Tennis-Landesliga

Erwartet und trotzdem bitter

Der TC Blau-Weiß Delmenhorst ist in der Halle in der Tennis-Landesliga abgestiegen. Die Spieler der gegnerischen Teams waren schlicht besser. Auch im Sommer, so denn gespielt wird, ist der TC Außenseiter.
27.03.2020, 13:42
Lesedauer: 5 Min
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Erwartet und trotzdem bitter
Von Michael Kerzel
Erwartet und trotzdem bitter

Mannschaftsführer Carsten Glander ärgert sich über den Abstieg des TC Blau-Weiß Delmenhorst aus der Landesliga, auch wenn dieser aufgrund der stärker aufgestellten Gegner nicht überraschend kam.

INGO MÖLLERS

Als die Tennisspieler des TC Blau-Weiß Delmenhorst vor Saisonstart auf die Meldelisten der gegnerischen Teams schauten, schwante ihnen nichts Gutes: Viele der Konkurrenten hatten sich für die Spielzeit in der Landesliga mit teils hochkarätigen Akteuren verstärkt. „Es war die stärkste Landesliga, in der wir je gespielt haben. Das haben auch alle anderen Teams bestätigt“, berichtet Mannschaftsführer Carsten Glander. Die Quersumme der Leistungsklassen, die über die Stärke der Teams Auskunft gibt, war bei den Delmenhorstern deutlich am schlechtesten. „Es kommt daher nicht völlig überraschend, dass wir abgestiegen sind. Trotzdem ist das enttäuschend, auch wenn es erklärbar ist“, ordnet Glander ein.

In Bestbesetzung, meint Glander, wäre der Klassenerhalt durchaus möglich gewesen. „Felix Sonnberg war im Februar und März beruflich leider verhindert und konnte daher nur zwei Spiele machen. Das konnten wir nicht kompensieren, der Aderlass war zu groß“, sagt der Mannschaftsführer. Er selbst siegte je einmal im Einzel und Doppel und verlor jeweils viermal.

Torsten Spille überzeugt

Die beste persönliche Bilanz steht bei Torsten Spille zu Buche: Der 37-Jährige setzte sich in sechs Einzeln dreimal durch. „Für mich war es schon eine gute Saison. Persönlich bin ich zufrieden, da ich das eine oder andere Spiel gegen Gegner mit besserer Leistungsklasse gewonnen habe“, gibt er zu Protokoll. Ausbaufähig sei die Doppelbilanz von 1:4. „Das ist nicht berauschend“, sagt er. Auch Spille schätzt wie sein Kapitän, dass der Klassenerhalt in Bestbesetzung möglich gewesen wäre. „Wir wussten, nachdem die Meldelisten rausgekommen waren, dass es schwer wird. Wir haben es uns aber trotzdem zugetraut, die Enttäuschung ist jetzt natürlich da. Die ganze Mannschaft hat es verstanden, dass Felix aus beruflichen Gründen kaum spielen konnte, aber sportlich war das der Knackpunkt“, meint Spille. Die Truppe habe in der Vergangenheit jedoch schon mehrmals Ergebnisse eingefahren, die nicht erwartbar waren. „Dieses Mal haben wir das nicht geschafft. Wir haben nur ein Spiel gewonnen und sind verdient abgestiegen“, urteilt Spille.

Kein Einzel gewannen Niklas Johannson (0:3) und Lukas Strunk (0:6). Erstgenannter siegte jedoch in zwei von vier Doppeln, Strunk zog auch hier sechsmal den Kürzeren. „Niklas und auch ich haben eine solide Saison gespielt“, meint Glander. Spilles Leistung hebt der Kapitän hervor: „Die war schon sehr gut.“ Lukas Strunk habe nicht zu seiner Form der vergangenen ein, zwei Jahre gefunden. Das ist laut Glander auch dem wenigen Trainingspensum geschuldet.

Die Saison begann gut für die Delmenhorster: Die Blau-Weißen schlugen den TC Sonnenborstel mit 4:2. Sonnberg steuerte im Einzel und Doppel (an der Seite von Niklas Johannson) zwei Punkte bei, zudem siegten Glander und Spille in ihren Einzeln. Es sollte jedoch der einzige Erfolg der Saison bleiben. Gegen den späteren Vizemeister Spielvereinigung Haste gewannen die Delmenhorster keinen Satz, auch gegen Meister TV Lohne (1:5) und den Barrier TC (1:5) waren sie chancenlos. Es folgte das vorentscheidende Match gegen Eintracht Celle. „Nachdem wir gegen Sonnenborstel gewonnen hatten, war uns klar, dass es auf das Spiel gegen Celle ankommen würde. Wir haben 1:5 verloren, aber es war knapper, als es das Ergebnis vermuten lässt. Dennoch war die Niederlage verdient“, berichtet Glander. Ein Sieg gegen Celle und der Klassenerhalt seien im Bereich des Möglichen gewesen, „aber es hätte schon alles zusammenpassen müssen.“ Nach dem Celle-Match war der Abstieg besiegelt.

Vorbereitung auf den Sommer

Das Coronavirus beeinflusst natürlich auch die Vorbereitung beim Tennis. Der Verband hat bereits verfügt, dass der für Anfang Mai angedachte Saisonstart auf Anfang Juni verschoben wird. Ob dieser Termin zu halten ist, kann aktuell niemand seriös beantworten. „Normalerweise ist man zu diesem Zeitpunkt schon voller Vorfreude auf die Sommersaison. Tennis gehört meiner Meinung nach nach draußen. Aber aktuell hat man aufgrund der Coronakrise gar keinen Kopf für Sport“, sagt Glander. Tennis rücke daher in den Hintergrund. „Ich beschäftige mich momentan nicht damit. Es gibt wichtigere Sachen. Ich halte mich aber mit Joggen fit. Von einem Tennisspiel auf dem Platz sind wir ganz weit weg derzeit“, ordnet er ein.

Dennoch wagt er auf Nachfrage einen Ausblick. „Wir werden auch in der Sommersaison gegen den Abstieg aus der Landesliga spielen. Andere Vereine agieren da mit Nachwuchsspielern, die siebenmal die Woche trainieren. Wir kommen in der gesamten Saison vielleicht auf sieben Mannschaftstrainings. Aber das ist auch völlig in Ordnung, da sind wir uns in der Mannschaft einig“, berichtet Glander. Zudem investiere die Konkurrenz und kaufe starke Spieler für die oberen Positionen ein. „Das machen wir aber auf keinen Fall. Da sind sich Mannschaft und Verein einig“, sagt Glander. Der TC Blau-Weiß startet in der Landesliga in einer Siebenerstaffel, aus der zwei Teams absteigen. Der TC Falkenberg und der SV Nordenham seien in Reichweite, eventuell noch die Drittvertretung des Oldenburger TeV. „Die anderen Teams sind zu stark“, erwartet der Mannschaftsführer.

Herausforderung mit Mitte 30

Glander und Spille könnten längst bei den Herren 30 spielen, auch Johannson wird in diesem Jahr 30. Noch treten die Delmenhorster aber in der offenen Herrenklasse an. „Mit jedem Jahr versuche ich, gleich fit zu bleiben. Aber das ist mit 37 schon eine Herausforderung. Gerade wenn man gegen 16-, 17- oder 18-Jährige spielt, wird es schwer. Ich muss zunehmend mehr machen. Dazu gehört gezieltes Stabilisations- und Muskeltraining für Rücken und Knie. Dazu laufe ich, aber mir fehlt das Tennisspielen aktuell natürlich schon“, berichtet Spille. Im Vergleich zur Halle seien die Duelle mit jugendlichen Dauerläufern draußen schwieriger. „Das Spiel in der Halle kommt mir schon entgegen. Die Ballwechsel sind schneller, die Kondition spielt da eine geringere Rolle. Gerade wenn man draußen bei 30 Grad in der Sonne spielt. Zudem nimmt der Teppich in der Halle den Schnitt beim Aufschlag mehr an als der Sand draußen. Da ist die Halle für mich vorteilhaft“, erklärt Spille.

Glander stimmt ihm zu: „Gerade wir Ü30er müssen in der Vorbereitung etwas mehr machen. Die Vernunft sagt: Wir müssen fit sein, sonst können wir den deutlich jüngeren Gegnern nichts entgegensetzen in der Herrenklasse“, erklärt er. Die Duelle mit der nächsten Generation hätten ihren Reiz, meint Glander. Uninteressant seien hingegen Spiele, bei denen man nach dem Einschlagen schon wisse, dass man gewinne. Trotz der teils klar stärkeren Konkurrenz in der Hallensaison hätten die Delmenhorster, sagt Glander, nicht die Lust verloren. „Es ist schon reizvoll, wenn man nicht nach dem Einschlagen weiß, dass man gewinnt.“ Auch auf neue Gesichter freut sich Glander. „Man kennt viele Gegner natürlich schon, wenn man hier jahrelang spielt. Durch Zusammenlegung der Ligen mit den Bremer Vereinen sind da auch ein paar neue Gegner dabei. Ich finde die Zusammenlegung gut“, sagt Glander.

Wechsel in die Altersklasse?

In der anstehenden Sommersaison starten die Delmenhorster auf jeden Fall in der offenen Klasse. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht klar. „Torsten, Niklas und ich könnten dann bei den Herren 30 spielen. Aber mal schauen. Wir besprechen das alles im Team mit Lukas und Felix. Es ist eine Überlegung, nicht mehr“, berichtet Glander.

Spille spielte in Stuttgart bereits bei den Herren 30, bevor er in seine Heimat Delmenhorst zurückkehrte. „Die Überlegungen sind schon im Kopf, das eventuell zu machen. Aber das heißt noch lange nicht, dass das passiert. Wir besprechen das alles im Team und lassen niemanden hängen. Nach der Sommersaison setzen wir uns mal zusammen. Es kommt ja auch darauf an, wie die läuft“, blickt Spille voraus.

Weitere Informationen

Bilanzen

Spieler Einzel Doppel

Carsten Glander 1:4 1:4

Lukas Strunk 0:6 0:6

Felix Sonnberg 1:1 1:1

Niklas Johannson 0:3 2:2

Torsten Spille 3:3 1:4

Marc Landwehr 0:1 –

Erik Holzer 0:1 –

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