Stadion Delmenhorst

Stadionumbau kostet 40000 Euro mehr

Die Stadt und Atlas haben sich missverstanden: Der Rat hatte 300000 Euro für den Stadionumbau bereitgestellt und meinte Brutto, Atlas rechnete mit Netto. Jetzt muss die Stadt rund 40000 Euro nachschießen.
18.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Stadionumbau kostet 40000 Euro mehr
Von Michael Kerzel
Stadionumbau kostet 40000 Euro mehr

Die Umbauarbeiten im Stadion an der Düsternortstraße sind abgeschlossen, kosten letztlich aber mehr als 300 000 Euro – zumindest brutto.

Janina Rahn

300 000 Euro hatte der Rat der Stadt Delmenhorst bereitgestellt, damit der SV Atlas Delmenhorst das Stadion an der Düsternortstraße regionalligatauglich umbaut. Dafür bedurfte es den Gästebereich einzuzäunen und das Spielfeld durch eine Abgrenzung zu sichern. Das geschah durch den Bau von Zusatztribünen vor der Haupttribüne. Zudem wurde die Lautsprecheranlage erneuert. Die Arbeiten sind erfolgreich erledigt, doch nun muss die Stadt weitere 40 000 Euro aufbringen. Was war passiert? Die Verwaltung hatte die Mittel als Bruttobetrag verstanden, Atlas mit einen Nettobetrag gerechnet. In der Vorlage hierzu wurde seinerzeit der Betrag ohne Erläuterung, ob es sich um einen Brutto- oder Nettobetrag handelt, genannt. Ein Missverständnis.

Die Fachverwaltung veranlasste einen sofortigen Auftragstop, als ihr der Unterschied auffiel. Das geht aus der Beschlussvorlage hervor, die im Bürgerinformationssystem der Stadt online einsehbar ist. Über die zusätzlichen Mittel berät der Ausschuss für Wirtschaft, Finanzen und zentrale Angelegenheiten an diesem Mittwoch, 17 Uhr, in der Markthalle. Der Ausschuss gibt eine Empfehlung ab, letztlich entscheidet der Rat der Stadt.

Brutto oder netto?

In der Vorlage heißt es: „Vorbehaltlich der Rückmeldung und Aufstellung der zu erwartenden Kosten durch den Verein zum Zeitpunkt des Auftragstops sind Aufträge im Gesamtwert von 337 624,25 Euro brutto (291 055,39 Euro netto) erteilt worden. Ferner ist die Gebühr für die Baugenehmigung in Höhe von etwa 2500 Euro noch offen.“ Die zusätzlich benötigten Gelder sollen aus dem Topf „Zuschüsse für Einrichtungen in Kindertagesstätten ab 1000 Netto“ erfolgen. „Diese Mittel stehen zur Verfügung, da alle eingegangenen Anträge bearbeitet sind“, teilt die Verwaltung mit.

Bei einer gemeinsamen Stadionbegehung am 18. Juni dieses Jahres wurde dem SV Atlas mitgeteilt, dass die Rechnungen für die erforderlichen Maßnahmen direkt an die Stadt adressiert werden müssen, erläutert die Verwaltung in der Vorlage. Als Grund wurde genannt, dass damit die Eigentumsverhältnisse klar bestimmt werden. Das Stadion gehört der Stadt. „Fälschlicherweise ist der SV Atlas davon ausgegangen, dass die zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel Nettobeträge seien, da die Stadt Rechnungsempfänger ist und daher den Vorsteuerabzug geltend machen könne. Jedoch sind grundsätzlich alle Haushaltsansätze Bruttosummen“, schreibt die Verwaltung.

Laut Atlas-Präsident Manfred Engelbart sei der Verein davon ausgegangen, dass es um einen Nettobetrag ging: „Wenn man mit Vertragspartnern verhandelt, also beispielsweise Handwerkern, dann sind die Preise immer netto. Für die Verwaltung ist es brutto. Von der Stadt kam die Zusage über 300 000 Euro ohne Bezeichnung. Für uns war das Netto. Letzten Endes war es schlechte Kommunikation. Wir verhandeln eben nicht jeden Tag mit der Verwaltung“, berichtet Engelbart. Ausgegeben sei das Geld, die Sache liege nun bei der Stadt. „Die Leistung ist erbracht worden. Das Geld wurde ja nicht in die Weser gekippt“, sagt Engelbart.

Spiele noch in diesem Jahr?

Das Stadion ist regionalligatauglich, wann dort wieder gespielt werden darf, ist jedoch unklar. „Wir haben bei der Stadt, beim Gesundheitsamt, im Niedersächsischen Innenministerium und in der Staatskanzlei Anfragen gestellt, dass wir trainieren dürfen, haben aber nur Absagen bekommen. Es ist eine klare Wettbewerbsverzerrung, dass die U23 von Werder Bremen und der FC Oberneuland zusammen auf dem Platz trainieren dürfen und unsere Jungs einzeln um den Hasportsee laufen“, moniert der Atlas-Präsident.

Während der Niedersächsische Fußballverband für die Oberliga abwärts alle Spiele bis Jahresende abgesagt hat, steht die Entscheidung des Norddeutschen Verbandes für die Regionalliga noch aus. „Wir rechnen jeden Tag mit einer Entscheidung, ob dieses Jahr noch gespielt wird. Sie muss schnell kommen, da es ja vorher 14 Tage Training braucht, bevor gespielt werden kann. Die Jungs sitzen auf heißen Kohlen und wollen unbedingt auf den Platz“, sagt Engelbart.

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