moment der Auslosung war das Schönste und Schlimmste seit den letzten Minuten des Endspiels im Niedersachsenpokal gegen Bersenbrück in Hannover.

Wo wird das Spiel ausgetragen?

Wir hatten dem DFB im Vorfeld mitgeteilt, dass Oldenburg oder Bremen unsere Ausweichorte sind. In Oldenburg geht es nicht, da haben wir eine schriftliche Absage bekommen. Dort wird saniert. Das Weser-Stadion ist alternativlos, und wir sind zuversichtlich, dass das klappt. Wir denken schon, dass es ein volles Haus gäbe. Für unsere Spieler wäre es großartig, vor 40 000 Zuschauern in einem Pflichtspiel aufzulaufen. An diesem Dienstag gibt es in Offenbach einen Workshop vom DFB mit weiteren Informationen. Es geht da nicht nur um Atlas gegen Werder, aber das spielt sicher auch eine Rolle. Eine Deadline für die Bekanntgabe des Austragungsortes gibt es erst mal nicht, aber die Zeit drängt natürlich. Das muss so schnell wie möglich geklärt werden. Das Spiel ist ein Ereignis, vielleicht sogar ein Jahhundertereignis für uns.

Das Delmenhorster Stadion in Düsternort ist keine Alternative?

Gegen eine kleinere Mannschaft hätten wir bei uns in Delmenhorst gespielt, aber gegen Werder geht das nicht. Das liegt nicht an der Frage der Sicherheit. Unsere Fans sind ja oft auch Werder-Fans. Da bräuchte man gar keine Polizei. Es ist zum Beispiel noch möglich, dass das Spiel das Live-Spiel für das Fernsehen wird. Dafür bräuchte man 14 Kameras, mehrere Sattelschlepper mit technischem Equipment etc. Wenn man alleine sieht, was für ein Aufwand für die Sportschau notwendig war, das können wir in unserem Stadion nicht leisten.

Wäre Atlas im Weser-Stadion dann Heimmannschaft?

Ich habe als Gag erklärt: Wir verzichten auf die Heimkabine, dafür muss Werder uns mit dem Werderbus von Jan Harpstedt holen. Aber mal im Ernst: Wir unterhalten uns mit Werder beziehungsweise den Verantwortlichen der Bremer Weser-Stadion GmbH. Wir gehen da, bei aller Ernsthaftigkeit, locker ran.

Bei Werder kann man schon Karten für das Spiel bestellen, wie sieht das bei Atlas aus?

Da hat Werder natürlich Erfahrung und ist uns da voraus. Wir müssen schauen, wie wir eventuell mit Werder zusammenarbeiten können. Wir müssen das erst einmal auf uns zukommen lassen. Ich hoffe natürlich, dass Werder uns die Einnahmen überlässt, wie das Bayern im Pokal gegen Amateure immer macht. Das wäre eine ganz tolle Geste. Klar ist, dass wir bei den Verhandlungen hellwach sein müssen. Mit dem Wissen, das die Branche ein Haifischbecken ist.

Haben die zu erwartenden Einnahmen Einfluss auf den aktuellen Kader?

Der Kader für die kommende Saison steht mehr oder weniger. Das Geld fließt in das Budget der Zukunft.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt ist Delmenhorster. Haben Sie mit ihm gesprochen?

Ich persönlich kenne ihn nicht, aber ich freue mich, ihn kennenzulernen. Wir haben ja im gleichen Verein beim TV Jahn Delmenhorst gespielt. Aber da liegen ein paar Jahrzehnte dazwischen.

Das Gespräch führte Michael Kerzel.

Info

Zur Person

Manfred Engelbart (74)

ist Präsident des SV Atlas. Er führte die Delmenhorster Delegation bei der Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals an und steht nun in Verhandlungen über den Austragungsort des Spiels gegen den SV Werder Bremen.

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