Fußball

Fokussiert nach dem Comeback

Der Delmenhorster Profi-Fußballer Herbert Bockhorn hat in seiner Karriere bei einigen Vereinen gespielt. Nachdem er in zuletzt in England nicht so zum Zug kam, will er nun beim VfL Bochum voll angreifen.
03.12.2020, 13:28
Lesedauer: 5 Min
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Von Dennis Glock

Bochum. Als der Delmenhorster Fußball-Profi Herbert Bockhorn im vergangenen Sommer aus der zweiten englischen Liga von Huddersfield Town zum deutschen Zweitligisten VfL Bochum wechselte, erhoffte sich der schnelle Außenverteidiger vor allem eines: Einsatzzeiten. Daraus wurde allerdings nichts. Schon in einer seiner ersten Trainingseinheiten beim Traditionsklub aus dem Ruhrgebiet verletzte sich der 25-Jährige ohne Fremdeinwirkung am linken Knie und fiel wochenlang aus. Nach überstandener Leidenszeit hat sich Bockhorn an den vergangenen Zweitligaspieltagen zurück in den VfL-Kader gekämpft und überzeugte bei seinen Kurzeinsätzen auf Anhieb. Beim 5:0-Heimerfolg über Fortuna Düsseldorf steuerte er zudem eine Torvorlage bei. Bockhorn hofft nun, richtig in Bochum angekommen zu sein und will sich in den kommenden Wochen und Monaten zu einer festen Größe entwickeln.

Herbert Bockhorn ist ein Kind des Nordens. Zwar ist der 25-Jährige in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, geboren worden, doch seine fußballerischen Wurzeln liegen in Norddeutschland. Angefangen bei den Jugendabteilungen des TSV Melsdorf und des FC Kilia Kiel, sicherte sich 2007 Werder Bremen die Dienste des Abwehrtalents. Bei Werder durchlief Bockhorn sämtliche Jugendmannschaften und schnupperte im Jahr 2015 sogar kurz am Bundesliga-Kader der Grün-Weißen. Während seiner Zeit in Bremen wohnte er in Delmenhorst und besuchte das Gymnasium an der Willmsstraße, wo er 2014 das Abitur machte. An seine Zeit in Delmenhorst hegt er noch heute gute Erinnerungen: „An meine Schulzeit erinnere mich gerne zurück. Ich hatte eine supercoole Zeit dort. Zu den alten Freunden habe ich nach wie vor Kontakt. Wenn es passt, versuchen wir uns in Delmenhorst zu treffen und die alten Zeiten Revue passieren zu lassen.“

Nachdem der Durchbruch in Bremen ausgeblieben war, folgte der Wechsel zum SC Wiedenbrück. Ein Jahr später ging es für Bockhorn zur U23 von Borussia Dortmund. Hier blühte er unter dem damaligen Trainer Jan Siewert regelrecht auf und avancierte zu einem wichtigen Stammspieler in der Zweitvertretung. Genau aus diesem Grund nahm Siewert, der zur Saison 2019/20 den Cheftrainerposten beim englischen Zweitligisten Huddersfield Town übernahm, den jungen Außenverteidiger prompt mit zum Klub aus der Grafschaft Yorkshire. Für Bockhorn sollte es ein weiterer Schritt nach vorne sein, auch wegen der guten Verbindung zu Jan Siewert. Daraus wurde allerdings nichts. Gerade mal einen Einsatz verbuchte der frühere Delmenhorster bei den „Terriers“. Das lag vor allem daran, dass sein großer Förderer Siewert nach nur wenigen Spieltagen entlassen wurde. Unter dem neuen Trainer Danny Cowley schaffte es Bockhorn nicht ein einziges Mal mehr in den Kader. Rückblickend hat der pfeilschnelle Verteidiger aus der vergangenen Saison dennoch einiges mitgenommen: „Auch wenn es sportlich hätte besser laufen können, bleibt unterm Strich: meine erste Auslandsstation. Da muss man lernen, mit anderen Herausforderungen klarzukommen. Eine ungewohnte Umgebung, eine andere Sprache, generell eine etwas andere Kultur.“ Bereut hat Bockhorn den Schritt nach England daher nicht. „Die Erfahrungen, unter welchen Bedingungen die Profis in England trainieren und spielen, den Grad der Professionalität in englischen Klubs kennenzulernen sowie den Stellenwert des Fußballs auf der Insel, möchte ich nicht missen.“

Im vergangenen Sommer folgte der Wechsel in die 2. Bundesliga zum VfL Bochum. Hier sollte für Herbert Bockhorn alles besser werden. Das lag vor allem daran, dass Bochum von Anfang an große Stücke auf ihn gesetzt hat. „Herbert ist ein schneller, dynamischer und flexibler Spieler für unsere Außenbahn, der schon unter Beweis gestellt hat, dass er über Offensivdrang verfügt“, sagte Sebastian Schindzielorz, VfL-Geschäftsführer Sport, damals bei der Vorstellung. Auf der vereinseigenen Homepage folgte in Anlehnung an Musiker Herbert Grönemeyer, dessen Song „Bochum“ vor jedem Heimspiel des VfL im Stadion gespielt wird, eine Vorstellung unter dem Slogan „Herbert und Bochum? Das passt!“.

Somit stand einer erfolgreichen Saison eigentlich nichts mehr im Wege. Doch bereits wenige Tage nach seiner Verpflichtung kam in einer Trainingseinheit der nächste Rückschlag: Verletzung im linken Knie. Bockhorn fiel mehrere Wochen aus und musste zusehen, wie sich andere Spieler die Plätze in der Stammelf sicherten. „Ich habe gelernt, mich nicht entmutigen zu lassen und bin entsprechend optimistisch ins Reha- und Aufbauprogramm gegangen. Dann kam der Rückschlag im Spiel gegen St. Pauli, als ich mich beim Aufwärmen erneut verletzt habe. Aber auch da gilt: Situation annehmen, ruhig bleiben, aufs Comeback hinarbeiten.“
Nach sechs Wochen Pause ist Herbert Bockhorn nun zurück und verfolgt große Ziele mit den Westfalen: „Ich hatte schon davor das Gefühl, in Bochum und beim VfL richtig zu sein. Ich kenne das Ruhrgebiet und die Fußballverrücktheit hier aus meiner Zeit beim BVB.“ Beim 3:1-Auswärtserfolg beim Hamburger SV kam der Außenverteidiger am achten Spieltag in den Schlussminuten zu seinem ersten Ersatz. Hierbei gelangen ihm keine nennenswerten Aktionen mehr. Ganz anders sah das am vergangenen Spieltag in der Heimpartie gegen Fortuna Düsseldorf aus. Beim Stand von 4:0 wurde Bockhorn in der 77. Minute eingewechselt. Nur wenige Minuten später legte er den Ball im Sechzehner zurück auf Milos Pantovic, der aus elf Metern ins rechte Eck zum 5:0-Endstand vollendete. Auf seine erste Torbeteiligung im VfL-Trikot ist Bockhorn stolz, bedauert aber gleichzeitig die coronabedingt leeren Stadien: „So sehr ich mich über meinen Assist freue, so sehr hätte ich mir gewünscht, das anschließende Tor vor voller Hütte feiern zu können. Die Fans fehlen.“

Anders als in den vergangenen Jahren präsentiert sich der VfL Bochum in der laufenden Zweitligasaison sehr gefestigt. Mit zahlreichen überzeugenden Auftritten haben sich die Blau-Weißen langsam, aber sicher im oberen Tabellendrittel festgesetzt. Aktuell belegt der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet den zweiten Tabellenplatz. Trotz aller Euphorie möchte Bockhorn aber erst mal von Spiel zu Spiel schauen: „Die Liga ist eng, zwischen Platz zwei und Platz zwölf liegen gerade mal sechs Punkte. Noch ist nicht einmal ein Drittel der Saison gespielt. Fakt ist: Wir haben eine gute Mannschaft und sind in der Lage, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen.“

An diesem Spieltag gastiert der Außenverteidiger mit dem VfL bei Holstein Kiel. Für Bockhorn ist es eine Art Rückkehr zu den Wurzeln. Denn in Schleswig-Holstein, insbesondere in Kiel, hat er sich in der Jugend für höhere Aufgaben empfohlen und den Wechsel nach Bremen gewagt. Nach mehreren Wechseln hat er sich nun im Profi-Fußball festgebissen. Wenn es nach Bockhorn geht, ist er für die anstehende Partie bereit. Viel wichtiger ist ihm allerdings eine Sache: „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte – außer dem bestmöglichen Erfolg mit der Mannschaft –, dann wäre es, möglichst verletzungsfrei durch die restliche Saison zu kommen.“

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