Tennis Eine prägende Ära: Julian Thomas ist seit 40 Jahren Tennistrainer des TC Blau-Weiß Delmenhorst

Julian Thomas ist seit 40 Jahren das Gesicht des TC BW Delmenhorst. Bevor es ihn 1981 nach Delmenhorst verschlug, feierte er in England große Erfolge bei den Junioren und spielte einst sogar in Wimbledon.
23.04.2021, 12:12
Lesedauer: 5 Min
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Von Niklas Johannson
Herr Thomas, in diesem Jahr feiern Sie ihr 40-jähriges Jubiläum als Tennistrainer des TC BW Delmenhorst. Ursprünglich stammen Sie aus England. Wie ist es damals zur Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem damaligen HCD (Hockey-Club Delmenhorst, Anm. d. Red.) gekommen?

Julian Thomas: Bei einem Rasenplatzturnier in England habe ich 1980 die Delmenhorster Tennisspieler Axel und Vater Manfred Höpfner, die später dann auch meine Bezugspersonen in Deutschland waren, kennengelernt. Die Gespräche scheinen so interessant gewesen zu sein, dass mich der Verein kurze Zeit später extra nach Deutschland hat einfliegen lassen. Nach einem Probematch gegen den damaligen Trainer vom HCD, Christian Eltester, vor 50 Zuschauern sowie eine Probetrainerstunde mit der damals relativ bekannten Kathi Mohrenberg bin ich dann aber erst einmal wieder zurück nach Hause geflogen. Im Frühjahr 1981 ging es jedoch wieder Richtung Delmenhorst, denn dann ich bin als dritter Trainer vorgestellt worden.

Wie haben Sie ihre ersten Trainerstunde in deutscher Sprache erlebt?

Ich habe ein halbes Jahr lang die Sprache gelernt, meistens vor dem Fernseher. Mit vielen Jugendlichen konnte ich aber glücklicherweise auch ein bisschen auf Englisch kommunizieren, das funktionierte ganz gut.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Zunächst hatte ich wöchentlich nur 20 Stunden. Trotzdem hatte ich immer viel zu tun, mit dem Training und auch mit den Punktspielen. Deshalb ist bei mir auch nie Heimweh aufgekommen. Durch diese harte Arbeit habe ich mir im Laufe der Jahre dann langsam etwas aufgebaut, sodass ich Ende der 90er den Cheftrainer-Posten von Kurt Sammet übernehmen durfte.

War es für Sie eigentlich von klein auf klar, dass Sie Tennistrainer werden oder war das eher Zufall?

Ich habe immer liebend gerne Tennis gespielt und Jugendliche trainiert. Für mich ist es ein Traumjob.

In England waren Sie bei den Junioren sehr erfolgreich und standen in ihrem Jahrgang sogar unter den besten zehn Tennisspieler des Landes. Warum ist Ihnen eine Karriere als Profispieler verwehrt geblieben?

(lacht). Ich wollte tatsächlich lieber Trainer werden und war für die Spitze auch einfach nicht gut genug.

Obwohl Sie einst sogar auf dem „Heiligen Rasen“ von Wimbledon spielten.

Ja, Ende der 70er habe ich bei den Junioren das Viertelfinale dort erreicht. Ich war wirklich gut, aber der letzte Schritt hat nicht geklappt. Damals war es auch völlig anders als heutzutage. Es wurde viel weniger trainiert. Es gab keine Landeskader oder ähnliches. Ich habe auch immer wieder bei den Nationalen Meisterschaften in Eastbourne gut abgeschnitten. Aber schließlich habe ich es auch gar nicht ernsthaft versucht, Profi zu werden.

Gegen welche bekannten Spieler haben Sie damals gespielt?

Zum Beispiel gegen Andrew Jarrett oder Jeremy Bates, der später unter den besten 50 der Welt stand. Und ich habe mit 17 Jahren bei einem Turnier in Sambia zusammen mit Ranesh Krishnan, der ebenfalls unter den besten 50 der Weltrangliste vertreten war, Doppel gespielt. Dort sind wir ins Endspiel eingezogen. Mit so einem starken Spieler Doppel spielen zu dürfen, war schon ein absolutes Highlight für mich.

Sie hatten viel Talent, aber haben Sie ihr Spiel perfektioniert?

Nachdem ich als Jugendlicher schon recht gut war, bin ich auf die bekannte Sportschule im englischen Somerset gegangen. Dort gehen noch heute die besten englischen Tennisspieler, Schwimmer, Fußballer oder Hockeyspieler – aber auch die super intelligenten Jugendlichen – zur Schule. Ich hatte zum Glück ein Stipendium für diese Schule bekommen, ansonsten wäre es für mich unbezahlbar gewesen. Dort sind einige Schüler teilweise mit dem Hubschrauber abgeholt worden.

Konnten Sie in Deutschland an die vielen Erfolge aus England anknüpfen?

Nein, hier habe ich mich vollkommen auf das Training und die Punktspiele mit dem Verein konzentriert. Ich habe mal bei der Herren-50-Konkurrenz die Norddeutschen Meisterschaften gespielt, aber Erfolge habe ich eigentlich nur mit dem Team gefeiert. Zum Beispiel sind wir in der Altersklasse Herren 55 zweimal Vizemeister in der Regionalliga (höchste Spielklasse in Norddeutschland, Anm. d. Red.) geworden.

Nachdem Sie Ende der 90er zum Cheftrainer des Verein an der Lethestraße befördert worden sind, haben Sie quasi sofort mit einer goldenen Generation starten dürfen.

Das stimmt. Kurt hatte damals das Pech, dass zu seiner Zeit keine großen Talente im Verein waren. Als ich dann aber begonnen habe, durfte ich plötzlich solch starke Spieler wie Max Raschke, Torsten Spille, Christoph Just, Ben Brandes, Patrick Jersch oder auch Sven Quader trainieren. Mit ihnen bin ich als Trainer extrem häufig Bezirksmeister geworden und durfte viele Aufstiege feiern. Es war ein Traum, mit solchen Leuten zu arbeiten.

Unter Ihrer Leitung spielte Delmenhorst sogar mit zwei Teams in der Oberliga. Wie bemerkenswert war dieses Kunststück damals für den Verein?

Schon sehr, weil Delmenhorst eher als Provinz-Tennisstadt gilt. Wir waren damals auf Augenhöhe mit den Tennis-Großstädten Hannover, Braunschweig, Wolfsburg und Oldenburg, das waren tolle und unglaubliche Zeiten. Außerdem durfte ich zu der Zeit meine Tochter Sally und Marco Wollner trainieren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als beide mal am gleichen Tag im Halbfinale der Norddeutschen Meisterschaften standen und jeweils den dritten Platz belegten.

Wer war die beste Spielerin, die Sie je trainiert haben?

Sally. Sie ist Landesmeisterin und Dritte bei den Norddeutschen Meisterschaften geworden. Außerdem erreichte sie bei einem prestigereichen Turnier in Ulm das Halbfinale sowie in Göteborg das Endspiel.

Wie beurteilen Sie aktuell die sportliche Situation beim TC Blau-Weiß?

Im Jugendbereich sind wir mit den Talenten Linus Heubach, Lasse Kubica und Jonte Mysegaes sehr gut aufgestellt. Sie müssen wir langsam aufbauen. Bei den Herren haben wir jetzt mit Felix Sonnberg und Lukas Strunk leider zwei wichtige Spieler verloren (wir berichteten, Anm. d. Red.). Aber ich denke, dass wir demnächst eine sehr gute Herren-30-Mannschaft stellen werden.

Bei Blau-Weiß war die Damenmannschaft jahrelang unverzichtbar für den Klub. Seit mehr als zwei Jahren gibt es aber nicht mal mehr eine Damenmannschaft - warum nicht?

Damit haben derzeit viele Vereine große Probleme. Wir werden auch in den kommenden zwei Jahren kein Team stellen können, weil man leider nicht genügend Spielerinnen findet. Ich hoffe, dass ich Sally bald animieren kann und sie irgendwann vom Club zur Vahr zu uns wechselt. Dann kann ich mir vorstellen, dass auch die anderen Spielerinnen, wie zum Beispiel eine Yana Vernytska, wieder für uns spielen werden.

Sie sind seit 40 Jahren beim selben Verein - hat Sie nie eine Herausforderung bei einem anderen Klub gereizt?

Nein. Ich habe zwar immer mal wieder Angebote vorliegen gehabt. Aber ich hatte meine ganzen Kontakte hier in Delmenhorst und ich durfte all die Jahre mit tollen Menschen arbeiten. Deshalb hat mich eine andere Herausforderung nie gereizt.

Wann sollte sich der Klub denn mit der Suche eines neuen Cheftrainers auseinandersetzen?

Die nächsten zwei, drei Jahre werde ich mit Sicherheit noch machen. Das wird jetzt aber mit Linus, Lasse und Jonte sicherlich meine letzte Generation sein. Aber ich freue mich schon jetzt auf meine letzten Jahre als Trainer. Wir im Verein gehen immer wieder neue Wege, wie zum Beispiel mit der Eröffnung unserer Ball- und Bewegungsschule sowie unser After-Work-Tennis für Anfänger und Wiederneueinsteiger. Ich kann mir nach den nächsten zwei bis drei Jahren auch gut vorstellen, mit den guten Jungs spezifisch zusammen zu arbeiten. Und als Spieler werde ich sowieso noch länger aktiv für den Klub spielen. Irgendwie muss man ja fit bleiben.

Das Gespräch führte Niklas Johannson.

Info

Zur Person

Julian Thomas (60)

ist seit 40 Jahren Cheftrainer des TC Blau-Weiß Delmenhorst. Er hat über diesen langen Zeitraum dem Verein als Trainer und Spieler stets die Treue gehalten. Neben der Leidenschaft zum Tennis spielt Thomas seit Kurzem auch gerne Golf. Außerdem ist er Vater von Tochter Sally Thomas sowie glühender Anhänger der Fußballklubs Manchester United und Werder Bremen.

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