Fußball Patrick Drewes: Mehr Zeit für das Fernstudium

Patrick Drewes ist derzeit genau wie andere Profifußballer gezwungen, zu Hause zu bleiben. Die durch das Coronavirus gewonnene Freizeit versucht der Torhüter des VfL Bochum sinnvoll zu nutzen.
08.04.2020, 11:59
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Patrick Drewes: Mehr Zeit für das Fernstudium
Von Maurice Reding

Patrick Drewes erinnert sich noch ganz genau. Vor knapp drei Wochen stand für den VfL Bochum in der zweiten Fußball-Bundesliga eigentlich ein wichtiges Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim an. „Ich habe mich intensiv auf den Gegner vorbereitet. Als ich auf dem Weg nach Hause war, habe ich erfahren, dass das Spiel abgesagt wurde“, erzählt der VfL-Torhüter. Das Coronavirus hat den Bochumern und dem gesamten Profifußball einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bis zum 30. April ruht der Ball – mindestens. Die Spieler sind gezwungen, zu Hause zu bleiben. Der Alltag ist auf den Kopf gestellt. Doch wie sieht dieser bei einem Profifußballer aus?

„Man muss kreativ werden. Ich mache mir einen festen Plan mit Sachen, die ich mir vornehme“, versucht der gebürtige Delmenhorster eine feste Struktur in seinen Tagesablauf zu kriegen. Doch das ist gar nicht so leicht. Bestand ein Tag normalerweise aus mindestens einem Mannschaftstraining, sieht dieser nun anders aus. Jeder VfL-Profi hat vom Trainerteam einen individuellen Trainingsplan mit nach Hause bekommen. Auf Drewes Trainingsplan steht unter anderem ein Stabilitätsprogramm für den Oberkörper und die Beine. „Das sind alles Übungen, die man zu Hause ohne Geräte machen kann“, sagt er. Hinzu kommen jeden Tag ein Ausdauerlauf und kürzere Sprints. „So kommt man wenigstens mal raus“, freut sich Drewes über den kurzen Ausflug in die Natur. Dennoch fehle ihm das Training. „Das Programm zu Hause ist natürlich anders als das Training auf dem Platz. Das kann man nicht simulieren. Man braucht Mannschaftstraining“, sagt er.

Wenn der 27-Jährige sein Programm absolviert hat, hat er vor allem eins – viel Freizeit. Und mit dieser weiß Drewes durchaus etwas anzufangen. „Filme und Serien bieten sich natürlich an. Bei Serien suche ich aber noch eine gute“, erzählt er. Außerdem kann sich der Keeper nun voll und ganz auf sein Fernstudium (Immobilienmanagement) konzentrieren, das er seit gut zweieinhalb Jahren absolviert. „Dafür habe ich deutlich mehr Zeit, als wenn wir normales Training haben“, sieht Drewes die ganze Sache positiv.

Das individuelle Programm kann kein Mannschaftstraining – und erst recht kein Spiel – ersetzen. „Ich hoffe natürlich, dass wir bald wieder Mannschaftstraining absolvieren können“, sagt Drewes. „Momentan wird aber Woche für Woche bekannt gegeben, wie es weitergeht.“ Drewes Wunsch wird zumindest teilweise erfüllt. Seit diesem Montag trainieren die Bochumer in Kleingruppen auf dem Trainingsgelände an der Castroper Straße. Möglich macht dies eine Aktualisierung der seit dem 22. März geltenden Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Demnach falle Sport nicht mehr unter die Bereiche, die eine Kontaktsperre nach sich ziehen. „Das ist ein guter Fortschritt“, findet Drewes.

Am 17. April findet eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) statt, bei der die 36 Profivereine gemeinsam mit der DFL beraten wollen, ob und wie es weitergeht. Sollte die Saison nach dem 30. April tatsächlich fortgesetzt werden, wären Geisterspiele wohl unumgänglich. „Aus finanzieller Sicht ist es notwendig, dass die Saison zu Ende gespielt werden muss“, sagt Drewes. Ob das dann in Form von Geisterspielen geschehe, müsse abgewartet werden. Drewes: „Das ist von anderen Faktoren abhängig.“

Um den VfL Bochum finanziell zu entlasten, haben sich die Spieler – wie bei vielen anderen Profiklubs auch – dazu entschlossen, bis zum 30. Juni auf einen Teil des Gehalts zu verzichten. „Wir haben das von anderen Spielern von anderen Vereinen mitbekommen und haben dann das Gespräch mit der Vereinsführung gesucht. In dem Gespräch haben wir besprochen, wie es finanziell weitergehen könnte. Die Überlegung, auf einen Teil des Gehalts zu verzichten, kam dann beidseitig“, erzählt Drewes.

Bis Patrick Drewes wieder ein Spiel vor Zuschauern erlebt, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Das Training in Kleingruppen ist nur ein erster Schritt hin zum normalen Alltag. Bis dieser wieder eintritt, kann der Delmenhorster seine hinzu gewonnene Freizeit mit dem Fernstudium sinnvoll nutzen.

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