TV Jahn Delmenhorst Neele Detken spielt seit einem Jahrzehnt in Violett

Neele Detken wechselte zur Saison 2010/11 zum TV Jahn Delmenhorst. Sie gewann den Niedersachsenpokal, stieg aus der Regionalliga ab und wieder auf und trat mit den Violetten sogar eine Saison in Liga zwei an.
27.11.2020, 16:41
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Neele Detken spielt seit einem Jahrzehnt in Violett
Von Michael Kerzel

Deutlich länger als ihr halbes Fußballerinnenleben läuft Neele Detken bereits für den TV Jahn Delmenhorst auf. Die 27-Jährige wechselte zur Saison 2010/11 vom TV Stuhr an die Delme. Erst mit elf Jahren begann sie mit dem Vereinsfußball, vorher kickte sie vor allem auf einem Bolzplatz gegenüber ihres Elternhauses in Stuhr. „Fußball war bei uns in der Familie immer ein Thema, mein jüngerer Bruder hat auch gespielt. Mein Vater hatte Kontakt zu Frank Schwalenberg, der damals Trainer bei Jahn war. Der hat mich spielen sehen, als ich sehr jung war und hat gesagt, dass er mich gerne in seiner Mannschaft haben möchte. Mit 17 bin ich dann nach Delmenhorst gewechselt“, erinnert sich Detken.

Das Sturmtalent traf direkt im ersten Pflichtspiel im August 2010 in der ersten Runde des Niedersachsenpokals gegen den MTV Jeddingen zum zwischenzeitlichen 3:1, und auch in der ersten Regionalliga-Begegnung netzte die Teenagerin zum 2:0 gegen die TSG Burg/Gretesch ein. Detken spielte in den folgenden Jahren im Sturm. Mit Unterbrechungen bildete sie mit Anna Mirbach ein enorm gefährliches Offensivduo. „Mit Anna war das immer eine gute Zeit. Die wusste immer, welche Bälle ich brauche. Es hat gut geklappt“, sagt Detken. Sie selber bereitete viele Treffer vor, spielte tendenziell sogar zu oft ab, statt selber den Abschluss zu suchen. „Mein gutes Auge für die Mitspielerinnen ist sicherlich eine Stärke von mir, aber auch in gewissem Maße eine Schwäche: Ich bin zu wenig eigensinnig und spiele auch vor dem Tor lieber noch mal ab. Ich müsste etwas selbstbewusster vor dem Tor sein“, meint sie.

Detken stieg mit den Jahn-Damen in der Saison 2012/13 zwar in die Oberliga ab, schaffte dort aber ihren Durchbruch zur konstanten Stammkraft. Im Sommer 2013 übernahm Claus-Dieter Meier das Traineramt und führte Detken und Co. zur Saison 2014/15 zurück in die Regionalliga. „Das war wirklich eine gute Zeit. An den Wiederaufstieg nach zwei Jahren erinnere ich mich noch gerne. Das war das Highlight“, erzählt Detken. Weitere Höhepunkte sollten folgen: So qualifizierte sich das Team für die Saison 2017/18 für die 2. Bundesliga. „Das war schon besonders cool“, blickt die 27-Jährige zurück.

Ein besonderes Spiel könnte bald folgen: Bereits jetzt steht fest, dass der Sieger der Partie in der zweiten Runde des DFB-Pokals zwischen den Jahn-Damen und dem Walddörfer SV aus Hamburg am 13. Dezember auf den FC Bayern München trifft. Die Partie im Dezember wird auf jeden Fall ohne Zuschauer im Stadion an der Düsternortstraße ausgetragen. Doch selbst wenn noch nicht klar ist, wann der Sieger auf den Bundesligisten aus München trifft, ist eine Partie vor Publikum sehr unwahrscheinlich. „Ein Spiel gegen Bayern wäre schon eine coole Sache. Aber da es wohl ohne Zuschauer wäre, hemmt das die Freude ein bisschen“, sagt Detken und warnt direkt vor den Walddörferinnen. „Wir werden natürlich alles geben, aber ich habe sie als sehr stark in Erinnerung. Sie spielen einen schnellen Fußball und haben gute Einzelspielerinnen. Aber ich habe auch länger nicht gegen sie gespielt“, berichtet Detken. Die Hamburgerinnen spielen in der Parallelstaffel der Regionalliga Nord und haben in drei Partien einen Sieg bei zwei Niederlagen eingefahren.

Bevor die Partie über die Bühne gehen darf, müssen noch einige Formalien erledigt werden: Alle Spielerinnen werden mehrfach vor dem Match auf das Coronavirus getestet. Wer einen Test verpasst, darf nicht mitspielen, wer positiv getestet wird, sowieso nicht. „Es ist alles noch nicht so klar. Wir warten noch darauf, dass wir wieder trainieren dürfen und warten dann das weitere Vorgehen ab. Wir haben jetzt ewig nicht zusammen trainiert. Aktuell ist das alles schwierig“, erzählt Detken. Coach Jörg Beese vermutet, dass die Mannschaft kommende Woche auf den Rasen zurückkehren darf.

Zur neuen Saison wechselte bei den Jahn-Damen der Trainer: Beese folgte auf Claus-Dieter Meier. „Das ist natürlich erst mal ein großer Unterschied. Herr Meier war ja sieben Jahre lang unser Coach. Die ganze Situation ist auch anders. Früher hatten wir einen kleinen Kader, jetzt sind es fast 30 Spielerinnen“, berichtet Detken. Dadurch sei der Leistungsdruck höher, der Kampf um die Plätze in der Startformation größer. „Man muss sich in jedem Training anbieten, um beim Spiel dabei zu sein. Ich würde nicht sagen, dass ich immer gesetzt bin“, ordnet die 27-Jährige ein. Nicht nur die äußeren Umstände, auch die Position auf dem Feld ist neu für das Jahn-Urgestein. Detken lief in der Liga in dieser Saison bislang als rechte Verteidigerin auf, zehn Jahre lang agierte sie zuvor als Stürmerin. „Im Gespräch hat mir der Trainer gesagt, dass ich aufgrund meiner Schnelligkeit und Bissigkeit in den Zweikämpfen auf dieser Position spielen soll. Ich fühle mich in der Offensive zwar wohler, aber wenn die Mannschaft mich rechts hinten braucht, mache ich das natürlich“, betont sie.

Eine Umstellung sei es auf jeden Fall, die Balance zwischen Offensive und Defensive fehle ihr teilweise noch. „Ich habe die Position ja nicht ursprünglich gelernt und bin jetzt eher zu defensiv, weil ich hinten nichts anbrennen lassen will und müsste mich vielleicht öfter vorne mit einschalten. Ich muss mich da noch dran gewöhnen“, sagt sie.

Im DFB-Pokal in der ersten Runde beim 8:1 gegen ATS Buntentor fungierte Detken noch als Stürmerin und erzielte die ersten beiden Treffer der Jahnerinnen. In der Liga misslang der Start hingegen. Gegen den gleichen Gegner setzte es eine 1:4-Heimpleite. „Man hat in dem Spiel schnell gemerkt, dass es nicht gepasst hat“, berichtet die Stuhrerin. Aus vier Partien holte Jahn nur drei Punkte, die Aufstiegsrunde ist in weiter Ferne. „Wir hatten alle viel höhere Erwartungen an uns selber. Aber wir sind auch eine neu zusammengewürfelte Truppe. Wir haben gute Spielerinnen bekommen, aber es sind halt viele neue. Das muss sich erst mal finden. Wir haben viel ausprobiert, verschiedene Taktiken gespielt. Noch passt es nicht hundertprozentig. Rückblickend ist der Fehlstart daher schon auch normal, aber wir hatten uns mehr erhofft“, gibt Detken zu.

Viele der neuen Spielerinnen sind zudem jung. „Ich spreche mit einzelnen Spielerinnen und gebe Tipps und ein Feedback. Aber ich bin vom Typ her nicht die Führungsperson, die sich vor die Mannschaft stellt und eine Rede hält“, meint Detken. Nathalie Heeren oder Julia Hechtenberg seien Führungsspielerinnen.

Grundsätzlich passe es gut im Team. „Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft. Am wichtigsten ist mir, mit Freunden zusammenzuspielen. Es macht einfach Spaß“, berichtet Detken. Ambitionen oberhalb der Regionalliga hat die 27-Jährige nicht. „Die Regionalliga ist schon das Niveau, das für mich passt. Der Aufwand ist auch gut so. Wir trainieren dreimal in der Woche, dazu kommt ein Spiel. Über die Jahre ist das Niveau in der Regionalliga höher geworden. Es ist schon schwieriger als früher. Gerade für einen kleinen Verein wie uns. Da haben andere Vereine schon andere Bedingungen, zum Beispiel einen großen Unterbau oder auch andere Trainingsmöglichkeiten wie einen Kunstrasenplatz, auch wenn Delmenhorst ja jetzt einen bekommen soll“, ordnet die Stuhrerin ein.

Derzeit halten sich die Violetten nur individuell fit. „Wir haben einen Trainingsplan bekommen und laufen dreimal in der Woche. Dazu gibt es das Angebot, gemeinsam online ein Workout zu machen“, berichtet Detken. Übungseinheiten auf dem Rasen ersetzt das jedoch nicht. „Es ist eine komische Saison. Mir geht es jetzt vor allem darum, wieder regelmäßig zu spielen und darum, dass wir uns als Team finden und Spaß zusammen haben“, blickt Detken voraus.

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