Fußball-Oberliga

SV Atlas: Ungeschlagen durch die Hinrunde

Hinter dem SV Atlas Delmenhorst liegt eine sehr erfolgreiche erste Saisonhälfte. Die Blau-Gelben blieben nach dem Jahrhundertspiel im DFB-Pokal 17 Spiele ungeschlagen und überwintern auf Relegationsplatz zwei.
23.12.2019, 17:03
Lesedauer: 5 Min
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SV Atlas: Ungeschlagen durch die Hinrunde
Von Michael Kerzel
SV Atlas: Ungeschlagen durch die Hinrunde

Viel Grund zum Feiern hatten die Blau-Gelben vor der Winterpause: In zwölf von 19 Ligaspielen gingen sie als Sieger vom Platz.

INGO MöLLERS

Dem SV Atlas Delmenhorst ist in dieser Spielzeit in der Fußball-Oberliga etwas Besonderes gelungen: Er hat es geschafft, gegen alle 17 Gegner zu spielen und dabei nicht eine Niederlage zu kassieren. Umso bemerkenswerter ist das, da die Blau-Gelben dafür fast kein Glück benötigten. Sie waren in keiner dieser Partien das schlechtere Team. Diese Serie brachte die Mannen von Key Riebau, der im Sommer das Traineramt übernommen hatte, bis auf den Relegationsrang und in Schlagdistanz zum Spitzenreiter VfV Borussia Hildesheim. Nach der Hinrunde kam jedoch noch nicht die Winterpause. Es standen noch zwei Partien der Rückrunde auf dem Spielplan, und in diesen steckte Atlas zwei Tiefschläge ein. Mit zwei Niederlagen in Folge beendete der SVA das Fußballjahr 2019. Atlas steht immer noch auf Position zwei, die Leistungen der vergangenen Monate schmälern die letzten beiden Spiele auch nur bedingt. Doch der Reihe nach.

Jahrhundertspiel mit neuem Coach

Der Sommer war für die Atlas-Verantwortlichen Manfred Engelbart (Präsident), Bastian Fuhrken (Verantwortlicher Leistungsfußball) und Stefan Keller (erweiterter Vorstand) äußerst arbeitsreich. Zum einen organisierten sie das Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim SV Werder Bremen im Wohninvest Weserstadion und zum anderen strukturierten sie die Mannschaft grundlegend um. Wichtigster Baustein war dabei zweifelsohne Trainer Key Riebau. In der vergangenen Saison standen mit Jürgen Hahn, Olaf Blancke und Daniel von Seggern gleich drei Übungsleiter an der Seitenlinie. Insgesamt fehlte die Weiterentwicklung, Atlas schoss kaum Tore aus dem Spiel heraus und siegte gerade daheim im Stadion an der Düsternortstraße selten.

Mit Riebau zog Spielkultur in der Delme­stadt ein. Der 29-Jährige stand schon als Coach des Regionalligisten SSV Jeddeloh für Offensivfußball. Neben Riebau schlossen sich auch einige Spieler dem Oberligisten an. Königstransfer war dabei Florian Stütz. Der zentrale Mittelfeldspieler gehört zu den besten Akteuren der Oberliga. Vor allem seine Übersicht und Spielintelligenz zeichnen ihn aus. Er spielt weite Pässe mit großer Sicherheit punktgenau, verlagert somit immer wieder das Geschehen und zwingt die Defensiven aus ihrer Struktur heraus. Zudem weiß er, wann er herausrücken muss, wann Pressing Sinn ergibt und wann er taktische Fouls ziehen muss. Zudem ist er der wohl gefährlichste Standardschütze der Liga, zumindest in Bezug auf Vorlagen. Er brachte es bei 15 Einsätzen auf fünf Tore und 13 Vorlagen. Alle 67 Minuten war er direkt an einem Treffer beteiligt.

Neuzugänge funktionieren

Auch weitere Neuzugänge zündeten: Marek Janssen, der sich im Niedersachsenpokal in der ersten Runde verletzte und einige Wochen verpasste, traf in 900 Minuten siebenmal. Mit ihm bekam Atlas Strafraumpräsenz und Kopfballstärke in der Box. Das gab es in Blau-Gelb in den vergangenen Jahren nicht. Mit Emiljano Mjeshtrei kam ein Teenager aus dem eigenen Nachwuchs. Er überzeugte vor allem als Joker, traf fünfmal.

Andere Spieler entwickelten sich unter Riebau merklich weiter. Tom Schmidt beispielsweise steigerte seine Effektivität. Er lief zwar immer schon sehr viel, doch nun verpufften seine Sprints gerade beim Pressing nicht mehr so oft. Auch Marco Prießner blühte auf. Nach Schmidt absolvierte er die meisten Minuten für die Delmestädter. Er zeigte sich fitter als in den Vorjahren. Schmidt (je fünf Tore und Vorlagen) und Prießner (fünf Tore, vier Vorlagen) sind aktuell die besten Atlas-Scorer hinter Stütz.

Riebau drehte zudem taktisch auf einigen Positionen an den Stellschrauben. So fungierte er Oliver Rauh zum Rechtsverteidiger um. Dessen größte Stärken sind Geschwindigkeit und Ausdauer, diese kommen auf der defensiveren Außenbahnposition besser zum Tragen. Nick Köster agierte wieder auf seiner angestammten Sechs, im Vorjahr lief er regelmäßig als Außenverteidiger auf.

Problematisch für den SVA war der wiederholte Ausfall von Leistungsträgern. Mit Leon Lingerski fällt einer der Top-Spieler seit längerer Zeit aus, lediglich fünfmal stand er auf dem Rasen. Auch Stütz verpasste in den letzten Wochen viele Minuten aufgrund von Muskelproblemen. Mit Musa Karli, Nick Köster und Thade Hein fiel das zentrale Mittelfeld teilweise komplett aus. Auch Kevin Radke weilte mehrere Wochen im Lazarett. In der Partie bei FT Braunschweig beispielsweise standen Riebau vom Stammkader nur elf Spieler zur Verfügung. Riebaus erste Wochen verliefen, zumindest für Außenstehende, holprig. In Testspielen setzte es Niederlagen unter anderem gegen den VfL Wildeshausen und den FC Oberneuland. Überzeugend waren die Auftritte nicht, aber es waren eben auch nur Tests. Sehr unglücklich verlief der Pflichtspielauftakt: In der ersten Runde des Niedersachsenpokals schieden die Blau-Gelben daheim gegen den SC Spelle-Venhaus nach Elfmeterschießen aus. Die Leistung stimmte jedoch. Wenig spektakulär verlief der Oberligaauftakt: Mit 0:0 trennte sich die Riebau-Elf vom VfL Oldenburg. Torchancen gab es in dem ausgeglichenen Match kaum. Es folgte das Jahrhundertspiel: Tom Schmidt erzielte gegen Werder das zwischenzeitliche 1:2 (Endstand 1:6). Die ganze Stadt war auf den Beinen, Tausende Delmenhorster verfolgten das Geschehen live im Stadion. Diese Partie scheint Kräfte freigesetzt zu haben.

Unbesiegbar – bis kurz vor Schluss

Atlas siegte wenige Tage später souverän beim FC Hagen/Uthlede (2:0) und fertigte den 1. FC Germania Egestorf-Langreder in einem hochklassigen Duell mit 4:1 ab. Gegen Arminia Hannover lag Atlas lange 1:0 vorne und hatte mehrere Großchancen zur Vorentscheidung, kassiert aber in der Nachspielzeit den Ausgleich. Es folgten neun Punkte gegen Lupo Martini Wolfsburg, TB Uphusen und den MTV Wolfenbüttel bei insgesamt 14:4 Toren. Erneut erst in der Nachspielzeit musste Atlas bei Kickers Emden den Ausgleich hinnehmen, bevor vier Dreier gegen Spelle-Venhaus, Eintracht Northeim – mit 6:0 feierte Atlas hier den höchsten Saisonsieg –, den Heeslinger SC und BW Tündern folgten. Atlas teilte in der Hinrunde noch zweimal torlos die Punkte gegen den TuS Bersenbrück und FT Braunschweig und besiegte den MTV Gifhorn und Eintracht Celle jeweils auswärts. Höhepunkt der Oberliga-Hinrunde war jedoch die Partie gegen Spitzenreiter Hildesheim. In einer intensiven Begegnung führten die Gäste bereits nach zwei Minuten im Düsternortstadion und hätten das zweite Tor nachlegen können. Doch Atlas drehte im zweiten Durchgang auf, kam verdient zum Ausgleich und holte in der Nachspielzeit eine Ecke heraus. Marlo Siech köpfte diese zum viel umjubelten Sieg ein.

17 Partien lang blieb Atlas unbesiegt, zwölf davon gewannen die Blau-Gelben sogar. Doch leider war noch nicht Winterpause. Gegen den FC Hagen/Uthlede ging Atlas als hoher Favorit in die Partie. Niemand rechnete damit, dass die Delmenhorster diese Begegnung verlieren würden. Und doch kam es so und das auch deutlich und verdient. Hagen war die bessere Mannschaft, Atlas bekam an diesem Tag so gut wie nichts hin und verlor erstmals unter Riebau in der Oberliga. Auf das 0:3 zu Hause folgte ein 1:3 bei Germania Egestorf-Langreder. Die Leistung stimmte auch hier nicht. Die anschließende Winterpause kam zur rechten Zeit.

15 Spiele hat Atlas ab Februar noch vor der Brust. Ziel kann nur Platz zwei sein. Hildesheim ist bereits acht Punkte weg und hat dazu die beste Mannschaft der Liga. Dahinter kämpfen Atlas, der VfL Oldenburg, Langreder und Spelle-Venhaus um die Chance, in die Regionalliga aufzusteigen.

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