SV Atlas Delmenhorst

Der Wohlfühlfaktor stimmt

Dimitrios Ferfelis ist zurück in seiner Heimatstadt. Hier will er den Blau-Gelben in der Regionalliga mit seiner Erfahrung und Toren weiterhelfen.
20.08.2020, 16:08
Lesedauer: 4 Min
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Der Wohlfühlfaktor stimmt
Von Justus Seebade
Der Wohlfühlfaktor stimmt

Dimitrios Ferfelis (gelbes Trikot) hat in seiner Laufbahn schon den niederländischen Supercup gewonnen. Nun will er mit dem SV Atlas möglichst erfolgreich sein.

TAMMO ERNST

Delmenhorst. Die niederländische Fußballsaison 2014/15 hatte gerade erst begonnen, als für den Verein PEC Zwolle eine besondere Partie anstand. Im Supercup traf der amtierende Pokalsieger auf den Meister Ajax Amsterdam, es ging um die „Johan Cruijff Schaal“. Zwolle war natürlich der Außenseiter – und setzte sich trotzdem mit 1:0 durch. Ein perfekter Start in die neue Spielzeit. Und mittendrin war ein damals 21-jähriger Mann aus Delmenhorst. Sein Name: Dimitrios Ferfelis.

Der Stürmer hatte gerade seine erste Station im Ausland angetreten. Nach seiner Jugendzeit beim TuS Hasbergen, Delmenhorster TB, TuS Heidkrug und Werder Bremen wechselte er zur TuS Koblenz in die Regionalliga und von dort in die Niederlande. „Der Schritt war riesengroß“, erinnert sich Ferfelis. Natürlich war er das. Von der vierten deutschen Liga in die Eredivisie, das ist dann doch ein ganz schöner Unterschied. „Das war ein sehr, sehr gutes Level. Ich konnte sehr viel dazulernen“, blickt der inzwischen 27-Jährige zurück.

Das galt auch für seine darauffolgenden Stationen in Griechenland. Bei PAS Giannina und PAS Lamia sammelte er noch mehr internationale Erfahrung, ehe es ihn wieder nach Deutschland verschlug. FSV Zwickau, Wormatia Worms und FC Gießen hießen die weiteren Stationen bis zu diesem Sommer. Und dann geschah etwas, das den Kreis für Dimitrios Ferfelis in gewisser Weise vorläufig schließt. Er wechselte zum SV Atlas Delmenhorst, der in der neuen Saison in der Regionalliga Nord antritt. Ferfelis ist zurück in seiner Heimatstadt. Dort, wo für ihn alles begann.

Diese Konstellation ist durchaus besonders. Das sieht auch der Deutsch-Grieche so. „Ich bin davor jedes Jahr in andere Städte umgezogen und kannte keinen. Jetzt ist es so, dass ich jedes zweite Gesicht und jede Ecke in dieser Stadt kenne. Ich fühle mich wirklich sehr wohl“, sagt Ferfelis. Er wohnt aktuell mit seiner Mutter zusammen, sieht seine Familie und seine Schwiegereltern regelmäßig, kann Freunde treffen. All das war vorher in dieser Form nicht möglich. Dafür war die Distanz einfach zu groß. Jetzt geht der Atlas-Angreifer einfach vor die Tür, macht einen kurzen Spaziergang, „dann quatschst du hier ein bisschen, da ein bisschen. Das ist schon cool.“

Die Aussicht, wieder in der Heimat zu sein, der sportliche Reiz, weiter in der Regionalliga auflaufen zu können – das bildete eben ein attraktives Gesamtpaket. Es war sozusagen eine glückliche Fügung. „Ich hatte sehr gute Gespräche mit Basti (Bastian Fuhrken, Leiter Leistungsfußball, Anm. d. Red) und Herrn Engelbart. Mit Basti war ich schon längere Zeit im Austausch. Mit dem Aufstieg in die Regionalliga ist das alles jetzt noch interessanter geworden. Am Ende des Tages hat alles gepasst“, freut sich Ferfelis, der beim SVA gleich für drei Jahre unterschrieben hat. „Weil hier etwas entstehen kann, auch durch die Fans“, erklärt er den längerfristigen Vertrag.

Dass die neue Spielklasse für Atlas eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe sein wird, steht außer Frage. Das ordnet auch Ferfelis entsprechend ein. „Klar ist es ein Riesensprung von der Oberliga in die Regionalliga. Das werden wir, glaube ich, auch merken. Es wird hart genug“, zeigt sich der Neuzugang realistisch – aber nicht pessimistisch. „Dennoch denke ich, dass wir gute Jungs dabei haben. Wir haben keinen Stinkstiefel in der Mannschaft und verstehen uns alle gut. Das ist ganz wichtig“, weiß Ferfelis. Um in der vierten Liga zu bestehen, muss neben dem Teamgeist auch der Einsatzwillen stimmen. „An jedem Spieltag müssen wir 110 Prozent geben. Man muss ackern“, sagt Ferfelis. Und auch nach Niederlagen müssen die Köpfe oben bleiben. „Klar ist man dann am Grübeln und hat ein komisches Gefühl in sich. Aber am nächsten Tag ist ein neuer Tag. Dann muss es wieder richtig losgehen.“

Wann genau die Saison beginnt, steht bekanntlich immer noch nicht fest. Momentan bleibt Atlas nichts anderes übrig, als sich bestmöglich vorzubereiten. „Das ist jetzt unsere Aufgabe, dass wir wirklich Gas geben“, unterstreicht Ferfelis. Weitere Fitness hole man sich dann in den ersten Ligapartien. „Man muss ja erst mal diese paar Spiele machen, um in der Liga wirklich angekommen zu sein“, spricht der Offensivakteur aus Erfahrung. Was seine vorrangige Aufgabe sein wird, weiß er natürlich ganz genau. Ferfelis muss möglichst zielsicher sein. „Ohne die Tore gewinnst du kein Spiel“, sagt der Stürmer, der dem Team zudem mit seiner Erfahrung weiterhelfen will – ohne dabei ein Lautsprecher zu sein. „Ich bin nicht der Typ, der Kommandos geben möchte. Auf dem Platz dirigiert man vielleicht ein bisschen, aber ich muss jetzt nicht vorne stehen und Ansagen machen.“

Den einen oder anderen Tipp kann der 27-Jährige seinen Mannschaftskollegen aber dennoch mit Sicherheit auf den Weg geben. Immerhin hat er in seiner Laufbahn schon einiges erlebt. Als es für ihn bei Zwolle nicht mehr weiterging, kam das Angebot aus Griechenland gerade recht. Mit PAS Giannina fragte im Jahr 2015 ein Klub an, der sich schon mehrmals fast für die Europa League qualifiziert hatte. „Das war sehr spannend und interessant. Dann habe ich das gemacht und war sehr zufrieden“, schildert Ferfelis.

In seinem ersten Jahr erreichte er mit Giannina dann tatsächlich das internationale Geschäft und nahm mit den Griechen in der Saison 2016/17 an der Europa League teil. „Das war das erste Mal für die Mannschaft und ein Highlight“, denkt Ferfelis zurück. Giannina kam gegen Odds BK aus Norwegen eine Runde weiter, ehe in der dritten Qualifikationsrunde gegen den niederländischen Klub AZ Alkmaar das Aus folgte.

Ferfelis selbst kam in der zweiten Saison bei Giannina jedoch nicht so oft zum Zug. Wie ihm mitgeteilt wurde, hätte sich das danach nicht geändert. „Dann macht man sich Gedanken, ob sich etwas lohnt oder nicht“, sagt der Torjäger, der anschließend ein Angebot von PAS Lamia erhielt. Der Klub spielte in der zweiten Liga, „war aber ein sehr starker Verein. Da gab es nur das Ziel Aufstieg“, erinnert sich Ferfelis. Dieses Ziel erreichte Lamia dann auch direkt.

Nach der kurzen Zeit bei Lamia führte der Weg des Delmenhorsters 2017 aber wieder zurück nach Deutschland. Er war jeweils eine Saison in Zwickau, Worms und Gießen aktiv. Beim SV Atlas sollen es jetzt mehr Spielzeiten werden. Hier, zurück in seiner Heimatstadt, wo er sich wohlfühlt.

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