Jugendfußball

Spielgemeinschaft für Delmenhorst

Der SV Atlas und der DTB schließen sich im Jugendbereich zur JSG Delmenhorst zusammen. Die Förderung von Talenten soll verbessert, aber auch den weniger talenttierten Kickern eine Heimat gegeben werden.
12.04.2019, 16:16
Lesedauer: 3 Min
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Spielgemeinschaft für Delmenhorst
Von Michael Kerzel
Spielgemeinschaft für Delmenhorst
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Delmenhorst. Ab der kommenden Spielzeit geht in Delmenhorst eine Fußballspielgemeinschaft an den Start. Der SV Atlas Delmenhorst und der Delmenhorster TB legen ihre Jugendabteilungen zusammen. Knapp 300 Kinder und Jugendliche laufen derzeit in 16 Mannschaften – sieben für den DTB, neun für den SVA – auf. Künftig treten sie als JSG Delmenhorst an. Verantwortung tragen die bisherigen Jugendabteilungsleiter Bartosch Kobiella (Atlas) und Jens Düßmann (DTB), im Hintergrund haben die Vorsitzenden der Vereine, Manfred Engelbart (Atlas) sowie Erich Meenken und Hamid Mehrdadi (DTB) die Fäden gezogen. „Alle Vereine haben Jugendprobleme, außer vielleicht dem TV Jahn und dem TuS Heidkrug. Alle anderen sind langfristig alleine nicht überlebensfähig“, nennt Engelbart einen Grund für den Zusammenschluss. Jugendförderung sei zudem die beste Investition in die Zukunft, auch um Kinder von der Straße zu holen. Eine für die Allgemeinheit offene Informationsveranstaltung zur JSG ist für Donnerstag, 25. April, vorgesehen. Los geht es um 19.30 Uhr beim DTB, Am Kleinen Meer.

Hamid Mehrdadi, 2. Vorsitzender des DTB sowie stellvertretender Fußball-Abteilungsleiter, betont, dass die JSG auch für alle andere Vereine der Stadt offen ist. „Die Zeit des Neides zwischen den Vereinen ist zu Ende. Das muss in die Köpfe rein. Seit der Kunstrasendebatte sitzen wir in einem Boot“, meint er. Ziel ist es mittelfristig, dass Jugendmannschaften aller Altersstufen auf einem durchgängig hohen Niveau spielen. „Aber erst mal ist es wichtig, von der G- bis zur A-Jugend jeweils mindestens ein Team zu stellen. Dann kann man Aufstiege ins Auge fassen. Das dauert ein paar Jahre“, blickt Kobiella voraus. Einfach wird es nicht, das zeigen die Erfahrungen mit Spielgemeinschaften in Delmenhorst. „Es ist ein steiniger Weg, das wissen wir“, sagt Engelbart.

„Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und werden auch weiter lernen“, fügt Mehrdadi hinzu. Die Verantwortlichen der JSG würden sicherlich nicht alles richtig machen, schiebt er hinterher, aber dennoch sei die JSG eine große Chance. „Wir wollen auch für alle Teams lizenzierte Trainer“, sagt Mehrdadi. Schließlich sollen die größten Delmenhorster Talente bei der JSG spielen und in einigen Jahren den Kern der höchstspielenden Mannschaft in Delmenhorst bilden. Die weniger talentierten Spieler könnten in den unteren Klassen zu den Herrenteams des DTB und des SVA stoßen. „Mit der JSG hat man bessere Möglichkeiten, die Spieler im Verein zu halten“, sagt Mehrdadi. Anreiz für talentierte Jugendliche ist, dass der SV Atlas, als Aushängeschild des Delmenhorster Fußballs, die eigenen Nachwuchsspieler ausgiebig beobachtet. Für die weniger talentierten Spieler ist die JSG sinnvoll, da es anders als in den Einzelvereinen wahrscheinlicher ist, dass es mehrere Teams pro Altersstufe gibt und Kinder und Jugendliche so in leistungsgerechten Teams spielen.

In welchen Ligen die JSG antritt, wie die Mannschaften genau zusammengestellt werden und wer Trainer wird, wird noch geklärt. „Da müssen die Jugendleiter dann ihre Hausaufgaben machen“, sagt Mehrdadi. Zwei C-Jugenden werden unter dem Namen SV Atlas Delmenhorst antreten. Eine Jugendmannschaft in den Jugenden C bis A ist Pflicht, um die Lizenz für die Oberliga zu bekommen. Einen JSG-Sichtungstag im Sommer, bevor die Saison startet, wird es geben. Die Vereinsfarben werden schwarz und weiß sein.

Um Streit zwischen den Stammvereinen der JSG zu vermeiden, haben die Verantwortlichen möglichst viele Szenarien im Rahmenvertrag festgehalten. „Sechs Monate hat das gedauert“, berichtet Mehrdadi. Unter anderem steht darin, dass die aktuellen Spieler bei ihren Vereinen bleiben und dass Neuverpflichtungen zu gleichen Teilen auf die Stammvereine aufgeteilt werden. Zudem ist festgehalten, dass Spieler beim Übergang von der A-Jugend zu den Herren mindestens ein Jahr bei ihrem Stammverein bleiben müssen. Eine Ausnahme bildet, wenn sie in einer höheren Liga spielen können. Sprich: Schafft es ein beim DTB angemeldetes Talent in den Kader von Atlas (sofern Atlas höher spielt als der DTB), darf er dorthin wechseln. Die Regel wird interessant, falls weitere Vereine zu der JSG hinzukommen und die Stammvereine dann in der gleichen Liga antreten. Das Abwerben von Spielern zwischen den Stammvereinen ist untersagt, berichtet Mehrdadi. Tritt von außerhalb ein höherklassiger Verein an JSG-Akteure heran, sollen diesen keine Steine in den Weg gelegt werden, fügt Kobiella hinzu. Im Mittelpunkt, das betonen alle Verantwortlichen, soll Delmenhorst stehen. „Die Priorität haben nicht Atlas und der DTB. Wir müssen uns dafür stark machen, die guten Jungs in Delmenhorst zu halten. Neid, Missgunst und Eitelkeit haben in der Vergangenheit in Delmenhorst verhindert, dass Spielgemeinschaften funktionieren. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das dieses Mal nicht passiert“, betont Engelbart.

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