Mädchen- und Frauenfußball

Mehr Mädchen auf die Fußballplätze

Der TV Jahn Delmenhorst ist in der Region federführend im Bereich Mädchen- und Frauenfußball. Doch die Gesamtzahl der kickenden Mädchen und Frauen sinkt. Nun kooperieren Jahn, DTB und TuS Heidkrug.
02.09.2020, 17:05
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Mädchen auf die Fußballplätze
Von Michael Kerzel
Mehr Mädchen auf die Fußballplätze

Anna Mirbach (links) gehörte jahrelang zu den prägenden Akteurinnen beim TV Jahn. Aktiv spielt sie nicht mehr, bietet aber Sondertraining für interessierte Mädchen an.

INGO MÖLLERS

Die sinkende Zahl an Fußballspielerinnen zwingt immer mehr Vereine dazu, über Zukunftskonzepte nachzudenken. In Delmenhorst haben sich die Verantwortlichen des TV Jahn, des TuS Heidkrug und des DTB nun dazu entschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen. Ab dieser Spielzeit gehen eine Mannschaft in der E-Jugend und zwei in der C-Jugend als JSG Delmenhorst an den Start. Die B-Jugend firmiert unter TV Jahn Delmenhorst, da die Regionalliga-Mannschaft der Violetten nach den Statuten einen Unterbau vorweisen muss.

Die Koordination der Teams liegt in erster Linie in den Händen von Heike Wiltfang, die beim TV Jahn für den Mädchen- und Frauenfußball zuständig ist. Mit Bernd Hannemann und Petra Zimolong stehen ihr beim TVJ erfahrene Kräfte aus dem Frauenfußball zur Seite. Zudem helfen Sascha Voigt, Erich Meenken und Uwe Raß – Vorsitzende des TuS, des DTB und des TV Jahn – sowie Hamid Mehrdadi, der beim DTB die Fußball-Sparte verantwortet. Kürzlich unterzeichneten die Vorsitzenden den Kooperationsvertrag.

Erklärtes Ziel ist es, den Mädchenfußball in der Stadt zu fördern. „Wir freuen uns, dass wir es geschafft haben, den Vereinsvorsitzenden aufzuzeigen, dass es wichtig ist zusammenzuarbeiten. Mädchen und Frauen müssen im Fußball mehr gefördert werden und das geht nur gemeinsam“, sagte Hannemann anlässlich der Unterzeichnung der Verträge. Das sei dringend nötig, fügte Meenken hinzu. „Die Zahlen im Mädchenbereich sind horrend zurückgehend. Da müssen wir jetzt die Kräfte bündeln und nachhaltig denken“, meinte er.

Grundsätzlich, sagte Mehrdadi, reiche es nicht, ein paar Mädchen zu einer Mannschaft zusammenzustellen und diese auf den grünen Rasen zu schicken. „Wir brauchen Aktionen, um Mädchen und Frauen für den Fußball zu begeistern“, teilte er mit. Unter anderem sollen Projekte wie der für Oktober geplante Mädchenfußballtag helfen, neue Spielerinnen zu gewinnen. Die Mädchen sollen in den Schulen angesprochen beziehungsweise über Projekte an den Ball gebracht werden.

Sowohl über die diversen Social-Media-Kanäle als auch vor Ort soll der Mädchenfußball präsenter werden. „Daher trainieren die Teams im Wechsel bei den drei Vereinen. Es ist wichtig, dass die Mädchen auf allen Anlagen zu sehen sind“, sagte Hannemann. Gerade im Bereich der F- und E-Jugend haben die Vereine massive Probleme, Fußballerinnen zu finden. „Das ist ein Problem. Es braucht eine persönliche Ansprache in den Schulen“, sagte Meenken. Generell sei es schwieriger als noch vor Jahren und Jahrzehnten, Kinder und Jugendliche für Sport zu begeistern. Das liege daran, dass es immer mehr Freizeit-Angebote und Ganztagsschulen gebe.

Hinzu kommen noch infrastrukturelle Probleme: „Wir haben mit den vorhandenen Kabinen Probleme. Man kann auch mal zwei Jungenteams zusammen in eine stecken, aber zusammenmixen mit Mädchen geht nicht. Da ist auch die Stadt gefordert. Sie muss da Farbe bekennen“, forderte Voigt. Ebenso muss seiner Ansicht nach der Deutsche Fußball-Bund mehr Gelder zur Verfügung stellen, um den Mädchenfußball zu fördern. „Der Frauenfußball braucht insgesamt mehr Lobby. Es ist die Aufgabe der Vereine, mehr zu trommeln“, meinte der TuS-Vorsitzende.

Frauenfußball habe einen schweren Stand, berichtete Raß. „Ich merke ja selbst, wie schwierig es ist. Es ist fast unmöglich, Zuschauer zu gewinnen. Da kann man die Glocke immer wieder läuten, was wir ja auch machen, dennoch kommen nur Angehörige“, berichtete der Jahn-Vorsitzende und bezog sich damit vor allem auf das fußballerische Aushängeschild: die in der Regionalliga spielenden Jahn-Damen. Raß hofft, dass die Kooperation dieses Mal funktioniert und nicht bereits nach kurzer Zeit im Sande verläuft, wie es in der Vergangenheit häufiger passierte. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kooperationen es schon gab. Dieses Mal soll es länger halten. Bei den handelnden Personen bin ich aber auch zuversichtlich, dass es klappt“, sagte er.

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