Diskussion um Stadiongelände

SV Atlas Delmenhorst will häufiger trainieren

Auf dem Stadiongelände sind neben dem SV Atlas Delmenhorst vier Vereine angesiedelt. Die Kapazitäten sind damit mehr als ausgelastet. Nun verhandeln die Vereine mit der Stadt um eine Lösung.
20.11.2019, 16:55
Lesedauer: 4 Min
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SV Atlas Delmenhorst will häufiger trainieren
Von Michael Kerzel
SV Atlas Delmenhorst will häufiger trainieren

Die Trainingsplätze auf dem Stadiongelände sind aktuell gesperrt. Doch auch wenn sie frei sind, können nicht alle hier beheimateten Vereine so viel trainieren, wie sie wollen.

TAMMO ERNST

Der SV Atlas Delmenhorst strebt in Richtung Fußball-Regionalliga. Dieses Ziel haben die Verantwortlichen des Vereins in der Vergangenheit häufiger ausgegeben, wenn auch mittelfristig. Aktuell steht die Mannschaft auf Platz zwei in der Oberliga Niedersachsen und ist in Schlagdistanz zum Spitzenreiter aus Hildesheim. Der Meister steigt direkt auf, der Zweite tritt in der Relegation an. Es ist also nicht unrealistisch, dass die Blau-Gelben künftig in der Regionalliga spielen. Um dorthin zu kommen, beziehungsweise dort eine Chance zu haben, fordern die Atlas-Verantwortlichen bessere Bedingungen. Unter anderem wollen sie mehr Trainingszeiten für die höchstspielendste Delmenhorster Fußballmannschaft. Das scheitert aktuell nicht nur daran, dass die Plätze auf dem Stadiongelände gesperrt sind, sondern dass diese auch ausgelastet sind, sodass der SVA nicht täglich abends üben kann.

Vier Fußballvereine – der SV Atlas, der SV Tur Abdin, der KSV Hicretspor und RW Hürriyet – trainieren und spielen auf dem Stadiongelände an der Düsternortstraße, zudem tragen die Regionalliga-Damen des TV Jahn Delmenhorst ihre Heimspiele im Stadion aus. Sie trainieren jedoch am Blücherweg. Um Kapazitäten für Atlas freizuschaufeln, müsste voraussichtlich einer der ansässigen Vereine auf eine andere Anlage umgesiedelt werden. Gespräche der Vereinsvertreter, des Stadtsportbundes und der Stadt laufen, es gab bereits zwei Treffen, ein drittes ist anberaumt. Eine Entscheidung soll in Kürze fallen. „Die Stadt Delmenhorst verfolgt das Ziel einer einvernehmlichen und gemeinsam abgestimmten Vereinbarung zur stärkeren Berücksichtigung der erforderlichen Trainingskapazitäten des SV Atlas, um diesen Verein auf dem (möglichen) Weg in den Profi-Fußball zu unterstützen“, erklärt Stadtsprecher Timo Frers. Das jüngste Treffen habe der „gegenseitigen Information über die bestehenden Ideen zu einer Umsetzung“ gedient. „Die Fachverwaltung wird nun die verschiedenen Möglichkeiten ausloten und im direkten Dialog mit den betreffenden Vereinen die weitere Verfahrensweise klären“, teilt Frers mit. Konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht. Die Sportplätze Delmenhorsts sind in städtischer Hand, nicht die an der Düsternortstraße. Theoretisch kann die Stadt die Vereine so verteilen, wie sie es für sinnvoll hält.

Wer zieht um?

Die Ausgangslage ist klar: Der SV Atlas wird das Stadion nicht verlassen. RW Hürriyet oder KSV Hicretspor umzusiedeln, hätte keinen großen Effekt, da die beiden Vereine zusammen nur über fünf Herrenteams verfügen. „Wir wurden schon von der Kantstraße und vom Blücherweg weggejagt. Wir gehen nicht. Wir haben nur zwei Mannschaften, nur die erste Herren trainiert und wir benutzen den Hauptplatz nicht“, erklärt Hürriyets Vorsitzender Ahmet Sonuvar. Bei Hicretspor verhält es sich ähnlich.

Bleibt also noch der SV Tur Abdin. Dessen Sportlicher Leiter Isa Tezel hat Verständnis für das Atlas-Anliegen: „Sie benötigen mehr und mehr Trainingseinheiten. Wir haben Dienstag und Donnerstag Training, auf Dauer geht das nicht gut, wenn Atlas fast jeden Tag trainiert. Die Auslastung des Stadiongeländes mit allen Vereinen ist zu groß. Wir haben alleine acht Mannschaften. Da gehen die Plätze kaputt“, erklärt Tezel. Bei den Gesprächen mit der Stadt und den anderen Vereinen ging es auch darum, wohin Abdin ziehen könnte. Tezel äußert sich nicht konkret, teilt aber mit, dass Abdin nicht am Stadion hängt. „Man müsste uns aber eine gute Lösung bieten“, meint er. Grundsätzlich sei es richtig, dass Atlas unterstützt werde.

Atlas-Präsident Manfred Engelbart lobt die Kooperation zwischen den Vereinen. „Atlas braucht die anderen Vereine. Ohne die Kooperationen mit dem DTB und dem DBV, wo wir schon Spiele ausgetragen und trainiert haben, könnten wir den Spielbetrieb gar nicht aufrecht erhalten“, sagt er. Dass drei Vereine den Hauptplatz im Stadion für Spiele nutzen und insgesamt fünf Vereine auf der Anlage sind, hält er jedoch für zu viel. Einerseits sei es notwendig, dass Atlas möglichst täglich einen Platz ab 19 Uhr habe, zudem gebe es Probleme bei der Spieltagsbelegung. „Wenn Werder zeitgleich mit Atlas spielt, kommen 300 Zuschauer weniger. Das sind 3000 Euro weniger Einnahmen. Verlegungen funktionieren aber oft nicht, weil die Jahn-Damen dann spielen. Ich bin ja auch bei Jahn als Sponsor beteiligt und niemand soll rausgekegelt werden, aber wir brauchen eine Lösung“, sagt Engelbart.

Er lobt die Bemühungen der Stadt, eine solche zu finden. „Die Wertschätzung der Stadt für den SV Atlas ist jetzt da. Wir sind auf einem guten Weg, aber es braucht natürlich Geduld“, meint Engelbart. Nur eine einvernehmliche Lösung sei sinnvoll. Einvernehmlich ist auch das Wort, das Jahns Fußball-Abteilungsleiter Marco Castiglione mehrfach betont: „Dass sich die Situation im Stadion ändern muss, ist jedem klar. Das Engagement des Ersten Stadtrates Markus Pragal ist extrem positiv“, lobt er.

Neues Flutlicht im Frühjahr

Für ihn steht fest, dass die Jahn-Frauen ins Stadion gehören: „Alles andere wäre nicht angemessen. Wir müssen auch sehen, gegen wen wir spielen. Klar zieht Atlas mehr Zuschauer, aber wir spielen gegen Hannover 96, Werder Bremen und den Hamburger SV. Jahn ist auch ein Aushängeschild für Delmenhorst“, meint er. Eine Verbannung der Violetten wäre zudem „ein Schlag ins Gesicht in Bezug auf Gleichberechtigung“. Er verstehe jedoch die Wünsche des SV Atlas. „Man kann kein Premiumprojekt bei einem Grottenumfeld haben“, sagt Castiglione.

Das Umfeld verbessert sich voraussichtlich im Frühjahr, dann soll auf dem Trainingsplatz neues Flutlicht installiert werden. „Bei einem reibungslosen Bauverlauf werden die Flutlichtarbeiten vom 9. März bis zum 30. April 2020 stattfinden“, berichtet Frers. Ob und wann die Kabinen um- beziehungsweise ausgebaut werden, hängt von einer großen Frage ab: „Entsprechend der aktuellen Beschlusslage soll unter anderem die Realisierungsmöglichkeit eines Stadionneubaus geklärt werden. Die Entscheidung zu weiteren Investitionen auf dem Stadiongelände ist abhängig von dem Ergebnis dieser Prüfung“, erklärt Frers.

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