Trittsiegel mit Übung richtig deuten

Tierische Spuren im Schnee

Wege und Felder liegen derzeit in Delmenhorst unter einer Schneedecke. Dort hinterlassen heimische Wildtiere ihre Abdrücke. Bei genauerem Hinsehen lässt sich deuten, welches Tier vor Ort war.
11.02.2021, 14:07
Lesedauer: 3 Min
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Tierische Spuren im Schnee
Von Desiree Bertram

Bei jedem Schritt knirscht der Schnee unter den Füßen, und auf dem weißen Boden entstehen Abdrücke. So gibt es derzeit auf den Wegen, Feldern oder Wiesen jede Menge Spuren zu entdecken. Anhand der Beschaffenheit der hinterbliebenen Trittsiegel lässt sich bestimmen, welches heimische Wildtier durch den Schnee gestapft ist. Von Vögelchen bis Reh kann in Delmenhorst alles entdeckt werden.

„Das ist sehr spannend – wir Jäger gehen raus, um zu schauen, was für Spuren im Schnee sind“, sagt Heike Kroll vom Delmenhorster Naturschutzbund (Nabu). Sie ist als Jägerin tätig und weiß, dass die Spuren im Schnee nicht nur zeigen, welches Tier vor Ort war, sondern auch, was das Tier gemacht hat.

Wenn einzelne Spuren weiter auseinander liegen, könnte das Tier auf der Flucht gewesen sein. Ein Schalenwild, wie etwa ein Reh, hat beispielsweise geteilte Zehen. Wenn der Abdruck tief im Schnee sitzt und die Zehen gespreizt aussehen, deutet das daraufhin, dass das Tier schnell unterwegs war und gesprungen ist, erklärt Kroll: „Ich finde es interessant, wenn man erst eine Vermutung hat und dann tatsächlich an den Spuren sieht, welches Tier wirklich dort war.“ Gerade bei nachtaktiven Tieren sind diese hinterlassenen Trittsiegel sehr hilfreich.

Einige Spuren lassen sich relativ einfach deuten. Dazu gehören die Abdrücke eines Rehwildes, verrät Kroll: „Die Spur sieht aus wie an einer Schnur, ein Abdruck vor dem nächsten.“ Auch Hasen können leicht erkannt werden. Denn sie setzen ihre Vorderpfoten etwas versetzt auf und die Hinterpfoten nebeneinander. Die Pfotenabdrücke von Füchsen und Hunden hingegen ähneln sich auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen falle aber auf, dass die eines Fuchses eher länglich und die eines Hundes eher rundlich aussehen. „Wenn man ein bisschen übt, bekommt man das hin“, sagt Kroll.

Rücksicht auf Wildtiere

So können zum Beispiel erst mal die Spuren der Haustiere begutachtet werden. Nicht nur in Wäldern oder auf Feldern gibt es viele hiesige Wildtiere, sondern auch im eigenen Garten. „Heute morgen habe ich bei mir im Garten winzig kleine und süße Mausspuren und ein bisschen weiter Rattenspuren gesehen“, berichtet Kroll. Diese Spuren verliefen in Richtung Wasser. Unterschieden habe sie die Tierarten anhand der Größe und Form des Abdrucks. Wichtig ist aber auch, dass die Menschen Rücksicht auf die Natur und die Tiere nehmen. Kroll fällt vermehrt auf, dass viele Spaziergänger abseits der ausgeschilderten Wege laufen: „Die Menschen gehen kreuz und quer durch den Wald – das ist für die Tiere, die dort leben, gar nicht gut.“ Bei Rehen wird im Winter beispielsweise der Stoffwechsel heruntergefahren, sie müssen mit wenig Nahrung viel Energie bekommen. Dadurch, dass viele Menschen coronabedingt gerade viel Zeit haben, gehen immer mehr in Wäldern spazieren.

Gerade wenn Spaziergänger mit ihren Hunden dort unterwegs sind, wo Wildtiere ihre Ruheplätze haben, können diese dort nicht mehr zur Ruhe kommen. „Der Hund kann noch so lieb sein, die Wildtiere wittern den Hund und Menschen – dadurch sind sie im Dauerstress“, erklärt Kroll. Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene sind das Verständnis vom Kreislauf der Natur und die Zusammenhänge wichtig. Spuren können auch dort gefunden werden, wo sich die Tiere nicht verscheucht oder bedroht fühlen.

Spuren könne man überall finden, wo Neuschnee liegt. Mit Hilfe von Büchern oder Informationen aus dem Internet und einem Lineal lassen sich die gefundenen Abdrücke leicht identifizieren. Gerade für die Kleinen sei das sehr spannend, sagt Kroll: „Kinder haben einen Blick dafür und tauchen schnell ein.“ Sie nehmen ihre Umgebung nicht als langweilig wahr, sondern entdecken überall verschiedenste Spuren.

Spuren im Garten

Auch Bettina Janssen vom Naturschutzbund beobachtet verschiedenste Vogelarten in ihrem Garten: „Schwanzmeisen sind niedlich – die kommen in Gruppen und hängen sich zu sechst oder siebt an einen Futterspender.“ Nicht nur Meisenarten, auch Rotkehlchen, Kleiber oder Buchfinken entdecke sie regelmäßig. Deshalb hat sie bereits mehrere Futterstellen eingerichtet. Insbesondere dort sind einige Spuren im Schnee zu finden. Zum einen von Vögeln, zum anderen aber auch von Mäusen. „Das sind dann kleine Spuren, wo der Schnee dahinter verwirbelt ist“, erklärt Janssen. Diese ziehen nämlich ihren Mäuseschwanz hinter sich her.

Auch im Garten der Delmenhorsterin Elke Lutzebäck tummeln sich im Winter viele Vögel: „Ich interessiere mich für die Tierwelt und bekomme oft Besuch von Vögeln, Hühnern, Fröschen oder Mardern.“ Manchmal husche sogar ein Fasan durch ihren Garten. Da sie immer mal wieder ihr unbekannte Arten entdeckt, hat sie ein Vogelbestimmungsbuch parat.

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