Städtisches Stadion

Keiner hat vor, Regionalliga zu verhindern

Die Delmenhorster Politik hat noch einige Fragen, bevor der SV Atlas 250 000 Euro erhalten soll.
05.06.2020, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Keiner hat vor, Regionalliga zu verhindern
Von Andreas D. Becker
Keiner hat vor, Regionalliga zu verhindern

Zu den Auflagen für die Regionalliga gehört, dass ein separater Gästeblock und eine Spielfeldsicherung im Stadion an der Düsternortstraße gebaut werden müssen.

nph / kokenge

Delmenhorst. „Keiner will verhindern, dass der SV Atlas in der Regionalliga spielt.“ Gaby Baumgart (SPD) sagte das, was viele der Politiker im Stadtrat denken dürften. Von daher können sie beim SV Atlas wohl schon mal ein Häkchen auf der Checkliste hinter den 250 000 Euro machen, die sie von der Stadt Delmenhorst überwiesen bekommen sollen, um das Stadion für die kommende Spielzeit regionalligafit zu gestalten. Aber ganz so forsch wollte die Politik dann doch noch nicht voranschreiten. „Es gibt aus den Reihen unserer Fraktion noch einige Fragen, die die Verwaltung bitte bis Montag beantwortet“, sagte Bastian Ernst (CDU), Vorsitzender des Ausschuss für Kultur und Sport, der am Donnerstag zwar über das Thema debattierte, die Entscheidung aber auf die kommende Woche verschob. Deswegen soll die Verwaltung auch so schnell antworten, damit im Verwaltungsausschuss (VA) und dann im Rat am Donnerstag, 11. Juni, alles eingetütet werden kann.

Es war der Politik anzumerken, dass sie nicht den Eindruck erwecken wollte, dass der große SVA ruft und die Politiker knallen die Hacken zusammen. Nicht wenn es um eine Subvention von 250 000 Euro geht. Das wird, sagte Gaby Baumgart, Begehrlichkeiten bei anderen wecken. Deswegen wollen sich die Politiker absichern, dass sie mit der Viertelmillion nicht direkt ein Tor aufschließen, durch das noch eine Vielzahl von Folgeforderungen fließen, weil die Anforderungsliste des Norddeutschen Fußballverbandes (NFV) umfangreich ist. „Müssen eventuell noch andere Sachen gemacht werden, wenn der SV Atlas in der Regionalliga spielt? Müssen größere Umkleidekabinen kommen? Muss ein Presseraum gebaut werden?“, fragte die SPD-Politikerin stellvertretend für ihre Kollegen.

Viele offene Fragen

Olaf Meyer-Helfers, der für Sportfragen in der Stadt zuständige Fachbereichsleiter, versicherte aber, dass alles, was da noch kommen könnte, nicht Sache der Stadt, sondern des Vereins wäre. „Es gab unsererseits bereits ein Abstimmungsgespräch mit dem NFV, in dem alle Auflagen abgesprochen worden sind“, führte er aus. „Und zwei Maßnahmen drücken uns Sorgenfalten auf die Stirn. Das eine ist der Gästekäfig, das andere die Spielplatzsicherung“, erklärte Meyer-Helfers. Beides müsse bis zum 22. August erledigt sein, dann ist der letzte Abnahmetermin des Fußballverbandes, Anfang September beginnt die Saison. Ach ja, die Lautsprecheranlage müsse auch noch erneuert werden. Im Vorgriff auf die Umgestaltung des Stadions solle dies geschehen, führte die Verwaltung auch noch in ihrer nun auf die nächste Woche geschobenen Beschlussvorlage aus. Und genau diese Anlage war es, die die meisten Politiker misstrauisch gemacht haben könnte und den Verdacht nährte: Kommt dann kleckerweise immer wieder Neues, was die Stadt noch bezahlen soll? Denn die Liste des Fußballverbandes ist „riesengroß“, wie Meyer-Helfers selbst einräumte.

Auf dieser Liste steht zum Beispiel auch eine Flutlichtanlage. Die kann aber, wie alles andere auch, später gebaut werden. „Wünschenswert wäre auch eine Digitalanzeige, ein eigener Raum für den Physiotherapeuten“, sagte der Fachbereichsleiter. Und eigentlich benötigt ein Regionalligist auch größere Umkleidekabinen. Eine Erneuerung an der Stelle wäre aber wohl allen Sportlern zu wünschen, allein schon weil die alten Umkleiden in ihrer gefliesten Muffigkeit in nicht all zu ferner Zukunft unter den Fittichen des Denkmalschutzes nicht mehr angetastet werden dürfen. „Wir haben dem Verein gegenüber klar gemacht, dass wir bei den zwingend erforderlichen Maßnahmen helfen, bei allem anderen muss der SVA selbst aktiv werden“, betonte Meyer-Helfers. Das werde in anderen Kommunen auch so gehandhabt, die Stadt hat da vorsichtshalber mal in Rehden und in Oldenburg nachgefragt.

Genaue Regelungen

Wegen des Bedarfs an weiteren Räumen werde zudem bei der Konzeption der neuen Stadionhalle darüber nachgedacht, was man dort mit unterbringen könnte, führte Meyer-Helfers weiter aus. Natürlich werde die Stadt aber schauen, ob es auch Umbauten auf der langen Liste des NFV gibt, von denen alle Nutzer des Stadions profitieren. Dazu gehört zum Beispiel ein Tribünendach, durch das es nicht mehr durchregnet. Und dazu gehören moderne Umkleiden. Dann werde sich die Stadt natürlich auch finanziell einbringen. Diese Details werden wohl erst im Sportstättenentwicklungskonzept ausgeführt werden.

Noch etwas anderes irritierte einige Politiker und auch die beratenden Mitglieder des Ausschusses: Der SVA bekommt das Geld und kümmert sich dann selbst um den Bau der Anlagen. Das sei aber schon des Öfteren geschehen, versicherte Meyer-Helfers. Richard Schmid sorgte sich auch, dass der Umbau des Stadions dazu führe, dass die Leichtathleten dort nicht mehr alle Anlagen wie gewohnt nutzen können. Aber auch das passiere nicht, sagte Meyer-Helfers. „Wir haben mit dem SV Atlas genau kommuniziert, dass es keine Einschränkungen für andere geben darf.“ Antje Beilemann (SPD, fraktionslos) mahnte die Verwaltung an, für Transparenz zu sorgen. „Wenn wir das Geld geben, sollte dieses Mal auch ein Zuwendungsbescheid ausgestellt werden.“ Darin wird genau geregelt, wofür der SV Atlas die Viertelmillion Euro ausgeben darf. Und im Umkehrschluss also auch: wofür nicht.

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