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Kunstrasen: EU-Verbot wäre kein Problem für Delmenhorst

Vereinsvertreter erklären die Variante eines Kunstrasens, für die kein Gummi-Granulat benötigt wird.
26.07.2019, 20:05
Lesedauer: 2 Min
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Kunstrasen: EU-Verbot wäre kein Problem für Delmenhorst
Von Justus Seebade
Kunstrasen: EU-Verbot wäre kein Problem für Delmenhorst

Ein mögliches EU-Verbot von Kunstrasenplätzen schlägt derzeit hohe Wellen. Laut Marco Castiglione vom TV Jahn Delmenhorst ist die Diskussion nicht ganz sachgerecht.

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Marco Castiglione, Jürgen Schulenberg und Michael Wild mussten dringend etwas loswerden. Ganz einfach deshalb, weil in den vergangenen Tagen ein Thema für Schlagzeilen sorgte, das dem Trio sehr am Herzen liegt. Es ging einmal mehr um Kunstrasen. Der wird ja zum einen in Delmenhorst immer wieder heiß diskutiert und schlug darüber hinaus nun in ganz Deutschland hohe Wellen. Der Grund sind die Berichte über ein eventuell bevorstehendes Aus für Kunstrasenplätze aufgrund eines möglichen Gummi-Granulat-Verbots der Europäischen Union (EU).

Wie die drei Vereinsvertreter am Freitag klarstellten, habe das alles auf die Delmenhorster Pläne zum Thema Kunstrasen keine Auswirkungen. Die Diskussion sei nicht immer ganz sachgerecht, meinte Castiglione. „Für uns ist eigentlich schon geklärt, dass wir kein Mikroplastik-Problem haben. Wir haben schon vor Monaten die Entscheidung getroffen, dass wir keinen Kunstrasen mit Gummi-Infill vorschlagen“, erklärte der Fußball-Abteilungsleiter des TV Jahn. Stattdessen soll es eine Variante ohne elastisches Einfüllgranulat werden. Bei dieser würden die Kunstrasen-Fasern zu einer Art Feder umgeformt und so die Funktion des Einfüllgranulats ersetzen. Um die Fasern in ihrer Struktur zu halten und den Kunstrasen zu beschweren, reiche Sand aus. Vor Abschürfungen oder Ähnlichem durch den Sand schützen dann wiederum die Fasern. „Das ist topmodern, zukunftsfähig und recyclefähig“, hob Castiglione hervor. „Ich finde keinen Hinweis dafür, dass ein Kunstrasen eine falsche Entscheidung ist.“

In das Sportplatz-Portfolio einer Stadt gehörten beide Arten, Natur- und Kunstrasen. „Man braucht diese Bandbreite, um gut aufgestellt zu sein“, sagte Castiglione. Zugleich wollte er jedoch nicht unerwähnt lassen, dass man in der Diskussion schon „auf einem anderen Level“ angekommen sei. Man wolle aber den Wissensstand weiter erhöhen. „Vieles wird falsch verstanden“, meinte der Jahn-Fußballobmann. Auch Jürgen Schulenberg vom Delmenhorster TB, der stellvertretend für den 2. Vorsitzenden Hamid Mehrdadi vor Ort war, betonte, dass man bei dem Thema in der Stadt „weiter als jemals zuvor“ sei. Schließlich habe man im Sportausschuss ein positives Ergebnis erzielt und es auf die Tagesordnung des Rats geschafft, wenngleich die Entscheidung dort anders als gewünscht ausfiel. „Wir werden die Gespräche nach der Sommerpause fortsetzen“, kündigte Schulenberg an.

Zum Hintergrund: Die EU-Kommission hat in dieser Woche klargestellt, dass nicht an einem grundsätzlichen Verbot von Kunstrasenplätzen gearbeitet werde. „Die Kommission bereitet keinen derartigen Vorschlag vor“, sagte eine Sprecherin. Ob oder wann das Granulat, das auf Tausenden Plätzen derzeit noch zum Einsatz kommt, nicht mehr erlaubt sei, ließ die Sprecherin jedoch offen.

Die Kommission teilte mit, sie arbeite daran, die Nutzung von umwelt- und gesundheitsschädlichem Mikroplastik in der Union zu vermindern und die Entwicklung nachhaltigerer Alternativen zu fördern. Das könnte demnach auch das Granulat betreffen. Man sei sich aber der Bedeutung von Kunstrasenplätzen bewusst und werde eine verhältnismäßige Entscheidung treffen. Derzeit liefen Untersuchungen zu den möglichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Einschränkungen für den Gebrauch von Mikroplastik, hieß es aus der Behörde.

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