Kommentar

Sportplätze öffnen – unter strikten Bedingungen

Bund und Länder haben Lockerungen auch für den Sport angekündigt. Eine schrittweise Öffnung wäre richtig und sinnvoll.
05.05.2020, 16:27
Lesedauer: 2 Min
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Sportplätze öffnen – unter strikten Bedingungen
Von Michael Kerzel
Sportplätze öffnen – unter strikten Bedingungen

Noch sind die Sportplätze in Niedersachsen gesperrt. Kommen diese Woche Lockerungen?

Imago/Joaquim Ferreira

So richtig es vor knapp zwei Monaten war, den Sportbetrieb einzustellen, so richtig ist es nun, ihn schrittweise wieder aufzunehmen. Klar ist dabei, dass auf Abstands- und Hygieneregeln geachtet werden muss – und das strikt. Jeder einzelne Sportler ist in der Verantwortung, noch mehr sind es die Übungsleiter und Vereinsvorstände. Beteiligte müssen, auch wenn es aus sozialen Gründen nicht einfach ist, Mitspielern den Handschlag verweigern und diese auf Abstandsregeln aufmerksam machen. Das hat auch nichts mit Blockwart-Mentalität zu tun. Es sichert schlicht – so denn es überhaupt Lockerungen gibt –, dass diese nicht schnell wieder zurückgenommen werden.

In vielen Sportteams gibt es Typen wie Salomon Kalou. Der Profifußballer von Hertha BSC hatte kürzlich ein Video live gesendet, auf dem er mehrere Mitspieler und Mitarbeiter des Vereins mit Handschlag begrüßt und recht offen mitteilt, dass er das Coronavirus nicht wirklich ernst nimmt. Die Verantwortlichen der Vereine und Mannschaften müssen ihren Spielern klar machen, dass diese sich an die geltenden Regeln zu halten haben. Es spielt dabei keine Rolle, ob Einzelne einen Abschluss der Xavier-Naidoo-Schule für die ultimative Wahrheit in der Tasche haben oder glauben, dass die Regierung das Virus erfunden hat, um die Bevölkerung zu unterdrücken. Jeder hat das Recht, daran zu glauben, dass es Stoffe in Leitungswasser oder Zahnpasta gibt, die die Menschheit (oder zumindest die Bewohner Deutschlands) gefügig machen und dass Gedanken mit Chemtrails kontrolliert werden sollen: Dennoch muss sich auch der größte Skeptiker und offene Gegner der Maßnahmen der Regierung an ihre Vorgaben halten – oder Sportplätzen fern bleiben.

Richtig wäre es auch, Sportarten individuell zu betrachten: Es spricht nichts dagegen, dass Tennisspieler auf den Court zurückkehren und Einzel spielen. Ebenso können Reiter genügend Abstand zueinander halten. Auch anderen Individualsportlern sollte die Rückkehr auf den Trainingsplatz erlaubt werden: Golfer, Schützen und Leichtathleten können alleine beziehungsweise mit genügend Abstand zueinander trainieren und sogar Wettkämpfe abhalten.

Klar ist, dass es vorerst keine Volksläufe mit Massenstarts geben kann, aber Werfer und Springer können bei einem vernünftigen Konzept seitens der Vereine oder des Event-Veranstalters gegeneinander antreten.

Für direkte Duelle beispielsweise im Kampfsport oder auch im Mannschaftssport ist es noch zu früh. Doch auch hier sind die Lockerungen für den Trainingsbetrieb richtig. Können Verbände klare Konzepte vorlegen, nach denen Sport mit Abstand möglich ist, sollte dieser erlaubt werden – sofern er an der frischen Luft betrieben wird. Im Fußball oder Hockey können Spieler Parcours mit dem Ball am Fuß oder am Schläger absolvieren, auch Torschusstraining ist möglich, Konditions- und Kraftübungen sind es sowieso. Es muss jedoch klare Regeln seitens der Politik geben, wie viele Sportler auf wie viele Quadratmeter dürfen, ohne gegen aktuelle Regeln zu verstoßen. Kompliziert wird es beispielsweise für die hiesige Footballmannschaft, zu deren Kader 60 Spieler gehören. Hier müsste die Mannschaft eventuell auf mehrere Trainingstage verteilt werden, doch auch dafür gibt es Lösungen.

Dass Sport generell wichtig und gesund ist, muss hier nicht weiter erläutert werden. Ob mögliche Lockerungen in der Sportwelt funktionieren, hängt von der Vernunft und dem Verstand der Sportler ab. Beide Eigenschaften sind bei Kalou offenbar nicht besonders ausgeprägt, daher wurde er zu Recht suspendiert und darf nun eben nicht mehr mitspielen. Es bleibt die Hoffnung, dass er ein warnendes Beispiel ist, sich die Sinne der Amateursportler schärfen und sie aus Kalous Fehlverhalten lernen.

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