Fußball Viel Raum für Überraschungen

An diesem Donnerstag beginnt die neue Saison in der Kreisliga. Das konkrete Ziel Meisterschaft hat keine Mannschaft ausgegeben.
31.07.2019, 12:49
Lesedauer: 5 Min
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Von Ralf Kilian

Noch vor einigen Jahren sprach man vor Saisonbeginn von der „besten Kreisliga aller Zeiten.“ Man schrieb die Spielzeit 2013/14, als Hochkaräter wie der SV Atlas (wohlgemerkt mit der ersten Mannschaft), der VfL Stenum, der FC Hude, der SV Baris und der TuS Heidkrug die Kreisliga aufmischten. Doch alle diese Klubs haben sich nach oben verabschiedet, und die eigentlichen Favoriten der Spielzeit 2019/20 melden erste Probleme. So spricht beispielsweise Harpstedts Trainer Jörg Peuker von der „schlechtesten Vorbereitung, die ich je hatte“. Auch bei der Reserve des SV Atlas ist noch keine Aufbruchstimmung zu spüren, und bei letztjährigen Spitzenteams wie dem TSV Großenkneten und dem VfR Wardenburg überwiegen die Abgänge.

So verwundert es nicht, dass niemand das konkrete Ziel Meisterschaft ausgibt. Selbst Vizemeister Ahlhorner SV gibt sich bescheiden, aus ähnlichen Gründen wie der Konkurrent aus Harpstedt. „Die Vorbereitung lief aufgrund von Urlaub und Verletzungen nicht wie gewünscht“, sagt Trainer Servet Zeyrek. „Deshalb hoffen wir, dass wir besser in diese Saison starten als in die vergangene, weil diese Punkte uns am Ende die Meisterschaft gekostet haben. Wir wissen aber auch, dass diese Saison wahrscheinlich noch schwerer wird.“ Zeyreks Bedenken gründen sich auf namhaften Abgängen wie Bartosz Drozdowski und Zana Ibrahim, deren Fehlen das Gefüge zu Beginn durcheinanderbringen könnte. Aber auf Dauer sollten Zugänge wie insbesondere Torschützenkönig Shqipron Stublla (TV Dötlingen), Nexhdet Berisha (Wardenburg) und Großenknetens ehemaliger Regisseur Andre Reimann die Abgänge kompensieren können.

Ahlhorn als Favorit

Daher gilt der ASV als Favorit Nummer eins. Aber was ist mit dem SVA? Die Zweite des SV Atlas ist nicht wie andere Reserveteams eine U23, sondern eher eine Ü30. Von den Namen her ist Atlas II am besten bestückt, doch schon im Vorjahr ließ man sich oftmals auskontern. Ob man aufsteigen oder nur „oben mitspielen“ kann (so das offizielle Saisonziel), hängt von der Zusammenarbeit mit der ersten Mannschaft ab. Wenn der 27-köpfige Oberliga-Kader fleißig Spieler ans Kreisliga-Team abstellt, führt kein Weg an der Mannschaft von Daniel von Seggern vorbei. Doch ohne Hilfe von oben dürfte für den Titel das Tempo fehlen, zumal Flügelflitzer Emiljano Mjeshtri jetzt auch in der Ersten angreift.

Noch am Ende der vergangenen Spielzeit gab sich Harpstedts Trainer Jörg Peuker deutlich forscher: „In der nächsten Saison sind wir dran.“ Sechs Wochen später ist Peuker ernüchtert: „Viele Verletzungen und immer wieder Urlaube – eine Katastrophe. So, denke ich, wird das nichts mit der Meisterschaft.“ Aber vielleicht ist das auch nur Understatement, denn sein schon in der vergangenen Saison starker Kader verzeichnet keine Abgänge, dafür unter anderem mit Timo Höfken (vom TV Jahn) einen neuen Sturmtank. Spielstark war Harpstedt schon immer. Die Truppe kennt sich und hat in den zurückliegenden Jahren wertvolle Erfahrungen gesammelt. Wenn der Start nicht verpatzt wird, könnte Peuker positiv überrascht werden.

Auf ähnliche Glücksgefühle hofft man in Wardenburg und Großenkneten. Angesichts der namhaften Abgänge womöglich vergeblich. Torwart Sven Neuefeind war ebenso wie Andre Reimann, Christoph Cebulla und Sven Peters ein absoluter Leistungsträger beim TSV, in Wardenburg wird in Zukunft mit Thorben Engelbart ebenfalls die zuletzt unumstrittene Nummer eins fehlen. Hinzu kommen auf der Seite der Abgänge fünf weitere Stammspieler plus Sven Hörnlein, der das Wardenburger Spiel lange geprägt hat. Aus dem Landkreis ist eher dem deutlich verstärkten TV Munderloh eine Überraschung zuzutrauen.

Überraschen können auch drei Delmenhorster Vereine – in jeder Hinsicht. Der TuS Hasbergen hatte nach einer sensationellen Hinrunde im Frühjahr Auflösungserscheinungen offenbart, die der neue Trainer Chawkat El-Hourani stoppen will. Dafür lotste er ein Quartett ehemaliger Weggefährten an den Tell, mit denen er schon beim TSV Ippener die komplette Palette von grandiosen Spielen bis zur Selbstzerfleischung abdeckte. Mit der nötigen Disziplin könnte Hasbergen ein sehr starker Gegner werden. Ähnliches wünscht man sich beim TV Jahn. Nach einer sehr schwachen Saison 2018/19 peilt Trainer Arend Arends eine Verdoppelung der Punktzahl auf 48 an. Ob das realistisch ist, wird sich zeigen. Aber nachdem die Violetten sich über mehr als die Hälfte der vergangenen Spielzeit sehr großzügig gegenüber ihren Gegnern gezeigt hatten, würde schon ein wenig mehr Griffigkeit vermutlich für zehn Punkte mehr sorgen.

Hürriyet komplettiert das Wundertüten-Trio aus der Delmestadt. Technisch macht den Rot-Weißen kaum jemand etwas vor, aber der Kader war vor Jahresfrist einfach zu dünn besetzt. Mit fünf Zugängen hat Trainer Murat Turan nachgearbeitet und freut sich über die Rückkehr von Torwart Tuna Sahinkaya. Damit kann der gewünschte einstellige Tabellenplatz erreicht werden. In diese Region gehört auch der Pokalsieger aus Ganderkesee, der den Verlust von „Aggressive Leader“ Marc Rässler (Atlas II) durch den ähnlich veranlagten Giovanni D’Elia aus Falkenburg kompensieren kann. Ein weiterer Mittelfeldkandidat ist der TV Dötlingen, auch ohne die beiden Stubllas.

Wer kämpft um den Klassenerhalt?

Eine sorgenfreie Serie sollte man zudem dem Aufsteiger VfL Wildeshausen II zutrauen. Das vergangene Jahr in der 1. Kreisklasse verlief extrem souverän, der neue Trainer Mete Döner hat eine unheimlich kompakte und körperlich fitte Truppe beisammen. Probleme könnte höchstens extremes Verletzungspech bereiten. Etwas schwächer, aber noch kein unmittelbarer Abstiegskandidat ist der FC Huntlosen. Dennis Beckmann (zurück nach Wardenburg) wird sehr fehlen, aber mit dem gewohnten Teamgeist dürfte der FCH wohl über dem Strich bleiben.

Enger wird es vermutlich für den TV Falkenburg. Mehr Masse als Klasse konnte Coach Georg Zimmermann in der Vorbereitung begrüßen. Von den 28 Akteuren werden sicher nicht alle mithelfen können, „mehr Punkte zu ergattern als letzte Saison“ (so lautet das Saisonziel). Wobei 20 Zähler wohl kaum noch einmal zum Klassenerhalt reichen werden. Aufsteiger KSV Hicretspor wird nach den Erfahrungen der Vorsaison vornehmlich an seiner Fitness arbeiten müssen, es gab doch einige konditionelle Defizite in engen Spielen und Rückschläge in der Rückrunde. Ganz anders ist die Reserve des VfL Stenum gestrickt: weniger Talent, dafür mehr Kompaktheit. Trainer Frank Radzanowski hat zuletzt die A-Jugend zu höchsten Ehren geführt, mit der 2. Herren gilt es ganz andere Dinge umzusetzen.

Es gibt folglich in allen Tabellenregionen Raum für Überraschungen. Ob die Ahlhorner ihrer Rolle als Topfavorit gerecht werden können, müssen sie schon an diesem Sonnabend beim reizvollen Derby gegen Großenkneten unter Beweis stellen. Bereits an diesem Donnerstag ist die Atlas-Reserve gegen den VfR Wardenburg gefordert. Anstoß ist um 19.30 Uhr im Düsternortstadion. Während Harpstedt am Freitag mit dem TV Munderloh einen vergleichbaren Brocken vor der Brust hat, sticht am Sonntag das Derby zwischen Hürriyet und Hicretspor heraus.

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