JFV Delmenhorst Ein durchdachtes Konzept

Seit dieser Spielzeit hat die Stadt Delmenhorst einen Jugendförderverein. Hier spielen Talente von vier Stammvereinen der Stadt zusammen. Am Sonntag stand die Generalprobe für den Pflichtspielauftakt an.
31.08.2020, 17:39
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Von Ralf Kilian

Eine der besten Errungenschaften aus sportlicher Sicht in der hiesigen Region in der Corona-Pause war die Erschaffung des Jugendfördervereins (JFV) Delmenhorst. Gegründet wurde der neue Verein am 1. April, am Sonntag stand die Generalprobe an – passenderweise auf dem Stadion-Hauptplatz. Dort maßen sich die neuen JFV-Teams von der D- bis zur B-Jugend mit dem JFV Verden/Brunsbrock, anschließend brachten die A-Junioren dem Bremer Verbandsligisten SG Findorff eine 8:0-Klatsche bei.

Zuvor gab es von allem etwas. Die U13 besiegte die Gäste aus Verden mit 5:4, die U15 unterlag mit 3:4 und die U17 erreichte ein 1:1. Wichtiger als die Ergebnisse ist aber das Miteinander und die Identifikation in diesem neuen Konstrukt. „Alle Mannschaften haben die gleichen Trikots, die gleichen Trainingsanzüge, gleiche Aufwärmpullis und Taschen“, hebt der Sportliche Leiter Matthias Kaiser hervor. „Wenn ein Spieler aus der B-Jugend in der A-Jugend aushelfen soll, hat er die gleichen Klamotten wie alle anderen Spieler und fühlt sich damit wohler.“ Dieser Zusammenhalt geht natürlich auch neben dem Platz weiter, wo die Eltern aller Mannschaften für die Verpflegung zuständig waren. Der Vorstand um den Vorsitzenden Jens Witte ging mit bestem Beispiel voran und fand sich am Sonntag schon morgens um 7 Uhr im Stadion ein, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.

Gemeinsame Identifikation

Drei Stunden später war Anstoß bei der U13. Der gewohnt umtriebige Trainer Denis Lubrich hat nach dem gesundheitsbedingten Rückzug von Tobias Kanzok in Mike Braun einen adäquaten Kollegen gefunden. Braun kommt aus Heiligenrode, wie auch drei Spieler der D-Junioren. Den Kern des 20-köpfigen Kaders bilden aber viele ehemalige Heidkruger, die Lubrich bereits seit der G-Jugend unter seinen Fittichen hat. „Das wird nächstes Jahr deutlich vielfältiger, da werden viele gute Jungs aus den Stammvereinen kommen“, blickt Lubrich voraus. Schon jetzt gab es zahlreiche Bewerber, die den Sprung nicht geschafft haben. „Mit denen haben wir jeweils persönlich gesprochen, um ihnen andere Wege aufzuzeigen.“ Schon jetzt ist der Kader „überraschend groß“, sagt Lubrich. Damit soll leichter Druck erzeugt werden. „Grundsätzlich geht es aber nur um die Entwicklung der Jungs“, streicht Lubrich deutlich heraus.

Saisonstart in der Kreisliga-Doppelrunde ist bereits an diesem Sonnabend. Das gilt auch für die C-Jugend, die mit einem Heimspiel gegen den TSV Ganderkesee beginnt. Im Gegensatz zum Stadion-Tag am Sonntag bestreiten die B- und C-Junioren ihre Heimspiele auf der Anlage des Delmenhorster TB, während die A- und D-Jugend beim TuS Heidkrug auflaufen werden. Verantwortlich für die U15 sind mit Frank Ritter und Michael Wild zwei langjährige Heidkruger. Sehr gelungen war der abschließende Test gegen Verden, trotz der 3:4-Niederlage. „Das war ganz knapp, Verden spielt immerhin in der Landesliga“, zeigte sich Wild sehr zufrieden. Eine Woche zuvor hatte der JFV den Bezirksligisten VfL Stenum mit 5:2 in die Schranken gewiesen.

Die Sichtung der gut 30 Spieler war diffizil. „Wir durften aufgrund der Corona-Regeln keine Zweikämpfe trainieren“, schildert Wild die Anfänge. Am Ende wurden 21 Jungs ausgewählt, die sich aus allen vier Stammvereinen Heidkrug, Jahn, Atlas und DTB rekrutieren. Gegen Verden hatten Ritter und Wild erstmals den kompletten Kader vor Ort und konnten locker durchwechseln. In der Punktrunde möchte die U15 zunächst unter den besten dreien der Quali-Runde einlaufen und sich damit einen Platz in der Meisterrunde sichern. Dort geht es um den Aufstieg in die Bezirksliga. „Und wir wollen auch aufsteigen“, gibt Wild ehrgeizige Ziele aus.

Klassenhöchste Mannschaft ist die Landesliga-B-Jugend. In der Vorsaison wurde Schlusslicht TuS Heidkrug durch den coronabedingten Abbruch vor dem fast sicheren Abstieg gerettet. Bevor es am 13. September in Meppen in die Saison geht, steht noch das Pokalspiel am Sonntag in Großenkneten bevor. Die Vorbereitung absolvierte das Team von Thorsten Flügger, Leon Henke und Lars Frerichs ungeschlagen, wobei das 1:1 gegen Verden bereits das dritte Remis bedeutete – und Flügger nicht wirklich zufriedenstellte: „Verden hat mit einer U16 gespielt, da hätte ich von uns mehr erwartet.“

Insgesamt verlief die Vorbereitung aber reibungslos, besonders das Trainingslager eine Woche zuvor auf der DTB-Anlage lieferte wichtige Erkenntnisse. Wobei seine Mannschaft auch gleich liefern muss. Die Landesliga wurde in zwei Achter-Gruppen geteilt. „Leider“, sagt Flügger, „wir hätten lieber eine Runde gegen jeden gespielt.“ Jetzt gibt es Hin- und Rückspiele in einer starken Staffel, die Anzahl der Absteiger wurde noch nicht bekannt gegeben. „Für uns geht es um den Klassenerhalt“, erklärt Flügger.

Der sollte zunächst auch für die U19 Priorität haben, im Vorjahr ebenfalls durch den Lockdown vorm Abstieg bewahrt. So blieb der TuS Heidkrug in der Bezirksliga. Davon will der JFV profitieren und mit dem Trainerduo Ralf Sager/Christian Goritz die Aufstiegsrunde erreichen. In der Bezirksliga spielen 14 Vereine – darunter elf Spielgemeinschaften oder Jugendfördervereine – bis Ende März eine einfache Runde. Dann wird geteilt, die Delmenhorster möchten in die obere Hälfte. Dafür wurde im August siebenmal getestet, besonders intensiv am vergangenen Wochenende mit dem 7:2 in Hude am Freitag und dem abschließenden 8:0 gegen Findorff.

Dabei tat sich besonders Jean-Marc Richnel Bollou hervor. Die Sturmspitze der A-Jugend kommt aus der Elfenbeinküste und war in einem italienischen Flüchtlingslager gelandet. Über den Vermittler SV Atlas kam Bollou schließlich zu den A-Junioren des JFV. Und er ragte in der ersten Halbzeit am Sonntag mit Beteiligung an allen fünf Treffern heraus. Nach vielen vergebenen Chancen seiner Mitspieler gelang Bollou das 1:0, danach legte er für Hannes Havekost das 2:0 und für Sami Samo das 3:0 auf. Vor dem von Liam Yousef verwandelten Strafstoß zum 4:0 traf Bollou die Latte und auch vor Tom Bockmeyers 5:0 hatte Bollou seine Füße im Spiel.

Erster Härtetest gegen Stenum

Trotzdem: Im ersten Pflichtspiel ist der JFV klarer Außenseiter. Im Bezirkspokal am Sonnabend am Bürgerkampweg tritt das Team gegen den Landesligisten VfL Stenum an. „Das ist eine gute Standortbestätigung, im Grunde rechnen wir uns nichts aus“, stapelt Goritz tief. Sager zeigte sich mit der Vorbereitung insgesamt sehr einverstanden, „die Trainingsbeteiligung war trotz der Ferien überraschend hoch.“ Das Pokalspiel gegen Stenum wird ein erster Härtetest und zeigen, wie weit das neue Delmenhorster Aushängeschild noch von den derzeit dominierenden Stenumern entfernt ist.

Wichtige Erkenntnisse in der Analyse soll auch eine Drohne liefern, die über dem Hauptplatz surrte und alle vier Spiele in HD-Qualität aufzeichnete. Organisatorisch ist der JFV schon sehr weit, jetzt sollen die ersten Resultate folgen.

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