Kanupolo

Ein Mix aus Rugby und Handball im Boot

Der Delmenhorster Lukas Janik kam vor 25 Jahren zum Kanupolo, schaffte es bis in die Bundesliga und spielte bei Deutschen Meisterschaften. Aktuell ist er deutschlandweit als Materialprüfer unterwegs.
26.03.2021, 15:32
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ein Mix aus Rugby und Handball im Boot
Von Michael Kerzel
Ein Mix aus Rugby und Handball im Boot

Beim Kanupolo kommt es darauf an, das Boot zu beherrschen und schnell zu paddeln.

FR

Kanufahren ist schwieriger, als es aussieht. Die Leute, die sich erstmals in ein Boot setzen, kippen meistens um. Die Balance zu halten, wird nicht einfacher, wenn andere Kanufahrer das Gefährt rammen. Und noch schwieriger ist es, dabei einen Ball kontrolliert zu einem Mitspieler oder direkt in ein Tor zu werfen, das in zwei Metern Höhe über der Wasseroberfläche montiert ist. Kanupolo heißt die Sportart, bei der dies das Ziel ist. Der Delmenhorster Lukas Janik betreibt sie seit rund 25 Jahren, spielte in der Bundesliga. In der Vor-Corona-Zeit war er Materialprüfer und sorgte bei Deutschen Meisterschaften dafür, dass alles mit fairen Mitteln und auch sicher abläuft. „In der Nach-Corona-Zeit will ich aber auch noch aktiv spielen“, blickt der 38-Jährige voraus.

Lukas Janik bringt natürliches Talent für diese Sportart mit, das stellte sich bereits in seiner Kindheit heraus. Über eine Schul-AG kam er zum Kanusport, sein Werklehrer betrieb diesen selbst. „Seine Erzählungen waren Abenteuer. Als ich dann zum ersten Mal in einem Kanadier saß, konnte ich direkt problemlos geradeaus fahren und durfte dann auch bei der ersten Tour auf der Mecklenburger Seenplatte direkt mit“, erinnert sich der 38-Jährige. Etwa im Jahr 1992 oder 1993 müsse das gewesen sein. Rund zwei Jahre später schloss er sich dem Braunschweiger Kanuclub an und spielte dann ab 1996 auch Kanupolo.

Komplexe Sportart

Beim Kanupolo kommt es neben der Beherrschung des Bootes vor allem auf Tempo, Kraft und Wurfgeschick an. Es gebe jedoch verschiedene Spielertypen, erklärt Janik. Einige sind kleiner und leichter und damit schneller und wendiger. Er selbst misst etwa zwei Meter und geht problemlos als „Schrank“ durch. Entsprechend tiefer liegt sein Boot im Wasser, allerdings hat er dadurch auch viel Power. Und das hilft bei Zweikämpfen, beim Kanupolo ist nämlich Kontakt erlaubt. „Wer den Ball hat, darf gerammt und umgeschubst werden. Man sollte schon eine Eskimorolle können“, sagt Janik und lacht dabei. Auf diese Art und Weise kann sich ein Team den Ball vom anderen holen.

Das Team in Ballbesitz hat 60 Sekunden Zeit für einen Torwurf, ein einzelner Spieler darf das Spielgerät maximal fünf Sekunden lang halten, bevor er passt, sich den Ball mindestens einen Meter vorlegt oder wirft. „Kanupolo ist ein bisschen wie Handball und ein bisschen wie Rugby. Und das im Wasser in einem Boot“, beschreibt Janik. Er selber blockt beispielsweise andere Boote, damit der eigene Mann kontrolliert aufs Tor werfen kann. Seine Größe hilft hier. „Es gibt Spieler, die so hart werfen, dass der Verteidiger Angst um sein Paddel haben muss, wenn er versucht, den Wurf abzuwehren“, beschreibt Janik.

Den 38-Jährigen verschlug es vor einigen Jahren beruflich nach Delmenhorst, der Liebe wegen blieb er und ging fortan für den TuS Warfleth in Berne ins Wasser. Kanupolo ist ein sehr zeitintensiver Sport. Die Spieltage sind in der Regel ein Wochenende lang. Janik hat seinen Bus so umgebaut, dass das Kanu reinpasst und er drin schlafen kann. Freitagabend erfolgt die Anreise, Sonnabend und Sonntag wird gespielt, bevor es zurückgeht. „Das ist vor Ort immer eine tolle Zeit. Auch wenn man sich auf dem Spielfeld mit dem Gegner nicht unbedingt versteht, sitzt man im Anschluss zusammen. Es ist ein sehr fairer und geselliger Sport“, sagt Janik. Er war beispielsweise im Jahr 2019, bevor die Corona-Pandemie auch diesem Sport einen Strich durch die Rechnung machte, nahezu jedes Wochenende als Spieler oder Prüfer unterwegs. „Ich lebe diesen Sport und bin meiner Partnerin sehr dankbar, dass sie das mitmacht“, betont der Delmenhorster.

Der Sport habe sich über die Jahre verändert, berichtet Janik. Früher rammte der eine oder andere Spieler den Gegner bewusst mit der Bootspitze. Die Schutzausrüstung ist heute ausgeprägter, das Material besser. „Die Regeln sind schärfer geworden, dadurch gibt es weniger Verletzungen. Paddel splittern heute auch nicht mehr“, sagt Janik. Und er ist Experte auf diesem Gebiet. Zuletzt spielte er weniger selbst aktiv, wirkt jedoch als Bootsprüfer für die 1. und 2. Bundesliga. „Bei Deutschen Meisterschaften prüfe ich auch Helme und Paddel. Da geht es um die Sicherheit, aber auch darum, dass alle Spieler aus einem Team gleichfarbiges Material haben. Kanupolo wird da professioneller. Ziel ist es, dass diese Sportart olympisch wird“, erklärt der 38-Jährige.

Man könne, sagt Janik, die Sportart lange betreiben. „Ich bin selber 38, in der Leistungsklasse 3 in Hannover spielt beispielsweise ein 60-Jähriger noch mit. Auch können im Grunde Leute aller Größen mitspielen. Mit 130 Kilo wird es im Boot zwar eng, aber das passt. Kleine und leichte Spieler sind aber ebenso dabei“, sagt er.

Wie der Zufall es so will, hat Janik in Delmenhorst seinen ersten Trainer aus Braunschweiger Zeiten wieder getroffen. „Er ist in seiner Referendariatszeit hingezogen. Wir sind im Kontakt geblieben. Als ich dann nach Delmenhorst kam, hat er mir gesagt: ,Die Delmenhorster sind dufte Kerle, wenn man die erst mal kennenlernt.' Und das stimmt“, sagt Janik.

Weitere Informationen zum Kanupolo gibt es auf der Homepage des TuS Warfleth: https://www.tuswarfleth.de/

In Delmenhorst sind Kanu-Interessierte beim Kanu-Club Hasbergen gut aufgehoben: https://www.kanu-club-hasbergen.de/

Info

Zur Sache

Spielregeln Kanupolo

Ziel ist es, den Ball ins gegnerische Tor zu werfen oder mit dem Paddel ins Tor zu schießen.

Die untere Torlatte befindet sich zwei Meter über der Wasseroberfläche, das Tor misst 1 x 1,50 Meter.

Pro Team sind fünf Kanufahrer gleichzeitig im Wasser, jeder hat ein Doppelpaddel, mit dem sie auch Bälle abwehren dürfen. Eine Mannschaft besteht aus bis zu acht Spielern.

Das Spielfeld ist 23 Meter breit und 35 Meter lang.

Ein Spiel hat zwei Hälften, jede Halbzeit dauert zehn Minuten.

Die Kanufahrer dürfen sich unter bestimmten Bedingungen mit ihren Booten rammen.

Weitere Informationen

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+