Fußball-Kreisliga

Reserve des SV Atlas dominiert

Die Hinrunde ist absolviert und der SV Atlas hat jedes Spiel gewonnen. Doch auch der Tabellenzweite könnte es unter Umständen in die Bezirksliga schaffen. Andernorts in Delmenhorst herrscht Abstiegskampf.
04.12.2019, 12:54
Lesedauer: 9 Min
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Von Ralf Kilian
Reserve des SV Atlas dominiert

Gewohntes Bild in der Fußball-Kreisliga: Dominik Entelmann feiert einen Treffer des SV Atlas Delmenhorst II.

INGO MÖLLERS

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Vor der Saison wurde ein spannender Dreikampf um den Titel in der Fußball-Kreisliga prognostiziert. Zur Halbserie muss man konstatieren: Es gibt alles, nur keine Spannung im Meisterschaftsrennen. Der SV Atlas Delmenhorst II hat bisher alle Spiele gewonnen und könnte höchstens nochmal in Schwierigkeiten kommen, weil aufgrund von vier Absagen erst 14 Partien absolviert wurden. Die Mitfavoriten des Ahlhorner SV und Harpstedter TB folgen zwar auf den Rängen zwei und drei, sind aber bei neun beziehungsweise elf Punkten Rückstand keine ernstzunehmenden Verfolger mehr. Zumal Atlas noch zwei Nachholspiele zusätzlich in der Hinterhand hat.

Die Hinrunde war ein Beleg dafür, dass sich im Fußball Glück und Pech oft ausgleichen: Schon im Vorjahr war Atlas ein heißer Favoritentipp. Doch man verlor im Herbst 2018 Spiele auf eine Art und Weise, die Trainer Daniel von Seggern ratlos machte. Als die Mannschaft dann endlich – die bis dato letzte Punktspielniederlage datiert vom 19. Oktober 2018 beim TSV Großenkneten – einen erfolgbringenden Weg zwischen viel Ballbesitz und Konterabsicherung gefunden hatte, war der spätere Meister TuS Heidkrug schon enteilt. Dafür kam das Glück im Sommer 2019 gleich in der Form zurück, dass sich Ahlhorn und Harpstedt durch teilweise tragische Verletzungen und eine misslungene Saisonvorbereitung auf ein Niveau „herunterverletzten“, das Atlas auch an schwächeren Tagen mühelos toppen kann.

Meisterschaft ist (vor)entschieden

Seit der Pleite in Großenkneten ist die Atlas-Reserve 30 Begegnungen unbesiegt, gewann davon 26. Saisonübergreifend werden 136:24 Tore gezählt, davon 76:8 in dieser Spielzeit. Diese Dominanz entstand nicht etwa, weil sich von Seggern Woche für Woche aus dem Oberligakader bediente. Verstärkungen gab es eher punktuell, waren aber auch selten notwendig. Ein Dutzend Akteure kommen auf mindestens zehn Einsätze in nur 14 Partien, bei so viel Kontinuität herrscht blindes Verständnis. Die meisten Einsatzminuten weisen Milot Ukaj und Dominik Entelmann auf – und durften sich dabei herrlich austoben. Es ist keine gewagte Prognose, wenn man vorhersagt, dass auch die Torjägerkanone nach Düsternort geht und entweder Ukaj (bislang 26 Treffer) oder Entelmann (22) gehören wird. Einziger Schönheitsfleck war das 1:6-Pokal-Aus gegen Ahlhorn. An diesem September-Abend hat sich gezeigt, wie Atlas beizukommen ist: Mit guter Organisation in der Defensive, schnellen Kontern und gnadenloser Chancenverwertung.

Die momentan einzige Gemeinsamkeit zwischen Atlas und Ahlhorn besteht darin, dass beide Cheftrainer vorzeitig ihren Abschied zum Saisonende angekündigt haben. Während von Seggern eine familiäre Pause einlegen und die Freizeit für Trainerfortbildungen nutzen will zieht es Servet Zeyrek zu einem höherklassigen Verein. Bis dahin soll es im Idealfall in Ahlhorn doch noch mit dem Bezirksligaaufstieg klappen. Das wäre möglich, wenn der VfL Wildeshausen die Landesliga hält und der hiesige Kreisliga-Vize die Relegation mit dem Dritten der Kreisliga Jade-Weser-Hunte (momentan der ESV Wilhelmshaven) gewinnt.

Möglicher Aufstieg über Relegation

Die erhoffte Meisterschaft entschied sich im Grunde schon am 2. Spieltag gegen den ASV, und zwar in der 42. Minute beim VfR Wardenburg. Ahlhorns Bester, Liridon Stublla, zog sich bei einem Zusammenprall eine schwere Knieverletzung zu. Der Anblick war ein großer Schock für die Mitspieler, die an diesem Abend 2:6 verloren. Dazu muss man wissen, dass Atlas eine Woche zuvor mit 8:1 über Wardenburg triumphiert hatte. Wiederum zehn Tage später überrollte die Atlas-Reserve Ahlhorn mit 5:0 – die Fronten waren geklärt. Denn neben Liridon Stublla fiel auch Abwehrchef Mirsad Stublla die komplette Hinrunde aus. Die Folge war eine löchrige Viererkette mit 36 Gegentreffern, das ist nur der siebtbeste Wert. Trotzdem ist Zeyrek optimistisch: „Wenn man bedenkt, dass uns von Beginn der Saison sehr wichtige Spieler ausfallen, schlagen wir uns gut. Unter diesen Umständen bin ich zufrieden mit der Hinrunde. Wenn es optimal läuft werden wir Zweiter.“

Neben Verletzungspech – im ersten Saisondrittel fielen die Sturmspitzen Niklas Fortmann und Timo Höfken aus – schwächte sich der Harpstedter TB durch eine bescheidene Saisonvorbereitung quasi selbst. „Bescheiden“ ist eine sehr höfliche Umschreibung von Trainer Jörg Peuker, der sämtliche Vorbereitungspläne mangels Beteiligung nicht umsetzen konnte. „Dennoch waren wir bis zum Atlas-Spiel Verfolger Nummer eins“, berichtet er. Nach dem 1:2 bei Atlas am 8. Spieltag gab es für den HTB unerwartete Pleiten gegen RW Hürriyet, TV Dötlingen und TSV Ganderkesee – und anschließend eine Aussprache. „Danach lief es wie geschnitten Brot, die letzten Spiele waren quasi überragend“, freut sich Peuker über den Aufschwung. „Der Relegationsplatz gab da mit Sicherheit eine zusätzliche Motivation.“ Momentan sind es noch zwei Punkte Rückstand auf Ahlhorn, wobei der HTB das Hinspiel mit 3:0 gewann.

Zweikampf um Platz zwei

Es ist eher nicht zu erwarten, dass noch andere Vereine für den möglichen Relegationsplatz in Frage kommen. Letztjährige Spitzenteams wie Großenkneten und Wardenburg verloren in der vergangenen Transferperiode zahlreiche Leistungsträger verloren. Daraus resultierte ein schlechter Saisonstart, insofern sind die Plätze vier (TSV) und sechs (VfR) ein gutes Zwischenresultat. Dem TV Munderloh konnte man Platz fünf zutrauen, Dötlingen kann auf Rang acht noch auf vier Nachholspiele setzen. Damit wird man den verjüngten Pokalsieger TSV Ganderkesee vermutlich zeitnah überholen. TSV-Trainer Stephan Schüttel blickt auf eine durchwachsene Halbserie zurück: „Wir sehen noch Luft nach oben. Leider haben wir nicht in allen Spielen gezeigt, was drin ist.“ Zu Hause bejubelte Schüttel starke Auftritte gegen Ahlhorn (3:3) und Harpstedt (3:2), auswärts setzte es ein 0:8 bei Atlas.

Mit dem TV Jahn und Rot-Weiß Hürriyet profitierten zwei Delmenhorster Vereine von einem günstigen Spielplan und zehrten lange von der Anfangseuphorie. Jahn ist zu Hause neben Atlas die einzige ungeschlagene Mannschaft, nahm am Blücherweg TuS Hasbergen (8:2), KSV Hicretspor (8:0) und TV Falkenburg (10:0) auseiannder. Diese drei Festivals fanden allesamt schon im August statt. In der Rückrunde stehen noch sämtliche Heimspiele gegen die Top fünf der Liga an. „Ich denke, bei uns kommen die Zuschauer immer häufiger auf ihre Kosten. Die Entwicklung der Mannschaft von einem Abstiegskandidaten zu einem Topteam ist in vollem Gange“, meint Trainer Arend Arends.

Ähnlich erfolgreich, zumal derzeit punktgleich, ist Hürriyet. Die kuriosen Ergebnisse (Siege in Harpstedt und Munderloh, aber auch ein 0:13 in Großenkneten) erklärt Trainer Murat Turan mit großen Personalsorgen: „Das Spieler wie Enes Külünk und Marten Nordhoff die ganze Hinrunde ausfallen, dazu immer wieder wichtige Leistungsträger, ist schon enttäuschend für einen Trainer. Zudem hatten wir oft keinen Torwart. Wenn in der Rückrunde alle gesund bleiben, ist noch die eine oder andere Überraschung für uns machbar.“ Besonders daheim, denn Hürriyet lief schon elfmal auf fremden Plätzen auf, aber nur fünfmal zu Hause.

Abstiegskampf in Delmenhorst

Hinter dem bislang sehr konstanten und besten Aufsteiger VfL Wildeshausen II auf Rang elf beginnt so langsam die Abstiegszone. Wobei man dem FC Huntlosen auch aufgrund des Kunstrasens einen guten Start in die Restsaison zutrauen kann, der dann schon zum Klassenerhalt reichen sollte. Wetterunabhängig kann demnächst auch die Reserve des VfL Stenum trainieren und spielen, wenn der Kunstrasen am Kirchweg fertiggestellt ist. Aber auch so hat sich der Last-Minute-Aufsteiger im Saisonverlauf immer besser akklimatisiert. Anfangs beklagte Trainer Frank Radzanowski oft noch fehlenden Mut, der aber spätestens mit den abschließenden Erfolgen in Hasbergen (2:1) und gegen Wildeshausen (2:0) ausreichend vorhanden sein sollte.

Mitaufsteiger KSV Hicretspor feierte zwar vier Heimsiege, darunter Big Points gegen Stenum (3:2) und Hasbergen (3:0), nahm auswärts aber in neun Partien nur ein 3:3 aus Falkenburg mit. „Gerade in der Woche fielen uns immer viele wichtige Spieler aus, darunter die Torjäger Germain Martens und Sinan Yorgancioglu. Wir werden uns in der Winterpause verstärken und müssen einfach besser trainieren“, beklagt Coach Timur Cakmak, der sich oft selbst aufstellen musste. Denn der Vorsprung auf Hasbergen beträgt lediglich drei Punkte. Dessen Absturz begann schon in der Rückrunde der Vorsaison. Viele Spieler verließen aufgrund atmosphärischer Störungen den Verein. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man den Saisonetat am Tell im Vergleich beispielsweise zum Ahlhorner SV irgendwo im Promillebereich einordnet. Anfangs schien Chawkat El Hourani ein Himmelfahrtskommando übernommen zu haben. Aber zum Ende häuften sich Lichtblicke wie die Erfolge in Wardenburg und Wildeshausen (jeweils 5:3). Nur zu Hause wurden die Fans enttäuscht, alle acht Heimspiele gingen in die Hose.

Ganz am Ende wird es der TV Falkenburg schwer haben, acht Punkte Rückstand in nur noch 13 Partien aufzuholen. Zumal Georg Zimmermann mit seinem zwar großen, aber mit wenig Qualität gespickten Kader überhaupt erst fünf Zähler verbuchen konnte. „Zeitweise spielten wir mit fünf oder sechs 18-Jährigen. Dadurch haben wir trotz einiger guter Spiele viel zu wenig Punkte. Allerdings ist der Zusammenhalt nach wie vor gut“, hofft der Trainer auf eine bessere Rückrunde. Im Juni reichten 20 Punkte zum Klassenerhalt, damit dürfte es diesmal eng werden. Zudem schluckten die Falken 105 Gegentreffer und blieben trotzdem drin.

Gesunkenes Niveau

Das lässt vermuten – man kann es auch allgemein auf den Kreisligaplätzen beobachten – dass das Niveau zuletzt gesunken ist. Der Hauptgrund ist, dass die Liga immer wieder ihre Meister an den Bezirk verliert und in den vergangenen beiden Jahren keine Absteiger von oben aufgenommen werden mussten. Sechs der jetzigen Kreisligisten kickten vor zwei Jahren noch eine Etage tiefer. Und es droht eine weitere Verwässerung: Sollten sich wieder alle Bezirksligisten halten – FC Hude rangiert zwar auf einem Abstiegsplatz, ist aber alles andere als abgeschlagen – und der Kreisliga-Vize steigt über die Relegation auf, dürfte die 1. Kreisklasse vier Aufsteiger stellen. Nach jetzigem Stand wären das Hude II, SV Achternmeer (im Sommer mit nahezu unveränderter Truppe 133 Gegentore in der Kreisliga), SF Wüsting und entweder Harpstedt II oder Tur Abdin II. Es könnte auch zu einem Comeback des einst ruhmreichen Delmenhorster BV kommen oder die Beckeln Fountains geben ihren Einstand.

Statistiken zur Kreisliga

Die Torjägerkrone war in der Vorsaison mit 28 Treffern relativ billig zu haben. Auch deshalb gab es am Ende gleich drei Sieger mit Dominik Entelmann, Emiljano Mjeshtri (beide Atlas II) und Shqipron Stublla (damals Dötlingen, jetzt Ahlhorn), gefolgt vom Harpstedter Niklas Fortmann mit 27 Buden. Mit bereits 26 Treffern in nur 14 Spielen wird Milot Ukaj die Marke der letzten Spielzeit vermutlich schon bald übertreffen. Einziger Verfolger ist Titelverteidiger Entelmann mit 22 Toren, danach folgt Großenknetens Lucas Abel (17).

Die höhere Anzahl an Toren liegt vermutlich auch am bereits angesprochenen Qualitätsverlust. Im Vorjahr notierte die Kreisliga einen Toreschnitt von 4,7 pro Begegnung, jetzt sind es 5,3. Noch 2017/18 fielen in der gesamten Saison (240 Spiele) nur 1093 Treffer. Das steigerte sich 18/19 auf 1127. Wenn die Stürmer ihre jetzige Treffsicherheit beibehalten, werden es im Sommer 2020 dann 1265 Tore sein.

Viermal ging es schon zweistellig aus: Großenkneten besiegte Hürriyet mit 13:0, Jahn gewann mit 10:0 gegen Falkenburg. Auswärts triumphierte Atlas II mit 10:0 bei Hicretspor und Harpstedt 10:2 in Hasbergen. Überhaupt war der TuS Hasbergen immer für ein Spektakel gut: 5:6 nach 5:2-Führung gegen Ahlhorn, dafür 6:5 in Falkenburg. Dazu ein nicht minder dramatisches 4:5 (nach 4:2) bei Rot-Weiß Hürriyet. In den 16 Spielen der Hasberger fielen satte 120 Tore, das sind 7,5 pro Spiel.

TuS Hasbergen ist unfairstes Team

Es war immer was los in Hasbergen – auch in negativer Hinsicht. 48 gelbe Karten sind der Höchstwert, dazu kamen sieben Ampelkarten und viermal glatt Rot. Insgesamt summiert sich das auf 89 Strafpunkte und einen Quotienten von 5,56. Zum Vergleich: Im Vorjahr häufte die unfairste der insgesamt gewerteten 957 Mannschaften Niedersachsens – der SV Schwarzer Berg aus der Kreisliga Braunschweig – einen Quotienten von 5,46 an. Rot-Weiß Hürriyet mit 5,06 hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert, davor ging es deutlich gesitteter zu. Spitzenreiter im Fairness-Ranking ist der Harpstedter TB (14-mal Gelb, einmal Rot) mit nur 19 Strafpunkten und einem Quotienten von 1,18. Der TV Munderloh kam als einzige Mannschaft ohne Platzverweis aus.

Es verwundert nicht, dass auch die fleißigsten Kartensammler aus Hasbergen kommen. Houssein Hazimeh flog gleich dreimal vom Platz, davon zweimal mit glatt Rot und einmal per Ampel. Sein Kollege Imdat Celik durfte zweimal nach Gelb-Rot frühzeitig duschen. Bei den Verwarnungen ist Malte Bolling aus Huntlosen mit zehn Gelben Karten einsame Spitze. Nur Großenknetens Timo Pöthig kann mit siebenmal Gelb ansatzweise folgen.

Das Fairness-Level der Vorsaison kann die Liga nur in etwa halten. Im Sommer 2019 wurden nach 240 Spielen 30 Rote Karten und 42 Ampeln notiert, also insgesamt 72 Platzverweise. Jetzt sind es nach 130 gespielten Partien 48 Platzverweise. Anders als gewohnt ist allerdings, dass die Roten Karten überwiegen. Diese wurden nämlich bereits 27-mal gezückt, Gelb-Rot gab es nur 21-mal. In der Saison 18/19 flogen „nur“ 30 Sünder mit glatt Rot vom Platz, jetzt sind es schon 27. Da wackelt sogar der Rekord aus dem Jahre 2016 mit 44 Roten Karten. Dazu gab es damals 56-mal Gelb-Rot. In diesem Winter haben 14 Mannschaften zusammen nur elf Ampelkarten bekommen, Hürriyet (drei) und Hasbergen (sieben) dagegen zusammen schon zehn.

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