Kunstrasenplatz

Ein Kunstrasen für Delmenhorst

Der Sportausschuss der Stadt Delmenhorst hat für den Bau eines Kunstrasenplatzes in Stickgras gestimmt. Zudem soll eine neue Sporthalle auf dem Stadiongelände entstehen.
06.05.2020, 15:48
Lesedauer: 4 Min
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Ein Kunstrasen für Delmenhorst
Von Michael Kerzel
Ein Kunstrasen für Delmenhorst

In Stenum (Foto) gibt es bereits einen Kunstrasen. Delmenhorst soll zeitnah ebenfalls einen solcher Allwetterplatz bekommen.

INGO MÖLLERS

Delmenhorst. Olaf Meyer-Helfers hatte sichtlich Spaß am frühen Dienstagabend in der Stadionhalle. Der Fachbereichsleiter Bildung, Sport und Kultur präsentierte den Mitgliedern des Sportausschusses und einigen interessierten Bürgern – vornehmlich Vertretern der hiesigen Fußballvereine – die Ergebnisse der Verwaltung zum Thema Bau eines Kunstrasenplatzes, einer neuen Halle und eines neuen Stadions. Er stellte für alle drei Vorhaben mögliche Standorte vor und erläuterte das jeweilige Pro und Kontra sachlich und klar verständlich. Als er beim Kunstrasenplatz angekommen war, stieg seine Laune.

Im Vorfeld hätte es, so sagte Meyer-Helfers, viele Spekulationen gegeben, wo ein solcher Allwetterplatz errichtet werden könnte. Doch die Lösung, die letztlich mit nur einer Gegenstimme von Uwe Dähne (Bündnis 90/Die Grünen und Partner) angenommen wurde, hatte niemand auf dem Schirm: Der Stadt gehört ein Grundstück bei der Grundschule Stickgras im Industriegebiet zwischen Stickgraser Damm und Langenwischstraße. Da auch die finanziellen Mittel bereits in den Haushalt eingestellt sind, könne die Umsetzung des Baus an diesem Standort zeitnah beginnen, wie Meyer-Helfers erklärte.

Der Kunstrasenplatz

„Das ist der Königsweg. Es ist ein städtisches Grundstück, das bereits als Sportfläche im Bebauungsplan ausgewiesen ist“, erklärte der Fachbereichsleiter. Zudem müsse hier kein bestehender Rasenplatz bei einem anderem Verein umgewidmet werden, wobei es zu Einschränkungen käme. „Eine Flutlichtanlage ist hier zudem möglich“, sagte er. Ein kleines Manko sei, dass ein Kabinentrakt gebaut werden müsste, da es vor Ort keinen gibt.

Meyer-Helfers hatte zuvor aufgezeigt, warum der Bau in Stickgras sinnvoller sei als auf den bestehenden Anlagen des Delmenhorster BV an der Schanzenstraße und des TuS Hasbergen Am Tell. Grundsätzlich ist vorgesehen, dass der Allwetterplatz keinem Verein zugeordnet wird, jeder hat das gleiche Anrecht auf die Nutzung. Bei den bestehenden Anlagen hätte jeweils ein Rasenplatz umgebaut werden müssen. „Das hätte zu Einschränkungen des Spielbetriebs geführt“, erklärte Meyer-Helfers. Andere Sportanlagen seien nicht untersucht worden, da dort die jeweilige Auslastung der Plätze höher als in Hasbergen oder beim DBV sei, und die Einschränkungen entsprechend größer gewesen wären. Zudem hätte es auf beiden Anlagen eventuelle Konflikte mit der Nachbarschaft wegen des Flutlichts gegeben, so denn dieses überhaupt hätte installiert werden können.

Letztlich sprach so gut wie alles für den Bau eines Kunstrasenplatzes in Stickgras. Das sahen auch die Mitglieder des Ausschusses so. Nur Dähne stimmte dagegen. Er wolle zunächst garantiert haben, dass es keine Probleme mit Mikroplastik gebe. „Und mir ist etwas mulmig, weil die finanziellen Mittel vor Corona bereitgestellt wurden“, sagte er. Sportlich hält er den Bau eines Allwetterplatzes für wünschenswert, „aber ich habe die Befürchtung, dass die Sanierung von anderen Sportstätten deswegen nicht passiert“.

Die Stadionhalle

Die derzeitige Stadionhalle ist marode, da sind sich alle einig. „Ein Neubau ist billiger als eine Sanierung“, sagte Meyer-Helfers. Zur Debatte standen zwei Modelle: Eine Mehrzweckhalle, in der auch ein kulturelles Programm veranstaltet werden kann, sowie eine neue Drei-Feld-Sporthalle. „Also eine Halle wie jetzt, nur in schick und schön“, erklärte Meyer-Helfers.

Eine Mehrzweckhalle benötigt dabei deutlich mehr Platz, etwa 20 000 Quadratmeter. Eine reine Sporthalle kommt hingegen mit rund 8500 Quadratmetern aus, was vor allem daran liegt, dass weniger Stellplätze für PKW benötigt werden, wie Meyer-Helfers erläuterte. Als Standort brachte er zunächst das Gebiet Am Wollepark 1 bis 5 ins Spiel. Der Bau einer Halle dort würde jedoch eventuell für Konflikte mit den Anwohnern sorgen, zudem bestehe hier keine unmittelbare Möglichkeit, Stellplätze anzubieten. Eine neue Halle neben der Stadtbadhalle oder auf dem aktuellen Parkplatz der Grafttherme sowie auf dem Platz der ehemaligen Delmehalle würde jeweils das gleiche Problem mit sich bringen: Der Kramermarkt wäre nur noch in sehr viel kleinerem Umfang möglich. Laut Meyer-Helfers ist das ein Ausschlusskriterium.

Er kam somit zu dem Schluss, dass eine Mehrzweckhalle aus Sicht der Fachverwaltung unrealistisch ist. Eine neue Sporthalle wäre am besten auf dem aktuellen Stadiongelände beheimatet. Ein großer Vorteil wäre, dass der Transport der Schüler zum Schulsport nicht umorganisiert werden müsste und durch die zentrale Lage gut funktionieren würde. Zudem müsste die Stadt kein neues Grundstück kaufen und könnte die vorhandenen Parkplätze nutzen. Die aktuelle Stadionhalle soll solange weitergenutzt werden, bis eine neue bezugsfertig ist.

Ein möglicher Standort auf dem Gelände wäre der Schlackeplatz. Doch diesen wollen die Leichtathleten behalten. „Es wäre ein trauriges Zeichen. Wir veranstalten hier regelmäßig Meisterschaften im Hammerwurf. Wenn die Halle dort hin soll, dann brauchen wir eine Alternative“, sagte Richard Schmid, der als beratendes Mitglied für den Sport im Ausschuss sitzt. Grundsätzlich stehe er hinter dem Entwurf der Verwaltung. „Es ist gut, dass die Mehrzweckhalle vom Tisch ist, das hätte erhebliche Einschränkungen für den Sport gebracht. Ich habe eine dringende Bitte: Stellen Sie Mittel für die Halle in den Haushalt ein und machen Sie nicht nur eine Willensbekundung“, appellierte er an die Politik. Der Bau dürfe nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. In der Vorlage, die mit einer Gegenstimme von Lothar Mandalka (FdU) angenommen wurde, steht: „Die Stadionhalle wird durch den Neubau einer Drei-Feld-Sporthalle auf dem Stadiongelände ersetzt.“

Das Stadion

Auch den Neubau eines Stadions untersuchte die Fachverwaltung. Ein solcher an einem neuen Ort würde rund 15 Hektar benötigen. Eine derartige Fläche hat die Stadt nicht. In Adelheide und auch Hinter der Anker gäbe es solche Flächen, aber diese müssten teuer gekauft werden, falls die Besitzer diese überhaupt veräußern würden. Auch der Transport der Schüler zum Schulsport wäre mit hohem Aufwand verbunden. Ergebnis: Ein neues Stadion ist aufgrund von Kosten, Größe und Infrastruktur nicht sinnvoll, sagte Meyer-Helfers. Er empfiehlt, das Sanierungspotenzial des aktuellen Stadions genauer zu untersuchen. Der Ausschuss folgte auch hier mit nur einer Gegenstimme Mandalkas’.

Die Verwaltung wird damit beauftragt, mögliche Optimierungsmaßnahmen zu prüfen und entsprechende Planungsschritte in die Wege zu leiten.

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