Fußball-Kreisliga

Violetter Torrausch

Der TV Jahn Delmenhorst schießt erneut acht Tore in einem Stadtderby und deklassiert den KSV Hicretspor. Damit setzen sich die Mannen von Trainer Arend Arends in der oberen Tabellenhälfte fest.
18.08.2019, 15:05
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Von Ralf Kilian
Violetter Torrausch

Wenn Toreschießen zur Routine wird: 16 Treffer erzielten die Akteure des TV Jahn Delmenhorst innerhalb von vier Tagen in zwei Partien.

INGO MÖLLERS

Es hat sich einiges aufgestaut in den vergangenen Jahren beim TV Jahn Delmenhorst. Als die Violetten 2009 Fußball-Kreisligameister wurden, gab es noch Heimsiege wie 10:3 gegen den TV Dötlingen, 8:0 gegen Borussia Delmenhorst und sogar ein 8:1 gegen den FC Hude. Seitdem war Flaute, im Herbst 2017 wurde Jahn sogar mit 1:9 vom TSV Ippener gedemütigt. Der aufgestaute Torhunger muss jetzt offenbar raus – und die Mannschaft von Arend Arends stillte ihn mit 16 Buden binnen vier Tagen. Nach dem 8:2 am Dienstag gegen den TuS Hasbergen sprangen die Hausherren durch einen 8:0 (4:0)-Kantersieg über den KSV Hicretspor über Nacht sogar an die Tabellenspitze, bis der SV Atlas II 20 Stunden später wieder vorbeizog.

„Es ist schön, so viele Tore zu schießen“, war Arends nach dem Abpfiff gelöst. „Das haben wir letzte Saison gar nicht hingekriegt.“ Aber nicht nur da klemmte es vorne gewaltig, im Grunde ist das in den vergangenen fünf Kreisligajahren nicht anders gewesen. Interessanterweise hat sich das Personal kaum verändert. Bis auf Rückkehrer Marc Pawletta (spielte nur eine der vier Halbzeiten bei beiden Kantersiegen) und dem ehemaligen A-Jugendlichen Pascal Sroka stehen die gleichen Protagonisten wie im Vorjahr auf dem Rasen. „Wir haben die Truppe ganz gut entwickelt“, stellte Arends zu Recht fest.

Der TV Jahn zeichnet sich im Sommer 2019 auch dadurch aus, dass er alles nutzt, was der Gegner anbietet. Und da präsentierte sich Hicretspor recht freigiebig. „Eigentlich kann ich den Jungs kaum einen Vorwurf machen. Sie kämpfen und versuchen alles. Aber Fehler wie vor dem 1:0 dürfen nicht passieren“, sagte Hicretspor-Coach Timur Cakmak nach der vierten Niederlage im vierten Spiel. Nach Diagonalpass von Marcel Maus vernaschte Pascal Hoppe seinen Gegenspieler Turgay Thuran und traf mit Hilfe des Innenpfostens aus spitzem Winkel zum 1:0 (9.). Viele der 80 Zuschauer waren sich sicher: Vor einem Jahr wäre der Ball vom Pfosten wieder herausgesprungen, jetzt rutscht er ins Netz. Auch bei Hoppes Sturmkollegen Thomas Keilbach funktioniert zur Zeit alles. Beim 2:0 (14.) vollstreckte er nach einem Eckball per Kopf die Vorarbeit von Okan Özcan.

Erst danach konnte Hicretspor die Partie etwas ausgeglichener gestalten und hatte auch mal längere Ballbesitzphasen. Trotzdem bot nur Torwart Harun Uzun Normalform an, damit verhinderte er immerhin eine zweistellige Pleite. Gegen Ende der ersten Hälfte zogen die Platzherren das Tempo wieder an und Keilbach markierte sein fünftes Saisontor im vierten Spiel. Im Vorjahr hatte er in der gesamten Saison lediglich dreimal geknipst. Sein 3:0 (39.) bereitete Pawletta mit energischem Nachsetzen vor, zum 4:0 traf Pawletta selbst. Zunächst hatte Özcan den Ball aus 17 Metern ans Lattenkreuz gezirkelt, Hicretspor bekam den Ball nicht weg und Pawletta lochte aus acht Metern ein (45.).

Hicretspor wurde nach der Pause gleich wieder kalt erwischt. Dennis Geiger war für Pawletta gekommen und verwertete mit dem ersten Kontakt zum 5:0 (47.). Beim 6:0 war es der Eckball von Özcan, der ohne nennenswerte Berührung direkt im Hicretspor-Tor einschlug (49.). Keeper Uzun schimpfte lautstark mit seinen nachlässigen Vorderleuten und verhinderte danach gleich dreimal mit tollen Reaktionen einen höheren Rückstand. Cakmak fühlte mit seinem verlassenen Torwart, konnte sich aber zumindest auf die Fairness seiner Mannschaft verlassen: „Wichtig ist, dass die Jungs ruhig sind.“ Es gab nur jeweils eine Gelbe Karte für beide Mannschaften.

Es fielen noch zwei Tore, weil Jahn nach verhaltener Phase Mitte der zweiten Hälfte – „Da waren wir nicht stringent genug“, kritisierte Arends – wieder hochschaltete. Maus staubte nach zwei weiteren Paraden von Uzun zum 7:0 ab (77.) und Burak Yaman knallte einen Foulelfmeter – Selman Kabas hatte Aaron Dixon am Trikot gezupft – zum 8:0-Endstand unter die Latte (84.). „Hicretspor hatte das ganze Spiel über keine Torchance“, lobte Arends auch das starke Defensivverhalten seiner Mannschaft. „Allerdings hatten wir bis jetzt auch keinen Hammergegner, die erste Standortbestimmung erfolgt nächsten Freitag beim TV Munderloh“, blickte der Jahn-Coach voraus.

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